Brigitte Hesse: Man muss nicht doof sein, um zu glauben

Am 27. März 1958 – vor 60 Jahren – kam Christel Hesse aus Hallenberg mit ihrem ersten Kind nieder. Brigitte war geboren. Die geographische Lage am Südfuß des Rothaargebirges…

… bescherte den Einwohnern im Sauerland-Städtchen viele Schönwettertage. So wuchs das Mädchen mit den jüngeren Brüdern Hans-Jürgen und Frank zwischen reichlich Sonnenschein, schmucken Fachwerkhäusern und ganz viel Katholizismus auf.

Vater Franz-Josef, ein Techniker mit vielen Außenterminen, kam abends erst nach Hause. Wie die eigene Familie und grob geschätzt die ganze Kleinstadt ging er sonntags zur Kirche. In seinen späteren Jahren wurde ihm der Traditionskatholizismus fremd. Heute verzieht Brigitte lächelnd den Mund: „Manchmal stellte er bei der Predigt sein Hörgerät ab.“

Den Argusaugen anderer Bewohner war schwer zu entkommen. Jeder wusste von jedem, wer die Heilige Messe mitgefeiert oder die Beichte geschwänzt hatte. Für die Katholiken waren schon die wenigen evangelischen Christen im Dorf ungewohnt. Deren Kinder nutzten in der Schule über Jahre einen eigenen Eingang.

Solche Gepflogenheiten wurden nicht hinterfragt, die katholischen Sakramente und Traditionen schon gar nicht. Mädchen hatten im Altarraum nichts zu suchen. „Da vorn war es ganz heilig.“

Im Unterricht waren eher unheilige Schläge Teil der Lernertüchtigung. Beschwerden daheim hatten keinen Sinn. Die Standardantwort: „Wer Schläge bekommt, hat sie wohl verdient.“ Das Kind fand sie nicht schlimm. Sie trafen jeden mal, das wirkte irgendwie gerecht, „war aber nervig“.

Brigitte Hesse wird eingeschult: 1. April 1964.

Alle vier Wochen ging Brigitte zur Beichte. Sie stimmte sich mit Freundinnen und Freunden ab. Vier, fünf Sünden mussten für eine anständige Beichte schon zusammenkommen. Sie tauschten ihre „Sünden“ aus wie andere ihre Fußballsammelkarten, um nicht immer dasselbe herunterbeten zu müssen.

Einmal entdeckte Brigitte in einem Schriftstück eine neue Sünde. Die behielt sie für sich und nannte sie im Beichtstuhl mit einem gewissen Stolz: „Ich hab‘ ein Gelübde gebrochen.“ Der Geistliche reagierte lieb: „Das brauchst du nicht zu beichten. Das ist was für Erwachsene.“

Brigitte war der St.-Heribert-Gemeinde in Hallenberg besonders verbunden. Sie hatte Blockflöte und später Klavier gelernt.

Da in der Kirche notorischer Organistenmangel herrschte, hockte Brigitte mit 13, 14 Jahren gut fünfmal pro Woche in Gottesdiensten auf dem Orgelboden des Gotteshauses und des nahen Klosters und ließ – Seit an Seit mit einem anderen Mädchen – die Königin der Instrumente dröhnen.

Sie empfand sich nicht als sonderlich musikalisch, staunte aber damals schon über die Kraft der Musik. „Man kann nicht alles besprechen oder beschweigen. Musik verbreitet Stimmungen, sie lässt einen zur Ruhe kommen oder wühlt einen auf. Die Liturgie braucht Lieder.“

Einen musikalischen Zwischenstopp legte sie mit ihrer Altstimme im Cäcilienchor ein („Mutter sang zu jeder Zeit“), denn im Chor erhob zur Ehre des Herrn ein Junge seinen Bass: Brigitte hatte sich verliebt. Das Gefühl verhallte ohne Echo. Sie beendete ihren Exkurs in den Chor so schnell es ging.

