2015-05-31 Litauentransport

Litauen-Fahrer legten 16.000 km zurück

Helferinnen und Helfer sind gesund zurück von großer Hilfsreise

Gesund und – nach langer Fahrt noch nicht ganz – munter sind 18 Mitglieder unserer Pfarreiengemeinschaft aus Litauen zurückgekehrt. Eigentlich sind sie seit Pfingstmontag nahezu pausenlos gefahren und haben an verschiedenen Orten Hilfsgüter abgeladen. Alles war bis ins Detail ausgeklügelt. Dafür erhielt Cheforganisator Alfred Dellwisch, Haupt der Malteser, im Sonntagsgottesdienst auf Einladung von Steffi Holle einen herzlichen Applaus.

Steffi berichtete gemeinsam mit Juliana Neves Grego Soares nach dem Evangelium, das Pfarrer Johannes Ehrenbrink auf tätige Nächstenhilfe bezog, über die gute Reise.

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Steffi und Juliana berichten über ihre Erlebnisse im Gottesdienst, der übrigens vom Kirchenchor sehr schön mitgestaltet wurde.

Hier der Bericht der beiden Frauen:

Steffi: Am Pfingstmontag haben sich 18 Personen mit rund 33 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg nach Litauen gemacht. Mit drei Lastern und zwei Bullis haben wir in dieser Zeit rund 16.000 Kilometer zurückgelegt. In den Bullis haben wir insgeamt ca. 37 Stunden gesessen und in den Lastern ca. 44 Stunden. Seit gestern Abend sind alle heile, müde, gesund und zufrieden zurück. Gott sei DANK!

Juliana: Vor Ort haben wir am Mittwoch in Kaunas abgeladen und die Projekte von Pater Vincentas besucht – unter anderem ein Krisenzentrum für suchtkranke Männer, Suppenküche und Kleiderkammer sowie den Tagesaufenthalt für Kinder. Die Frauen in der Suppenküche kochen täglich für ca. 600 Personen Essen. Ein Teil des Essens wird vor Ort eingenommen und ein anderer Teil wird mitgenommen.

In Kaunas leben unter der Kirche Frauen mit ihren Kindern, die sich in einer Notlage befinden. Dort haben wir eine Frau mit drei Kindern besucht, die in einem ca. 15 m² großen Zimmer lebt. Sanitäre Einrichtungen teilen sie sich mit vielen anderen Personen.

Am Nachmittag haben wir Schwester Jolante besucht. Am Kloster soll ein betreutes Wohnen für ältere Menschen entstehen. Die Einrichtung ist vorhanden, und die notwendigen Schritte sind in die Wege geleitet. Eine neue junge Schwester ist vor Ort, um an diesem Projekt maßgeblich mitzuarbeiten.

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Zwischendurch hieß es während der 16.000 Kilometer immer wieder „Essen fassen!“ Alle griffen gerne zu.

Viele Menschen von Armut betroffen

Steffi: Am Donnerstag ging es nach Alytus. Dort haben wir abgeladen bei Pfarrer Valdas, der eine Kleiderkammer betreibt. Bei den Maltesern haben wir eine neue Kontaktstelle. Die Maltesergruppe arbeitet vor Ort mit den Kirchengemeinden zusammen. Jeden zweiten Tag besuchen sie Menschen, die von Armut betroffen sind, und bringen ihnen Suppe. Unter anderem unterstützen sie ein Altenheim. Die Struktur machte auf uns einen sehr guten Eindruck, und wir sind sicher, dass es gut ist, wenn wir sie weiterhin unterstützen.

Am Nachmittag haben wir bei Pfarrer Darius abgeladen, mit den Kindern aus dem Tagesaufenthalt gespielt und zwei Familien besucht. Die Familien leben in sehr kleinen Wohnungen – Schlafen und Leben passiert in einem Raum mit allen zusammen. Sie müssen sich die sanitären Einrichtungen sowie die Küche mit ca. 25 bis 30 Personen auf einem Hochhausflur teilen. Elisabeth sagte anschließend, in Deutschland würden solche Wohnungen zwangsgeräumt.

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Da konnten auch die Unseren nicht mehr an sich halten und spielten mit oder drückten auf den Auslöser wie Johannes Ehrenbrink. Sein Kommentar: „Ach, wat war dat schön!“

Steffi und Juliana schilderten Erfahrungen und Begegnungen.

Juliana: Mich hat die Lebensfreude der Kinder total beeindruckt. Unter der Kirche bei Vincentas lebt, in dem gerade beschriebenen Zimmer, ein kleines Mädchen: Urte. Sie strahlte und wirkte auf mich so glücklich. Da hätte ich nie gedacht, dass ihre Familie im Grunde so arm ist.

1-litauen5Steffi: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Die Lebensmittelpreise sind teilweise doppelt bis dreimal so hoch wie hier. Hygieneartikel und Waschmittel sind besonders teuer. Die Gehälter sind aber nicht gestiegen. Eine Lehrerin mit 20 Stunden verdient z.B. 480 €.

Erschreckend ist für mich immer wieder das Bild an der Suppenküche in Kaunas. Spürbar und sichtbar ist, dass die Menschen ohne diese Hilfe nicht überleben könnten. Da das soziale Sicherungssystem nicht so ist wie hier, trifft man dort vor allem auch auf ältere Menschen.

Der gespendete Balkenmäher (Bild links) wurde gleich eingesetzt und für gut befunden.

Das Fazit nach der Reise

Juliana: Was zeigt sich für uns? Es ist viel passiert, unter anderem auch mit unserer Hilfe. Menschen helfen sich auch untereinander. Wir müssen aber dringend weitermachen, da – wie gerade beschrieben – die Armut weiterhin massiv zunimmt.

Wir müssen die Kinder gut im Blick behalten und die Tagesaufenthalte richtig gut unterstützen.

Wir müssen weiterhin unsere Hilfeleistungen gut überlegen, damit wir vor Ort das Richtige tun.

Steffi: Also sind wir alle weiterhin gefordert beim Anpacken, Mitdenken, Planen und Organisieren. Ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an alle, die diesen Hilfstransport ermöglicht haben. Besonders bedanken möchten wir uns bei Alfred. Koordination der Packaktion, Planung der Beladung der Laster, Organisieren der Frachtpapiere…, Alfred hatte alles als Chef der Maltesergruppe fest in der Hand und hat seine Aufgabe perfekt gemacht.

Es war kein Teil kaputt, und alles kam an der richtigen Stelle an. Danke!

Soweit der Bericht von Steffi und Juliana. Hier sollen noch die Namen aller vermeldet werden, die mitgefahren sind und vor Ort wirklich Großes geleistet haben: als Fahrer und Fahrerinnen im Bulli Rita Brunken, Beate Eggers, Steffi Holle, Pfarrer Johannes Ehrenbrink, Johannes Funke (Hinfahrt – auf der Rückfahrt im Lkw) und Elisabeth Funke, als Mitfahrer und Mitfahrerinnen Doreen Rajahkumar, Ralf Ruhnau, Andreas Przybylski, Juliana Neves Grego Soares, Thomke Exner und Cornelius Dellwisch, als Lasterfahrer Ulli Kötting, Horst Stamm, Peter Kirby, Didi Hinrichs, Uwe Folkers und Jan Krull.

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Entspannt nach dem Gottesdienst v.l. Fahrerin Steffi Holle, Chef-Organisator Alfred Dellwisch, Pfarrer und Fahrer Johannes Ehrenbrink und Mitfahrerin Juliana Neves Grego Soares.

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