25.06.22 | Sonntagsgruß von Daniel

Heute kommt der Sonntagsgruß mal wieder aus Wiesmoor. Diesen Sonntag nimmt uns Lukas in seinem Evangelium mit auf die Reise. Jesus Reise nach Jerusalem. Es gibt Evangelien, die ich auf Anhieb mag.

Das Evangelium, das an diesem Sonntag „dran“ ist , zählt zu denen, mit denen ich meine Schwierigkeit habe.

Ich möchte Jesus ja gerne nachfolgen. Aber die Bedingungen, die er in diesem Text an seine Nachfolge stellt, sind sehr hart und ich kann – ja vielleicht will ich ihnen auch gar nicht entsprechen.

Zunächst fängt das Evangelium harmlos an und wir erleben Jesus, wie wir ihn uns wünschen und vorstellen. Ja, er weist die Jünger zurecht, aber er verliert kein schlechtes Wort über das Dorf in Samarien. Das Dorf, dass ihn nicht aufnehmen wollte.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wird Jesus dann schon radikaler. Für mein Verständnis vielleicht ein wenig zu radikal. Da kommen Menschen zu ihm, die ihm  – wahrscheinlich aus Freude und Überzeugung heraus – nachfolgen wollen.

Doch seine Anforderungen sind für mich kaum nachvollziehbar.

Da will ein Sohn, bevor er die Nachfolge mit Jesus antritt, seinen Vater begraben und Jesus – sonst mitleidend und empathisch – sagt einfach: „Lass die Toten die Toten begraben;…“

Und der Nächste, der sich gerne bei seiner Familie verabschieden wollte, bevor er sich mit Jesus auf den Weg macht. Ihm rät Jesus, nicht mehr zurückzublicken, weil er sonst für das Reich Gottes nicht taugt.

Nun, bei allem Missmut, den ich heute bei diesem Text empfinde, möchte ich dennoch eine Lanze für Jesus brechen:

Lukas erwähnt im Evangelium zwei Mal Jerusalem. Zum Einen, dass Jesus sich entschloss, nach Jerusalem zu gehen. Und zum anderen als Begründung für die Ablehnung in einem Dorf: „Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.“

Lukas erwähnt diese Begebenheit nicht ohne Grund. Wenn geschrieben steht, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, so heißt das nichts anderes, als das Jesus seinen sein Ende im Blick hat. Und einer, der um diese Angst machende Zukunft weiß, der ist nicht mehr zimperlich. Nicht mit sich – und auch nicht mit seinen Mitmenschen.

„Folgt mir nach und schaut nicht zurück“ – Das ist die Forderung eines Menschen, der nicht alleingelassen werden möchte auf seinem letzten Weg. Deshalb diese Radikalität.

Heute wissen wir, dass auf Jesus nicht nur der Tod in Jerusalem gewartet hat, sondern auch seine Auferstehung.

Wie oft erwarten wir von Jesus, dass er uns versteht.

Das heutige Evangelium lehrt uns, dass wir auch lernen müssen, IHN zu verstehen.

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag und eine schöne Woche!

Herzlichst euer Daniel

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