17.01.16 | Sätze gegen den Strich

Das Sonntagsevangelium von der Hochzeit zu Kana enthält viele Möglichkeiten, Gutes herauszulesen. Maria sagt Jesus unscheinbar, wie es ihre Art ist: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Eine Feststellung, keine Aufforderung an ihren Sohn, endlich einmal ein Zeichen zu setzen. Der Satz geht Jesus nach. Fast barsch fragt er: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Ist Maria beleidigt? Sie bleibt ganz bei sich und dem, was sie schon bei anderer Gelegenheit im Herzen bewegt und gefühlt hat: Da bahnt sich etwas Großes an.

Das Evangelium überliefert nicht einmal eine Antwort an ihren Sohn, kein: „Ich hab ja gar nichts gesagt“, auch keine Bitte um Entschuldigung: „Du, ich wollte dich nicht drängen. Du weißt natürlich am besten, welchen Weg du gehen musst.“ Sie ist sich des Weges sicher und wendet sich nicht an Jesus, sondern an die Diener: „Was er euch sagt, das tut.“

In diesem kurzen Satz steckt ein ganzes Glaubensbekenntnis. Maria hinterfragt nicht, ob Jesus sich eines Besseren besinnt. Sie ist einen Schritt weiter: Jesus ist der Heilsbringer selbst noch bei einer Landhochzeit, die so dürftig ausgestattet ist, dass vor der Zeit der Wein ausgeht.

Vielleicht überliefert uns dieses Evangelium das letzte Ereignis, in dem Maria als Mutter die Schritte ihres Sohnes lenkt. Zugleich ist es das erste Heilsereignis beim Evangelisten Johannes, in dem Zeichen und Wunder geschehen. Maria leitet es ein. Mit zwei Sätzen: zwei klaren Ansagen, die schlichter nicht hätten kommen können.

Manchmal sind es die sanften, klugen Sätze voller Zuversicht gegen den Strich, die Berge versetzen.

Herzlich eure
Turmflüsterin

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