2014-12-14 Priesterjubiläum von Carl Borromäus Hack

Jesus, berühre mich

Von Delia Evers | Feier des Silbernen Priesterjubiläums von Carl Borromäus Hack

Alles passte zusammen. Und alles war schlicht: Im Altarraum durfte der Adventskranz mit seinen drei brennenden Kerzen wirken – kein üppiger Blumenschmuck nahm die Sicht auf ihn. Die Priester, die zelebrierten und konzelebrierten, waren ohne Schnickschnack in festliches Weiß gekleidet; und dass Silberjubilar Carl Borromäus Hack doch ein besonderes Messgewand trug, erfuhr die große Gemeinde erst später.

1-CBH-IMG_2597Seine Haushälterin Eleonore Smolka hatte quasi hinterrücks die Körpermaße ihres Chefs besorgt und ihm den Stoff speziell für die Jubelfeier auf den Leib geschneidert.

Carl Borromäus im neuen Messgewand und seine Haushälterin Eleonore Smolka beim Friedensgruß.

Carl Borromäus Hack trug das Geschenk samt zugehöriger Stola mit eingepasster „25“ voll Freude. Mehr Glanz brauchte es nicht für eine würdige und stimmungsvolle Feier.

Auch das Evangelium sprach von Zurückhaltung. Es erzählte von Johannes, der Menschen in Scharen taufte und gefragt wurde, wer er sei. Pfarrer Johannes Ehrenbrink sprach in seiner Predigt über die Antwort des Täufers: „Ich bin die Stimme.“

Johannes sei einzigartig, ein besonderer Mensch und habe als dieser einzigartige Mensch eine außergewöhnliche Aufgabe, nämlich Stimme eines anderen zu sein.

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Konzelebranten und Zelebrant in der St.-Bonifatius-Kirche: v.l. Johannes Ehrenbrink, Günter Hillebrandt aus Rheine, Carl Borromäus Hack und Ricardas Rutkauskas aus Nürnberg.

Hier liege ein entscheidender Hinweis des Evangeliums: „Wer sich selbst findet und seine Aufgabe entdeckt, muss und kann sich nicht die großen Wünsche und Hoffnungen anderer aufdrängen lassen und kann sich nicht in Rollen hineinschieben lassen, die andere für ihn ausgeguckt haben.“

Wer seine Aufgabe aus dem Glauben heraus entwickele, müsse Sonderwege gehen. Er dürfe und müsse sich einerseits – auch aus Gottes Sicht – für unverzichtbar halten, andererseits jedoch keinesfalls als Hauptperson verstehen: „Er ist von Gott gesandt und damit Gottes Diener.“

Dieser Prediger, der sich selbst klein machte und lediglich als Diener und Stimme eine knallharte Anklage gegen die Gläubigen erhob, habe rundum recht. Er wisse: „Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt.“

Jesus Christus sei schon da, und keiner beachte ihn; er stehe dabei und werde nicht gesehen. „So hoch sind die Berge im Inneren der Menschen, so dünn sind die Pfade in ihren Gedanken, so abgründig die Schluchten in den Herzen!“

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Viele Gläubige standen hinten in der Kirche, weil keine Bankplätze mehr frei waren. Aus der ganzen Pfarreiengemeinschaft und den früheren Wirkorten von Carl Borromäus hatten sich Festgäste auf den Weg gemacht.

Der Pfarrer wandte sich an Carl Borromäus: „Als Priester, als Pastor stehst du oft im Vordergrund, im Rampenlicht… Und dennoch bist du, wie Johannes der Täufer, nicht die Hauptperson. Es kommt auf dich, auf uns an, aber entscheidend ist, dass wir auf jemand anderen verweisen.“ Daher begründe die priesterliche Vollmacht auch keine Hervorhebung gegenüber Nicht-Geistlichen.

Johannes Ehrenbrink ließ eine kleine Litanei Hack’scher Eigenschaften und Eigenarten an der Festgemeinde vorbeiziehen, allesamt Grundlage und Möglichkeit für berufenes Handeln. „Du in deiner ganz eigenen Art“, sagte Johannes zu Carl Borromäus, „mit einer gewissen Sturheit manchmal und mit der kräftigen Stimme, bist seit 25 Jahren die Stimme dessen, der da ist, der aber oft unerkannt unter den Menschen steht.“

Der Freund Johannes sprach: „Deinen Weg darf ich begleiten. Dafür bin ich dankbar.“

1-CBH-IMG_2599Der Dechant verlas ein Glückwunschschreiben von Bischof Franz-Josef Bode, der Carl Borromäus Hack von Herzen für seine vielfältigen Dienste dankte.

Dank kam auch aus der Gemeinde St. Bonifatius. Peter Kirby (Foto rechts) sagte, Carl sei ein Priester, wie ihn sich jeder Gläubige nur wünschen könne. Er habe seine Zusage wahr gemacht, für die Menschen da zu sein.

1-CBH-IMG_2605Für die Pfarreiengemeinschaft sprach Ulrich Kötting (Foto rechts), der seine Rede kurz, lustig und lieb hielt, für Carls hilfreiche Litauenbegeisterung ebenso dankte wie für sein Mittun in der Doppelkopfrunde; das sei Carls einzige Chance, mitunter zu „heiraten“. Allerdings schalt Uli die „starke psychische Abhängigkeit“ des Jubilars von einem Fußballverein im Süden. Uli: „Das stößt auf! Aber wer ist schon ohne Tadel?!“

Im Namen der Osteuropahilfe St. Marien Rheine-Eschendorf e.V. dankte Josef Kuberek für Carls nachhaltige Hilfe.  Gemeinsam hatten die beiden von Schüttorf aus – zusammen mit der Kolpingfamilie – Hilfstransporte organisiert und begleitet.