Sie hinterfragte das Gegebene nicht, aber sie hatte ein Gespür für das Aufgesetzte, Verkrustete und Scheinheilige in Glaubensritualen. „Ich habe mich an Dingen gestört. Sie fühlten sich hohl an.“

Brigitte (Mädchen rechts) bei ihrer Erstkommunion mit „Engelchen“ Theresia, desweiteren v.l. Patentante Margret, Vater Franz-Josef, Mutter Christel, schwanger mit Frank, Oma Elisabeth und Opa Franz, r. neben Brigitte ihr Bruder Hans-Jürgen.

Ein neuer Abschnitt begann für Brigitte, als sie ins Gymnasium nach Winterberg kam. „Ich war eine gute Schülerin“, erzählt sie sachlich. Lehrer hatten die Eltern vom Wechsel überzeugt. Brigitte lernte viel, nutzte die Zeit, die sie als Fahrschülerin in Bus oder Schule wartend verbrachte, um Hausaufgaben zu machen und Skat zu lernen. „Meine Schulzeit war klasse. So viel Freiheit habe ich nie wieder gehabt“ – vor allem ab der elften Klasse, denn zu diesem Zeitpunkt verjüngte sich das Kollegium deutlich. „Plötzlich sprachen wir im Religionsunterricht über Atheismus.“

Im Alltag außerhalb der Schule kam die neue Offenheit nicht an. Da herrschte die altgewohnte, rigide Moral. Aber Brigitte hatte in den Gesprächen im Unterricht eine tiefgreifende Erfahrung gemacht: „Man muss nicht doof sein, um zu glauben.“

Sie war nicht rebellisch, aber neugierig, offen und zupackend. Gegen die Meinung des Pastors und beflügelt durch den Dekanatsjugendseelsorger begann sie mit anderen Jugendlichen, eigene Strukturen zu schaffen. Sie gründeten eine gemischte Jugendgruppe.

„Wir haben tolle Sachen gemacht.“ In der Stadthalle ließen sie eine Disko mit 200, 300 Jugendlichen steigen. „Wenn alle weg waren, haben wir nachts den Boden gebohnert“ – mit Bohnerwachs und sündhaft schweren Bohnerbesen. Sie richteten eine Stadtmeisterschaft für Rodler aus, glätteten selbst die Bahn und bauten Wälle aus Schnee.

Sie stellte scheinbar einfache Fragen. „Warum muss ich sonntags in die Kirche?“ „Weil das so ist“, hörte sie und spürte nur den sozialen Zwang. Sie suchte vernünftige Antworten, wollte wissen, was schief lief, da der Vater sich in Predigten die Hörgeräte ausstellte oder Kinder zur Beichte Sünden erfanden oder eine Kirchgängerin, Helene geheißen, Backsteine auf den nahen Kreuzwegberg schleppte, um sich zu läutern. „Ich fand das nur bescheuert.“

Für viele war die eigene Religiosität zu einem Anhängsel geworden, das man sonntags trug oder ertrug und im Alltag mehr oder weniger ablegte – so kam es Brigitte vor. Glaubenstraditionen gehörten in Hallenberg dazu, störten nicht wirklich und gaben ein gutes Gefühl. „Um Inhalte ging es nicht. Die eigene Aufklärung war nicht gewünscht.“

Nach dem Abitur feierten Brigitte und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zehn Tage mit Trecker und Leiterwagen.

Nach dem Abitur 1976 wechselte sie zum Studium nach Münster. Das Universitätsleben gefiel ihr. Sie genoss die Großstadt, freute sich an den vielen Menschen, an neuen Bekanntschaften und dem Studieren an sich. Sie hatte Medizin als eine Option gesehen. Doch sie scheute die Pathologie. Die Lehre von den körperlichen Leiden war ihr nicht geheuer. Sie fuhr zweigleisig. Sie schrieb sich für Geschichte und Pädagogik ein und schaffte ihr Staatsexamen. Im Hauptstudium belegte sie Theologie, um Pastoralreferentin zu werden. „Das war großartig. Unsere Dozenten waren die Crème de la Crème.“

Heute sagt die Diplom-Theologin: „In Münster kamen Glaube und Vernunft zusammen.“ Plötzlich verstand sie Zusammenhänge. Die Exegese war für sie eine Offenbarung.

