2018-03-31 | Karfreitag – das Grab ist nicht leer

Noch ist das Grab nicht leer. Der Tabernakel steht offen. Viele Gläubige feiern Karfreitag die Liturgie vom Leiden und Sterben des Herrn. Auch in St. Ludgerus Aurich begleiten sie den Weg Jesu.

Sprecherinnen und Sprecher, darunter ein ganzer Chor aus Kirchbesuchern als hetzende Menge, versetzt mich in das Geschehen von damals. Die Spannung zwischen der ruhigen Stimme der Sprecherin und der hetzenden Menge ist schwer auszuhalten. Ich denke an die Parolen von heute. Sie sind die Sprache einer Minderheit und treiben dennoch die Hetze voran. „Wir sind das Volk.“ „Ausländer raus.“

Lichter und Blumen zuhauf nach der Kreuzverehrung.

Bis heute werden Menschen preisgegeben, weil andere Menschen schreien.

Wo hätte ich damals gestanden? In der geifernden Menge? Vielleicht nicht einverstanden, aber feige, wortlos und kraftlos?

Ich habe ein Bild vor Augen. Wenigstens einer aus der Menge hätte sich zu den anderen umgedreht, einer gegen alle. Er hätte die Hetzer überschrien. „Kreuzigt ihn nicht! Lasst ihn gehen!“ Vielleicht hätte er andere ermutigt.

Manchmal muss einer den Anfang machen – und wenn nichts mehr zu retten ist, mutig nach vorn treten und wenigstens ein Schweißtuch reichen oder ein tröstendes Wort sagen. Das Geschehen von damals ist nicht fern. Es ist heute.

Der Kirchenchor von St. Ludgerus singt nach Joseph Haydn „Die sieben letzten Worte Jesu“ und bündelt darin ergreifend die Passion am Kreuz. Letzte Worte sind immer ein Vermächtnis. Hier sprechen sie von Vergebung und Barmherzigkeit, von Verheißung und Paradies, von Verzweiflung und Verlassenheit und am Ende vom Glauben an den Vater.

Der Chor singt am Ende die Jesu-Worte über mehrere Stimmlagen verschachtelt und macht deutlich: Jedes Wort hat mit jedem Wort zu tun.

Das spüren die Gläubigen unmittelbar, so kraftvoll sind der Gesang und die Texte während der ganzen Feier.

Zur Kreuzverehrung legen wir Blumen nieder und stellen kleine Lichter auf.

Der Karfreitag, den wir als Jesu Todestag begehen, lässt die Auferstehung ahnen.

Herzlich eure
Turmflüsterin

Pfarrer Johannes Ehrenbrink trägt mit Ministrantinnen das Kreuz vor den Altar.

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