2014-09-21-Turmgefluester

Trost und Hoffnung (Sonntag)

Donnerstag eine Beerdigung im Westfälischen, Freitag eine im Rheinländischen. Befremdet stehe ich am ersten Tag am Grab. Aus den Worten des katholischen Priesters lese ich nur mühsam etwas Tröstliches für die Familie heraus. Einen Tag später höre ich den evangelischen Priester sagen, wir seien zusammengekommen, um uns gemeinsam an den Verstorbenen zu erinnern und ihm für alles zu danken.

Am liebsten würde ich rufen: „Und das macht ein christliches Begräbnis aus?“ Dann könnten wir uns genauso irgendwo in einem gemütlichen Lokal zu einer Gedenkfeier treffen. „Leichenschmaus“ ohne Christus.

Natürlich kam im weiteren Verlauf der Trauerfeier Jesus vor, aber es fühlte sich für mich nicht mehr so an, als wenn der Erlöser unsere Mitte ist. Dabei liegen gerade darin  Trost und Hoffnung.


Ein kleines Ritual (Donnerstag)

Heute hätten Martin und ich unseren Hochzeitstag gefeiert. Wir hatten jedes Jahr das gleiche kleine Ritual, um uns an unserer Liebe zu freuen.

Ich hatte ein bisschen Angst vor diesem Tag. Ich wollte auf das kleine Ritual nicht verzichten, damit das, was so schön war, nicht als schmerzliche Erinnerung verblasst, sondern in froher Erinnerung gepflegt wird.

So lud ich unsere liebe Freundin Maria ein, mit mir das kleine Ritual zu feiern. Sie sagte sofort zu. Zwei Tage später rief sie an. Einer ihrer Brüder war gestorben. Heute wird er beigesetzt. Jetzt treffen Maria und ich uns zur Beerdigung.

Ich bin sicher: Martin ist einverstanden mit dieser abgeänderten Verabredung. Wir müssen in unserem Leben immer wieder neu entscheiden, was „dran“ ist.


Froh weitermachen (Dienstag)

Zum Abschluss des vierten Gesprächsforums der Deutschen Bischofskonferenz in Magdeburg sagte der Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx einen hoffnungstimmenden Satz. „Die Pädagogik Jesu war nicht zu sagen, was alles nicht klappt. Jesus hat den Menschen Mut gemacht: Glaube! Der Glaube kann alles! Deshalb müssen wir an die Ressourcen appellieren, die vorhanden sind, in der Kraft des Geistes, im Miteinander, eine Mission für die Welt zu sein und so zu evangelisieren.“

Solche großen und kleinen Missionen geschehen längst in unserer Pfarreiengemeinschaft. Wir sollten uns nicht entmutigen lassen, wenn eine neue Initiative nicht gleich der schiere Brüller wird und die, die wir ansprechen wollen, nicht in Massen in unsere Projekte strömen. Einfach noch mal hinsehen, was wir tun, vielleicht den Weg ein wenig ändern, mehr auf die Menschen schauen, die gemeint sind, und dann froh weitermachen!


Antisemitismus ist Gotteslästerung (Montag)

Eine demonstrierende Bundeskanzlerin! Das hat es nicht häufig gegeben. Gestern verurteilte Angela Merkel jede Form von Antisemitismus. Jüdisches Leben gehöre „unmissverständlich zu Deutschland“ und seiner Kultur. Das sagte sie gestern in Berlin auf einer Großkundgebung vor dem Brandenburger Tor. Der Zentralrat der Juden hatte dazu aufgerufen. Mehrere tausend Bürger nahmen teil.

Der Präsident des Zentralrats der Juden Dieter Graumann freute sich über die vielen Menschen, sagte allerdings auch, es stimme ihn traurig, dass eine solche Kundgebung überhaupt nötig und erst durch das Engagement der jüdischen Gemeinde möglich geworden sei. „Ein Stück mehr Gefühl, mehr Empathie hätte ich mir schon gewünscht in der Gesellschaft in diesen Wochen.“

In jüngster Vergangenheit war es wiederholt zu antijüdischer Hetze gekommen, vor allem im Umfeld von Demonstrationen gegen Israels Politik.

Unterschiedliche Meinungen über Politik sind der Treibstoff jeder Demokratie. Diese Meinungen als Vehikel für Hass zu missbrauchen, ist menschenunwürdig.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx versprach den jüdischen Mitbürgern: „Sie sind nicht alleine, wir stehen an Ihrer Seite.“ Schulter an Schulter müsse auch der Alltagsantisemitismus bekämpft werden. „Der Hass der Wenigen wird mächtig durch das Schweigen der Vielen.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Nikolaus Schneider und Marx erinnerten an die Verantwortung der Kirchen, die auch aus der Geschichte gewachsen sei. Schneider sprach einen starken Satz: „Antisemitismus ist Gotteslästerung.“


Wenn der Vatikan twittert (Sonntag)

Eigentlich gibt es nichts, wofür nicht ein Welttag gefeiert wird. Heute begehen wir einen, den ich sinnvoll finde: den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Hätten Sie sich einen Papst Johannes Paul II. vorstellen können, der twittert? Längst fliegen Kurznachrichten aus dem Vatikan in die Welt und tun ihre Wirkung.

Ein bisschen ist es so wie mit dem elektrischen Strom. Als er im ausgehenden 19. Jahrhundert flächendeckend eingeführt werden sollte, malten besorgte Klugköpfe Schreckensszenarien in die mit Petroleumgestank verseuchte Luft: Das sei der Weltuntergang; die Elektrizität entfessele Gottes Natur und ziehe womöglich den Teufel nach.

Heute haben wir nicht mehr so viel Pathos, aber die Denkrichtung ist die gleiche. Bloß nicht diese umwälzenden Neuerungen. Dabei müssen wir uns nur daran gewöhnen, verantwortungsbewusst mit ihnen umzugehen. Wie immer gilt: Nicht die Mittel sind schlecht, sondern allenfalls unser Umgang mit ihnen.

Die sozialen Kommunikationsmittel ermöglichen eine Fülle guter Kontakte, Informationen und Teilhabe am Leben – zum Beispiel über den neuen Pfarrbrief, unsere Webseite, die Vermeldungen im Gottesdienst, ja, über die Gottesdienste selbst.

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