2015-04-05 Osternacht

Verklärt ist alles Leid der Welt – wirklich wahr?

Von Delia Evers | Osternacht mit bewegender Feier

Was für eine Freude! In den Gemeinden unserer Pfarreiengemeinschaft feierten Christen bis tief in die Osternacht hinein die Auferstehung unseres Herrn.

In Aurich hütete Hans Lüken wie seit Jahren den Feuerkorb vor der Kirche. Als Pastor Johannes Ehrenbrink und Diakon Heinrich Voorwold mit den Ministranten auf den Vorplatz zogen, loderte das Feuer „wie bestellt“. Der Pastor segnete es, Kommunionhelfer Johannes Funke hielt die Kerze, und Hans Lüken entzündete sie. Unter den Rufen „Lumen Christi“ (Christus, das Licht) zog die Gemeinde der Kerze mit der Antwort „Deo gratias“ (Dank sei Gott) voraus in die Kirche, ehe die Ministranten das Licht in die Reihen der Gläubigen zu ungezählten kleinen Osterkerzen gaben.

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Hans Lüken r. entzündet die Osterkerze.

Wo man auch hinschaute: Das Licht der Flammen, doch nur ein Abglanz des göttlichen Lichts, lag auf frohen Gesichtern.

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Pastor Johannes Ehrenbrink bereitet die Kerze, die von Johannes Funke gehalten wird.

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Ministranten geben das Osterlicht weiter.

Organistin Martje Laubrock sang hell und klar das Exsultet, das Osterlob, und stellte allen vor Augen, in was für einer Nacht sie sich zusammengefunden hatten: Christus, das Licht, ist auferstanden.

Ergreifend schön das Gloria zwischen den Lesungen: Die Glocken und die heftig geschlagenen Schellen im Altarraum begleiteten den volltönenden Ruhmgesang der Gemeinde.

Dem Halleluja, neben dem Licht und dem Wasser eins der drei österlichen Zeichen, folgte das Evangelium nach Markus von den Frauen, die zum Grab gehen, um Jesus zu salben, aber nur einen jungen Mann finden. Der sagt ihnen, dass Jesus auferstanden ist und den Jüngern nach Galiläa vorausgeht.

Johannes Ehrenbrink schlug mit seiner Predigt die Gemeinde in seinen Bann. Er beschrieb die Welt, in der wir leben – eine Welt voll Unglück, Not, Verfolgung und Schmerz. Dann zitierte der Pastor reihenweise Jubelrufe aus unseren Osterliedern, auch diesen: „Verklärt ist alles Leid der Welt.“

Die Frage von Ehrenbrink mitten hinein in die Festgemeinde: „Ja geht’s noch?“

Wie passt das zusammen? Der Pastor erinnerte an das Evangelium: Jesus würde den Jüngern vorausgehen, würde nicht in Jerusalem, in diesem Zentrum der Macht und der Theologie und der Deutungshoheit sein, sondern im armen und heidnischen Galiläa, wo er früher schon gewirkt hatte.

Dahin, so Ehrenbrink, sollen auch wir gehen – weg aus den Zentren der Macht, mitten hinein ins Leben zu den Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Er zitierte die vielfältige Arbeit, die in unserer Pfarreiengemeinschaft bereits geleistet wird, die vielen kleinen und doch so großen Schritte, die wir „Richtung Galiläa“ gehen können.

Nach der Predigt, für diesen Weg neu gestärkt, durfte die Gemeinde aus voller Überzeugung singen: „Verklärt ist alles Leid der Welt, des Todes Dunkel ist erhellt.“

Nach der Allerheiligen-Litanei begann die Tauffeier mit der Segnung des Wassers, der Erneuerung des Taufversprechens und der Besprengung der Gemeinde mit dem frisch gewonnenen Weihwasser.

Sie erlebte einen ergreifend schönen Gottesdienst. Viele hatten sich an Vorbereitung und Gestaltung beteiligt, darunter der Kirchenchor.

Verschwiegen werden soll nicht, dass wohl die meisten der Messbesucher im Anschluss ins Bonihaus strömten, wo fleißige Hände Tische dekoriert und mit guten Gaben bestückt hatten: Von den Servietten, über Blumen und bemalte Ostereier bis hin zu den köstlich selbstbebackenen Österlämmchen und Schmalzbroten war alles erstklassig arrangiert. Der Ostersonntagmorgen war schon etwas älter, als die letzten Gäste aufbrachen. So schön war es.

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