2016-06-01 | „Es hat mich in den Magen getreten“

Der Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck ist gestern gestorben. Er und seine Frau Christel haben gemeinsam mit Helferinnen, Helfern und dem Schiff Cap Anamur Tausenden das Leben gerettet.

Der überzeugte Christ war ein Menschenfischer: 11.000 Menschen hat er buchstäblich aus dem Wasser gefischt und nach Deutschland in Sicherheit gebracht, in den 1970er-Jahren vor allem vietnamesische Flüchtlinge: die boat people aus dem Chinesischen Meer.

Einige Male durfte ich Rupert Neudeck in Kevelaer persönlich erleben. Er hatte ein Kevelaerer Hilfsprojekt für Afrika mit unter seine Fittiche genommen. Immer hat er mich tief beeindruckt.

Noch Ende April hat Rupert Neudeck beim „Forum an der Piusallee“ an der Katholischen Hochschule NRW in Münster einen Vortrag gehalten und eine ungewöhnliche „Ursache“ für die heutige Flüchtlingskrise ausgemacht. „Die Fluchtbewegung ist vor allem durch das Handy ausgelöst worden.“ Das Handyzeitalter habe eine revolutionäre Umwälzung in Gang gesetzt und Millionen die Welt geöffnet. „Bis vor ein paar Jahren  konnten sich Menschen im Sudan nicht vorstellen, dass die Welt hinter Ägypten nicht zu Ende ist. Das ist vorbei.“

Vor den Studenten sagte Neudeuck, der als überzeugter Christ nie hat wegsehen wollen: „Ich hatte das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter hohen Stellenwert hatte. Es hat mich in den Magen getreten, ich musste handeln.“

Magentritte in diesem Sinne wünsche ich uns und allen Menschen.

Herzlich eure
Turmflüsterin

2016-06-01 Neudeck

Rupert Neudeck (2.v.r.) bei der Schülerveranstaltung „Talk in Town“ in Kevelaer (l. Bürgermeister Dr. Axel Stibi).

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