Als Hans mit einem Wägelchen liebäugelte

Die Betten sind auf dem Weg nach Kaunas. Schon zwei Stunden vor der vereinbarten Zeit hatte der Lasterfahrer mit seinem 40-Tonner an der Kaserne gestanden. Das hörte Malteser-Chef Alfred Dellwisch zufällig.

Helmut Wendt, wie unsere Pfarreiengemeinschaft Neuauwiewitt in der Flüchtlingshilfe aktiv, hatte den Laster an der Kaserne stehen sehen und sich geistesgegenwärtig an Alfred gewandt. Der bekam bald darauf eine zweite Meldung. Auch Lasterfahrer Daniel Wiktorzak war aktiv geworden. Er hatte seine Spedition über die vorzeitige Ankunft informiert. Die Spedition setzte sich mit den Maltesern in Vechta in Verbindung, die das Transportunternehmen beauftragt hatten und nun bei Alfred anbimmelten.

Alfred bimmelte auch. Nein, er trommelte. Bald hatte er alle Packer vor der Kaserne vereint. Auch Didi Hinrichs, der vermutlich beste Gabelstapelfahrer der Welt in Aurich, war flugs zur Stelle. Schnell lud er die fertigen Dreibetttürme auf die Ihnen-Gabel, fuhr sie sanft in die Höhe und hievte sie noch sanfter in den Laster-Laderaum – unterstützt durch Alfred Dellwisch und Udo Steinert, die das schwebende Gut mit ihren Blicken – und  manchmal auch mit ihren Händen – begleiteten.

Im Laster nahmen Hans Lüken und Horst Stamm die Stapel in Empfang und verstauten sie so passgenau zwischen Seitenwänden und Matratzen, dass auf dem Weg nach Litauen nicht das kleinste Bettentänzchen möglich ist. Alles sitzt, passt und hat keinen Millimeter Luft.

Didi lässt Gabel und Gut millimetergenau ins Lasterinnere schweben.

Manche Stapel sind etwas sperriger: Alfred (vorn rechts) und Udo (hinten verdeckt) lenken sie behutsam mit.

Horst weist ein. Hans beschwört eine störrische Matratze.

Und schon kommt der nächste Stapel.

Langsam wird’s voll. Hans, inzwischen zum Matratzenflüsterer aufgestiegen, sorgt für aufrechten Stand des Polsterteils. Viel Platz bleibt nicht, aber – einer geht noch…

… einer geht noch rein. Der letzte Stapel nähert sich der Ladefläche.

Vom Boden in den Laderaum wechselten auch Nachtschränkchen und allerlei wichtige Kleinteile aus Edelstahl. Am Ende standen die Stapel in 14 Reihen im funkelnagelneuen Krone-Anhänger – bereit zur Jungfernfahrt. Daniel Wiktorzak verzurrte Gurte quer durch den Laster. Die hinteren Tore wurden sorgfältig geschlossen.

Schnell war ein letzter Kaffee getrunken, ein Plätzchen verputzt und gute Fahrt gewünscht, da hatte Hans noch eine Idee.

Schon die ganze Zeit war ein Servierwägelchen in seinem Blick gewesen, das er unbedingt noch dem Laster einverleiben wollte. Einmal hatte das Wägelchen es sogar schon in den  Laster-Bauch geschafft, doch die Packkollegen hatten es prompt wieder rausgeholt. Sie sorgten sich, das unverzurrte Wägelchen würde im Wagen unterwegs auf Rumpelstraßen zwar nicht mit den Betten, aber über den Betten ein Tänzchen wagen und auf Tuchfühlung mit der Laster-Plane gehen.

Jetzt öffnete Hans noch einmal die Ladetüren, kletterte wie Spiderman am äußersten Bettenstapel hoch, ließ sich das Servierwägelchen zureichen und machte es dingfest. Elegant glitt er nach unten und trug Mundwinkel, die sich breiter zogen als die Ladeluke.

Horst und Alfred wuchten das Wägelchen hoch. Spiderman persönlich nimmt es in Empfang.

Dann griff Daniel Wiktorzak sich noch einen Keks, verabschiedete sich und begab sich auf die 1500 Kilometer weite Reise nach Kaunas.

Gute Fahrt, Daniel! Und gutes Gelingen, tätige Nächstenhilfe!

Text und Fotos: Delia Evers

Zupackende Wesen: v.l. Hans Lüken, Daniel Wiktorzak, Didi Hinrichs (der beim nächsten Pfingsttransport wieder als Fahrer dabei ist), Alfred Dellwisch, Udo Steinert und Horst Stamm.

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