2019-09-12 | Theater für die beste Währung der Welt

Sie haben Samstagabend nichts vor? Dann lesen Sie bitte diesen Vorschlag erster Güte: Sie gehen gratis ins Theater, sehen erstens ein großartiges Stück und feiern zweitens eine großartige Gemeinschaft.

Ich fange mal mit dem zweiten Grund an: Sie feiern eine großartige Gemeinschaft, nämlich einen Kreis heranwachsender Menschen, die sich gegen alle Widerstände und Bitterkeit ihres jungen Lebens vereint stark machen.

Die Gassenhauer – denn natürlich geht es um sie – haben unsere Aufmerksamkeit verdient, auch wenn wir ihr Stück über Demenz schon gesehen haben und besonders wenn wir es noch nicht gesehen haben. Sie haben unsere Wertschätzung verdient, weil sie sich nicht hängen lassen; weil sie nicht aufhören, voller Wohlwollen und Freundlichkeit fremde Menschen und deren Schicksal in den Blick zu nehmen; weil sie die großen Themen unserer Gesellschaft im Auge haben: Einsamkeit und Miteinander, Verzweiflung und Hoffnung, Kälte und Herzenswärme, Falschheit und Ehrlichkeit, Dumpfbackigkeit und selbst verantwortetes (politisches) Engagement.

Für all das proben sie seit Monaten (meist 😉 ) verlässlich teils mehrfach in der Woche. Diese große Aufgabe, Theater und oft ein Stück ihres eigenen Lebens zu spielen, hat aus den Gassenhauern mehr gemacht als eine Zweckgemeinschaft. Vor Jahren geschah etwas Besonderes: Nach der ersten Aufführung kam einer der Jugendlichen mit einem Wunsch zum Führungsteam. Eigentlich sage der Name Gassenhauer zu wenig über das, was die Gruppe für die Akteure bedeute. Er wolle gern von der Gassenhauer-Familie sprechen, denn zur Familie seien ihm die Gassenhauer geworden. So wurde aus den Gassenhauern die Theaterfamilie Gassenhauer.

Diese Familie mit rund 40 Mitgliedern zu sehen, ist eine Freude für sich und aller Achtung wert.

Samstagabend, 14. September, 20 Uhr, ist ihr Bühnenstück „Wenn du verschwindest“ in der Stadthalle zu erleben; es ist tief berührend, schrecklich, schön und in manchen Szenen urkomisch.

Sitzplätze gibt es genug. Der Eintritt ist frei. Da die Gassenhauer alle Ausgaben, einschließlich Saalmiete, selbst tragen, ist eine Spende willkommen – von der 1-Euro-Münze bis hin zum Flachgeld.

Die Wertschätzung ihrer Leistung durch das Publikum ist eine Währung, die mit keinem Geld der Welt zu bezahlen ist,

sagt herzlich eure
Turmflüsterin

Bei einer Pressekonferenz zur Aufführung traten vor die Turmflüster-Kamera v.l. Liedermacher Jann Janssen, Bürgermeister und Schirmherr Heinz-Werner Windhorst, die Mitinitiatorinnen Dr. Elke Warmuth und Isburga Dietrich, Vereinsvorsitzender Klaus Schütze und Helferin sowie Darstellerin Elisabeth Funke.

Die Gassenhauer-Teilnehmer der Pressekonferenz sangen Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst ein Ständchen. Er hatte wenige Tage zuvor Geburtstag gefeiert. Das Ständchen geriet vorzüglich, denn mit Isburga (Bildmitte; Dirigentin des Ludgerus-Chors), Elisabeth (2.v.r., halbverdeckt; Vorsitzende des Chors), Klaus (r. neben Windhorst; Sänger des Chors) und Jann (verdeckt hinter Elisabeth; Liedermacher) war die perfekte Gruppe beisammen. Elke (r.) gab natürlich auch ihr Bestes. Anschließend war der Bürgermeister so aufgeräumt, dass er noch schnell in sein Büro trabte und sein Handy holte. Er zeigte ein zuckersüßes Foto von Jette. Sie ist sein „neuestes“ Enkelkind.

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