Bewegender Abschied von litauischen Freunden

Am frühen Freitagmorgen brachen unsere litauischen Gäste in ihre Heimat auf – nach einem bewegenden Abschied… Eigentlich war im Bonihaus alles für ein Frühstück vorbereitet, doch kein Litauer betrat den Saal.

Sie hatten sich im Foyer versammelt und baten ihre Gastgeber heraus. Schnell war ein großer Kreis gebildet. Dechant Arunas blickte feierlich in die Runde und begann eine kleine Rede. Er sei „froh und glücklich über die Tage, die wir hier verbringen durften“, übersetzte Birute, „und wir nehmen die besten Eindrücke mit nach Hause. Wir haben uns gefühlt wie in einer großen Familie“.

Im Miteinander sei in der Vergangenheit manch Gutes getan worden; das werde auch in Zukunft so sein. Arunas zückte ein Päckchen mit Ansichtskarten. Sie zeigen eine starke Brücke bei Alytus. Die Brücke verbinde zwei Ufer. „Wir sind gemeinsam diese Brücke. Wir verbinden mit unseren Herzen die Ufer“ – wir, die Menschen in Litauen und Deutschland. Arunas überreichte den Stapel lächelnd Johannes mit den Worten: „… damit ihr uns nicht vergesst, bis wir uns nächstes Jahr wiedersehen.“

Onute überreichte ein essbares Geschenk, das die Neuauwiewitter mindestens bis zum nächsten Hilfstransport bei Kräften halten soll, „denn wir werden jetzt in Litauen bleiben, damit ihr bei uns ankommen könnt.“

Arunas dankte seinen Gastgebern. Die Traurigkeit über den Abschied war den Gesichtern anzusehen.

Malteser Alfred dankte Malteserin Onute für ihr Kommen und ihr Geschenk.

Johannes nahm die Worte von der Brücke auf. Eine Brücke über alle Ufer hinweg sei auch der gemeinsame Glaube, der neue Wege öffne und in der Gemeinschaft vieles möglich mache. Neuauwiewitt sei zutiefst dankbar für die Freundschaft und freue sich schon jetzt auf das Wiedersehen.

Schiffchen aus Papier gefaltet.

Auch die Pfarreiengemeinschaft hatte ein kleines Abschiedsgeschenk: aus Papier gefaltete Schiffchen mit Vorsegel und Großsegel – reichlich Fläche also, um Windkraft für den Vortrieb einzufangen oder dem guten Geist Gottes Raum für Rückenwind zu geben. Vorn am Bug jedes Schiffchens war der Bootsname aufgemalt – identisch mit dem Namen eines jeden litauischen Gastes.

Segensspruch mit Neuauwiewitt-Logo.

In das Großsegel eingearbeitet war in beiden Sprachen ein Segensspruch:

Telaimina tave gerasis Dievas visuose keliuose.
Gottes guter Segen sei mit dir auf allen Wegen.

Berührt nahmen die 15 Gäste die Schiffchen wie eine kleine Kostbarkeit entgegen.

Nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen. Die litauischen Bullis waren bereits gepackt. Das Herzen und Küssen dauerte, schließlich wollte jeder und jede jeden und jede knuddeln. Manche hielten sich bei den Händen und tauschten tiefe Augenblicke aus. Arunas legte sein Taschentuch nicht mehr aus der Hand. Schließlich sprach Rytis ein Machtwort und nutzte seine Deutschkenntnisse, die von drei Wörtern bei seiner Ankunft inzwischen auf eine unübersehbare Masse samt grammatischer Kenntisse angewachsen waren. Er rief vernehmlich: „Bitte, nehmen Sie Platz.“ Die Seinen folgten aufs Wort.

Abschied 1.

Abschied 2.

Abschied 3.

Abschied 4.

Noch als die Litauer in den Bullis saßen, wanderten Hände, die längst zum Abschied gedrückt worden waren, durch die Fenster.

Ein letzter Wink von Rytis.

Und ein letztes Winken von Neuauwiewitt.

Dann waren die Bullis weg. Die Unseren rappelten sich auf und säuberten in Rekordzeit den Frühstückssaal im Bonihaus und die „Gästeräume“ mit Schlafzimmern, Bädern, Toilette, Küche und Partyraum im Dekanatsjugendbüro.

Die Leere war spürbar.

Text und Fotos: Delia Evers

Litauen-Tagebuch

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