2015-06-21 Geschichte Neustadtgödens I

Als die Klöster geplündert wurden

300 Jahre katholische Kirche St. Joseph in Neustadtgödens

Heute beginnen wir mit einer kleinen Serie über die Geschichte der katholischen Kirche St. Joseph in Neustadtgödens, die am 21. Juli ihren 300. Geburtstag feiert und bis dahin mit vielen Veranstaltungen begleitet wird. Sie steht auch im Mittelpunkt der Pfarreiengemeinschaft, die am Sonntag, 19. Juli, vor Ort ihr großes Jahresfest begeht, und sie rückt etwas mehr in den Mittepunkt des Bistums, denn Bischof Dr. Franz-Josef Bode ist beim Festgottesdienst zu Gast. Darüber erfahren Sie mehr im Lauf dieser Serie.

Einen geschichtlichen Abriss zum Jubiläum hat für unsere Webseite Hiltrud Hillers aus Neustadtgödens verfasst. Wir danken ihr herzlich für ihre Arbeit, mit der sie aus umfänglichen Quellen sorgfältig und lesenswert das Wichtigste zusammengestellt hat.

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Sie besprachen kürzlich in Aurich die Informationsarbeit zum Jubiläum in Neustadtgödens: v.r. Christiane Klein, Maria Döldissen-Schlömer, Hiltrud Hillers (alle Neustadtgödens) und Hildegard Lüken (Aurich). Foto: Delia Evers


Die Geschichte von St. Joseph

Auf einer Fahrt durch Ostfriesland ist man beeindruckt von den vielen Kirchen, die auf mächtigen Steinquadern errichtet wurden – neben ihnen der Glockenturm. Die meisten sind älter als 800 Jahre.

Was bedeuten dann schon 300 Jahre katholische Kirche St. Joseph?

Ihr Bau 1715 sollte bahnbrechend in Ostfriesland werden.

Aber gehen wir zunächst mehr als 700 Jahre in der Zeit zurück. Bonifatius und seine Gefährten hatten den Friesen den katholischen Glauben gebracht, der sich schnell ausbreitete. Überall entstanden große Klöster und Kirchen und zeugten von der Frömmigkeit der Menschen.

Als später dann reformatorisches Gedankengut Ostfriesland erreichte, schloss man sich der neuen Religion an. Die Klöster wurden geschlossen, geplündert und dem Erdboden gleichgemacht. Nur die Kirchen blieben als Verkündigungsorte des neuen Glaubens erhalten.

Alles Katholische wurde ausgemerzt. Wer nicht konvertierte, wurde verjagt. Nun bestimmten die Adligen die Religionszugehörigkeit.

In den Herrlichkeiten (Land- und Einflussbereich des niedrigen Adels) wurde man evangelisch-reformiert und legte sich per Vertrag fest, nichts Katholisches zu dulden. So auch in der Herrlichkeit Gödens.

Naturgewalt und Reformation veränderten die religiöse Struktur in Gödens.

Schwere Sturmfluten hatten das Meer tief ins Landerinnere dringen lassen. Das Schwarze Brack, ein breiter Meerbusen, war entstanden und hatte auch in der Herrlichkeit Gödens weite Landstriche weggerissen. So entschloss sich die Regentin Hebrich von Gödens zur Neulandgewinnung.

Es mussten Deiche und Siele neu erbaut werden, Menschen zur schweren Arbeit herangezogen und Fachleute eingesetzt werden.

Da kam es gerade recht, dass der Kaiser glaubensabtrünnige Mennoniten (Zuläufer des Menno Simons, ehemaliger katholischer Priester) für vogelfrei erklärte und Jagd auf sie machen ließ. Es waren vor allem Holländer, die sich auf die Flucht begaben und in der entferntesten Herrlichkeit Ostfriesland, nämlich in Gödens, Unterschlupf suchten.

Wird fortgesetzt

Quellen:
1) Neustadtgödens; Lebensbeschreibungen, Ereignisse und Bilder aus 450 Jahren, Hrsg.: Heimatverein Gödens-Sande.
2) Lothar Görlich, Die katholische Kirchengemeinde Neustadtgödens, Berichte und Dokumente aus 400 Jahren, Hrsg.: Pfarrgemeinde St. Joseph, Paterei 4, 26452 Neustadtgödens (kann bei der angegebenen Adresse erworben werden).

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