Meschede, Andrea † | Anpackerin mit Herz und Expertise

Am Sonntag, 16. Februar 2020, ist Andrea Meschede gestorben. Sie war über Jahre Mitglied des Pfarrgemeinderats und der Frauengruppe. Sie engagierte sich im Besuchsdienst für Senioren und für unsere Freunde in Litauen.

Andrea wusste alles, was man rund um Pflege und Pflegeorganisation wissen kann, und brachte ihre Sachkunde in den Anpackerkreis ein. Immer wieder war ihre Expertise gefragt, wenn Menschen in Not Unterstützung brauchten. Andrea war stark darin, solche Notlagen einzuschätzen und die richtigen Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Oft reichte ihr schon ein einzelner Besuch, um mit geschultem Blick und Menschenkenntnis ebenso zugewendet wie sachorientiert weiterzukommen.

Ihre besondere Eigenschaft: Wenn sie wahre Hilfsbedürftigkeit spürte, brauchte sie keine Aufforderung, um fortgesetzt Hilfe zu leisten. Sie war einfach da, legte mit ihrem kleinen, roten Sportflitzer auch große Strecken zurück, organisierte als geborene Netzwerkerin Hilfe im Alltag und war den betroffenen Menschen nahe.

… nahe wie M., den sie vor ein paar Jahren besucht hatte. Sie, die hauptberuflich stark beansprucht war, nahm sich drei Stunden Zeit, um diesen Palliativ-Patienten über Pflege bestmöglich in Kenntnis zu setzen. M. sagte später über Andrea: „So viel Fachkompetenz und so viel Freude zu helfen!“ Als sie ging, zog M. sie zu sich heran und küsste sie auf die Wange. Sie gab M. ihre Visitenkarte und ihre private Nummer – für alle Fälle. Andrea schaffte es, Menschen zu beruhigen, die allen Anlass hatten, beunruhigt zu sein.

Solche Zuwendung kann kein Arzt verordnen. Keine Krankenkasse führt sie in ihrem Leistungs-Katalog. Sie ist unbezahlbar. Andrea schenkte sie her.

Andrea (l.) und die Frauengruppe, die auch in schweren Tagen engen Kontakt zu Andrea hielt.

Malteserin Andrea (vordere Reihe links).

Ein Teil des Betreuer- und Fahrerteams für den Mobilen Einkaufswagen (Andrea vorn, 2.v.r.).

Wenn Andrea Pakete für Litauen packte, sich im Ausschuss Mission, Entwicklung, Frieden engagierte, das Bonihaus verschönerte oder Menschen im Mobilen Einkaufswagen begleitete, sprühte sie vor Einsatzbereitschaft, Freundlichkeit und Freude. Mancher Griesgram wurde unter ihren Augen und durch ihre buchstäblich zupackende und berührende Art zumindest vorübergehend zu einem erträglichen, wenn nicht sogar netten Gesellschafter. Andrea machte Menschen froh.

Andrea nahm im Bonihaus Litauenspenden entgegen.

Immer mit einem frohen Gesicht: Andrea packte auch für die Litauentransporte kräftig mit an.

Dann kam ihre Diagnose. Irgendwann musste sie von ihrer Hoffnung lassen, die Krankheit zu überwinden. Die Familie mit Hermann, Kindern, Schwiegerkindern und Enkelchen war Andreas beste Kraftquelle. Sie war da. Auch als Andrea starb. Sie wurde 58 Jahre alt.

Vor Jahren hatte sie einmal berichtet, wie ihre demente Mutter gestorben war. Andrea erzählte damals warmherzig von der Betreuung der Mutter durch ihre Geschwister und sie – und von ihrem Glauben, der sie durch die Zeit getragen hatte. Andrea nahm getrost Abschied. Sie würde ihre Mutter wiedersehen.

So wird es kommen: Darauf dürfen wir vertrauen.

Die Trauerfeier für Andrea begingen Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte und Gemeindemitglieder am Freitag, 21. Februar 2020, in der Friedhofskapelle in Aurich, ehe Andrea auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Pfarrer Johannes Ehrenbrink zeichnete Andreas Leben und besonders ihr Leben in der Gemeinde mit einem Porträt nach und machte nach ihrem Sterben und ihrem Tod Hoffnung auf neues Leben: „Ja, wir sterben, um zu leben.“

Text und Fotos (4): Delia Evers, Foto (1): Frauengruppe

Bei der Trauerfeier in der Friedhofskapelle: mit Liebesgrüßen von Familie und Freunden – Blumen, Kerzen, ein Herz aus Lichten, Blütenblätter und ein Bild aus glücklichen Tagen. Das Foto nahm Adreas Cousine Heidi Herrmann auf.

Post Scriptum: Nachdem Andreas Krankheit Monate vor ihrem Tod in der Gemeinde bekannt geworden war, verfasste Delia Evers dieses Turmgeflüster.

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