03.02.16 | Hände auf den Wangen

Gestern habe ich meine Schwiegermutter am Niederrhein besucht. Wie immer setzte ich mich unmittelbar vor sie, da die Hundertjährige kaum noch hört und sieht. Die Augen hält sie überwiegend geschlossen.

Sie erkennt mich blind, wenn ich meine Hände in ihre lege. So saßen wir gestern da, und ich erzählte Martins Mutter von einer besonderen Begegnung, die mich froh macht.

Meine Schwiegermutter fragte zart: „Du bist glücklich?“ Ich drückte ihre Hände. Da öffnete sie mühsam die Augen. Es dauerte, bis sie sie halbwegs auf mich eingestellt hatte. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, und sie fasste das, was sie von meinem Lächeln erkennen konnte, so zusammen: „Dann ist es gut.“ Sie nahm mit ihren Händen meine Hände hoch, legte sie rechts und links auf ihre Wangen, bettete ihre Hände darüber und wiegte, noch immer lächelnd, ihren Kopf hin und her. Darin lag so viel zärtliche Mitfreude.

Etwas später wollte sie alles genau wissen. Und ich berichtete gewissenhaft. Der Abschied war wie immer: Wir haben uns gegenseitig mit einem kleinen Kreuzzeichen auf der Stirn gesegnet.

Herzlich eure
Turmflüsterin

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