Carls Schwester Erika Margarete Jansen trug – auf ihren Wunsch hin leise untermalt von der Orgel – ein Engel-Gedicht vor, das sie für ihren Bruder geschrieben hatte.

Überhaupt die Musik. Der Kirchenchor gestaltete die Feier mit. Eine kleine Schola, angeleitet von Kyra Watermann und Petra Heidecker, besang den „Volltreffer – ja das bist du“. Und dabei zeigten die minikleinen sowie midi- und maxigroßen Teilnehmerinnen begeistert auf Carl Borromäus. Der lachte herzlich.

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„Volltreffer – ja das bist du“, sang die kleine Schola und zeigte auch auf den Jubilar.

Carl Borromäus selbst hatte sich zum Auftakt ein Lied gewünscht, das ihn seit langem begleitet. „Die Sache Jesu braucht Begeisterte.“ Sich diese Begeisterung zu erhalten – dazu lud er alle Festgäste ein.

1-CBH-IMG_2651Derweil verabschiedete sich Steffi Holle (im Bild links mit Brigitte Hesse) aus der Kirche mit dem Hinweis, sie wolle sich um die weitere Orga kümmern. Draußen mussten sie und der ganze große Pulk von Helferinnen und Helfern (besten Dank für wochenlange Arbeit!) einen kleinen Schock verdauen, obwohl es leider noch nichts zu verdauen gab: Der Catering-Service mit dem superleckeren Buffet hatte sich aus wichtigem Grund verspätet.

Den Feiernden fiel nichts auf. Sie eroberten das Gemeindehaus, standen, saßen, quetschten sich noch in die letzte Ecke, und bewiesen, dass Tuchfühlung die sicherste Methode ist, ins Gespräch zu kommen. Mitten drin stand Carl Borromäus, begrüßte einen Gratulanten nach dem anderen, streichelte und herzte die Kleinen, drückte die etwas Größeren und strahlte einfach nur Freude aus.

Mittlerweile war das Buffet in einem Zelt fertig aufgebaut. Und all die vielen Menschen wurden ohne jedes Gedränge mit richtig gutem Essen satt. Begehrt waren auch die vielen selbstgebackenen und teils toll dekorierten Festkuchen.

1-CBH-IMG_2675In all den schönen Stunden des Feierns gab es vielleicht nur einen einzigen Moment, in dem Carl Borromäus, hätte er etwas sagen müssen, die sonst so verlässliche Stimme weggekippt wäre. Kyra (kl. Foto links), ebenfalls mit einer herrlich volltönenden Stimme gesegnet, begann mitten im Gewusel zu singen. Man konnte hören, wie die Menschen – erst in ihrer Nähe und schließlich im ganzen großen Rund – zu schweigen begannen, bis nur noch Kyra zu hören war und den Herrn anrief:

Jesus, berühre mich.
Hole mich ab, öffne die Tür für mich.
Nimm mich an deiner Hand, entführe mich
In deine Gegenwart.


Und noch einige Impressionen zum Fest
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Kaum noch ein Fitzelchen Platz frei war im schönen Gemeindehaus.

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Maria, Fredo und Alfred Dellwisch gratulierten dem Jubilar.

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Carl Borromäus freute sich sehr, dass Familienangehörige angereist waren: v.l. sein Bruder Michael und sein Vater Carl-Heinz aus Meppen sowie seine Schwester Erika Margarete (die achte im Kreis der neun Geschwister) mit ihrem Mann Karl Jansen aus Ratingen.

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Auch Pfarrer i.R. Bernhard Söbke hatte sich aus Neuenburg auf den Weg gemacht, um Carl zu gratulieren.

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Der Onkel ist nett. Den kenn ich!

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Horst Stamm, Andrea Meschede und Markus Husen, den die Fliege toll kleidete.

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Fotomotive gab’s zu Hauf – hier hielten Mama und Papa im Auftrag und mit den qietschrosafarbenen Kameras ihrer Mädchen „drauf“. Der Heilige Bonifatius guckte wohlwollend zu.

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Alle lachten (Monika, Johannes, Harald und Hildegard), dabei hatten sie (die meisten von ihnen Werder-Fans) an diesem Geschenk der Hauptamtlichen für Carl ordentlich zu knacken: ein Bayern-München-Schild. Flugs überlegte Carl Borromäus, wo er das edle Teil, das Kyras Vater gefertigt hatte, aufhängen könnte. Er öffnete den Mund und begann seinen Satz mit den Worten: „Im Gemeindehaus…“. Steffi entfuhr ein wild geschocktes „Nein“. Doch sie hatte zu schnell reagiert. Carl wollte ganz sicher sagen: „Im Gemeindehaus – nicht.“ Prompt wurde der Vorschlag an ihn herangetragen, einen öffentlich weniger zugänglichen Ort zu wählen, zum Beispiel sein Schlafzimmer. Carl hingegen überlegte, die schöne Stanzarbeit als Schablone zu nutzen und das Motiv auf den Wänden rundum beliebig zu vervielfältigen. Da können wir für die kommenden 25 Jahre nur sagen: Auf gute Zusammenarbeit.

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