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Reisetag 2: Als der Teufel den Dom für eine Kneipe hielt

[1]Eines machte Stadtführer Wolfgang Döpke gleich klar: Trier ist die älteste Römerstadt Deutschlands. Sie war vor über 2000 Jahren schon befestigt und nicht so ein lausiges Zeltlager wie z.B. Xanten.

Gemach, gemach! Wer in Xanten die Ausgrabungen gesehen hat, hält die Römersiedlung am unteren, linken Niederrhein keineswegs für ein lumpiges Durchgangslager kriegerischer Südländer.

Aber gönnen wir dem Trierer Stadtführer ein bisschen Lokal-Patriotismus. Denn richtig ist ja, dass die alten Römer hier eine Menge Bauwerke in die wunderschöne Mosel-Landschaft wuchteten, die seit Jahren sogar zum Weltkulturerbe zählen: das Amphitheater, die Barbarathermen und die Kaiserthermen (sie mussten ohne eigene Quellen auskommen), die Grundfesten der Konstantinbasilika und die Römerbrücke, die bis heute in Teilen original erhalten ist. O-Ton Döpke: „Die Römer haben groß, solide und exakt gebaut.“

Das klang nicht nach einem Kompliment für heutige „Baukünstler“, deren Autobahnen in der Regel schon vor Ablauf von 2000 Jahren zerbröseln.

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Überall in Trier gab es viel zu sehen.

Wolfgang Döpke glänzte mit hübschen Anekdoten. Er erzählte von Bauleuten, die Flaschen mit kostbarstem Moselwein als Zeitdokument in die alte Römerbrücke einlassen sollten, sie aber lieber leerten und stiekum mit Flusswasser füllten.

Er wunderte sich über vornehme Herren, die das kurfürstliche Parlais erbauen ließen und von den Gesetzen des Barock herzlich wenig wussten („da ist ganz viel schief gegangen“). Auch fragte sich Döpke, warum die Erzbischöfe das Palais nicht mit Heiligenfiguren aufmöbelten, sondern mit Darstellungen aus der griechisch-römischen Mythologie.

Beeindruckend die Hohe Domkirche St. Peter. Sie ist die älteste Bischofskirche Deutschlands. Neben ihr liegt eine kaputte Granit-Säule herum. Natürlich hat auch sie eine Geschichte. Einst soll der Teufel getäuscht worden sein: Ihm wurde weisgemacht, es werde nicht ein Dom gebaut, sondern die größte Kneipe Triers. Der Teufel war zufrieden, lockte doch reiche Beute durch sündige Säuferchen. Als der Teufel spitz bekam, dass unter seinen Augen kein Haus für Trinkgelage, sondern ein Dom entstanden war, soll er besagte Granit-Säule wutentbrannt gegen das Kirchenhaus geschleudert haben. Es hielt.

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Im Innenhof der Dom-Anlage.

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Intarsienarbeiten an den Kirchbankseiten.

Die geneigte Leserschaft merkt schon: Wer sich in die Geschichte der Stadt und in ihre sagenhafte Weltkultur vertiefen wollte, musste mehr oder weniger genügsam sein. Die Stadtführung lieferte neben fundiertem Fachwissen einen kunterbunten Strauß ernster bis netter Geschichten. Sie schaffte es bei einer der beiden Neuauwiewitt-Gruppen sogar, die weltberühmte Porta Nigra auszusparen. Das muss man erst mal fertigbringen.

Wahr ist natürlich, dass in einen halben Vormittag Trier-Rundgang nicht 2000 Jahre Geschichte passen. Alles gut also!

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Mit Wolfgang Döpke hoch über der Stadt.

Schließlich war der Nachmittag schon einem anderen Ort versprochen: dem herrlich pittoresken Bernkastel-Kues. Die Reisegesellschaft erreichte das Städtchen nach schöner Fahrt an der Mosel entlang durch entzückende Ortslagen und nicht minder entzückende Weinberge mit, na?, entzückenden Weinlagenamensschildern: vom Piesporter Goldtröpfchen bis zum Bernkasteler Doctor.

Die Anbaufläche gilt als eine der teuersten Weinberglagen der Welt mit weltbestem Riesling. Wir wollen’s dem Stadtführer Hans Peter Kuhn glauben, der eine von zwei Ostfriesengruppen überaus sachkundig und lustig durch Bernkastel-Kues begleitete: „Das ist die höchstbesteuerte landwirtschaftliche Fläche der Welt.“

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Überall wächst Wein, selbst quer über die Straßen.

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Und bald auch in Aurich: Gerlinde (l.) und Marlies (r.) kauften sich bei der Dame in der Mitte ostfrieslandtaugliche Weinstöckchen.

Kuhn hatte seinen ganz eigenen Stil, erschreckte die kleine Schar aus dem Norden mit schauspielerischen Einlagen, richtete seinen Stadtführerstab samt Stadtwappen plötzlich gegen die Gruppe oder vermengte authentisch Geschichtliches in abenteuerlicher Komik mit modernen Errungenschaften.

Als er die Geschichte von Erzbischof Boemund II. schilderte, der im 14. Jahrhundert totkrank daniederlag, rief Kuhn in wilder Verzweiflung, der Erzbischof sei mit „Tatütata“ in letzter Sekunde nach Bernkastel gebracht und hier gerettet worden – der Erzählung nach durch den süffigen Inhalt eines Weinfässchens. Der Name Bernkasteler Doctor war geboren.

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Bernkastel-Kues ist wunderschön.

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Es hat herrlich schmale, kaum fensterbreite Häuser.

Wer nicht in das Moselstädtchen fährt, um nur etwas über die Geschichte zu erfahren, dem sei dringend dieser Stadtführer empfohlen. Er sorgte dafür, dass wegen der verrückten Verknüpfungen besonders viel Gehalt bei den Gästen hängenblieb.

Er schaffte es, eine Eisdiele als Nachfolge-Einrichtung eines Eiskellers aus jener Zeit anzupreisen, als die Mosel sich nach Vulkanausbrüchen berghoch erhob, die halbe Stadt wegriss, sodann gefror und mit ihren Eisbergen fast alles zermalmte, was noch stand. Die letzten und findigen Bürger hätten sich das Eis als Kühlschrankersatz gesichert und in einem Keller gestapelt, nämlich in jenem Keller, der noch heute die Eisdiele versorgt.

Natürlich sprach er auch über den Markt, die Giebelfachwerkhäuser und das Graacher Tor. Voll bunter Eindrücke kletterte die Reisegesellschaft zurück in ihren Bus und verlebte nach der Rückfahrt in Trier einen munteren und geselligen Abend.

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Hans Peter Kuhn und sein Wappenstab.