Sie wollte lernen, anderen beim Fragen zu helfen.

Fragen wurde zur Tugend. „Man kommt nicht weiter, wenn man nur Antworten rezipiert. Was haben wir diskutiert!“ Brigitte war froh. Ihre Vernunft durfte alles beleuchten und kritisch beäugen, auch die Not auf der Welt vor den Augen des barmherzigen Gottes. Wie ging das zusammen? Sie spürte die Kraft von Menschen, die sich politisch für andere stark machten und setzte sich mit der Befreiungstheologie in Südamerika auseinander: Die stellte sich als „Stimme der Armen“ an die Seite ausgebeuteter und rechtloser Menschen. „Das alles berührte mich sehr.“

Brigitte wollte selbst handfest arbeiten. Sie hatte die ersten Semester hinter sich, als sie einen Aufruf aus einer unbekannten Gegend las: Pastor Hubert Heinelt aus dem ostfriesischen Esens suchte für die Sommerzeit Theologie-Studenten, die er in der Urlauberseelsorge in Bensersiel und Neuharlingersiel und auf Spiekeroog einsetzen konnte.

Brigitte als junge Frau.

Brigitte meldete sich und bekam eine Einladung. Die Bundeswehr stellte Zelte. Sie waren für Wochen das spartanisch bestückte Zuhause von 15 Studenten, die in drei Fünfer-Gruppen arbeiteten, darunter Brigitte. 100 Mark bekam jedes Quintett zum Leben, sonst nichts; montags kochte der Vater von Hubert Heinelt. „Was war das für eine tolle Zeit!“, sagt Brigitte. Sie lernte viel und stand zum ersten Mal mit Herzbammel als Lektorin vor den Besuchern der Strandkorbkirche oder der Sonntagsgottesdienste, die sie in Esens mitfeierte. Sie war so aufgeregt, dass sie gefühlt „ständig aufs Klo musste“. Vater Heinelt beruhigte sie mit Melissengeist.

Die Festlandteams waren auch eingeladen zu predigen. Brigitte befand: „Wenn ich lese, will ich auch predigen.“ Heute, da sie noch immer predigt, würde sie mit ihren Texten von damals nicht mehr an den Ambo treten. Sie grinst. „Das war ziemlich moralistisch. Aber ich fand’s damals gut, und die anderen im Team fanden es auch gut.“

In den Folgejahren zog es sie in den Sommersemesterferien erneut an die Küste. Hubert Heinelt und Amtsbruder Norbert Krümel – beide gehörten demselben Priesterkonvent in Aurich an – schätzten die Studentin aus dem Sauerland sehr. Als Brigitte alle Studiengänge nach sechs Jahren abgeschlossen hatte, fuhren die beiden Geistlichen nach Osnabrück und forderten Brigitte an.

Prompt bekam sie eine Stelle – dreigeteilt: Sie gab zum einen ohne jede Einführung in der Oberstufe des Wittmunder Gymnasiums Religionsunterricht und arbeitete zum zweiten und dritten in Aurich und in Esens als Pastoralreferentin vor allem in der Jugendseelsorge. Sie gründete Gruppen für Mädchen und organisierte ein Ferienlager für sie. Die Jungen gingen längst auf Reisen. Bald kamen die ersten gemischten Lager – eine mittelschwere Sensation.

„Ich habe total für diese Aufgaben gelebt“, sagt Brigitte.

Gemischtes Zeltlager mit Basteleinsatz.

Zudem stand sie immer wieder als Predigerin in Gottesdiensten, gern in der Osternacht in Esens. Nie monierte jemand, dass eine Frau am Ambo war. „Hubert Heinelt hat dieses Klima geschaffen. Er war charismatisch und frei und hatte“ – Brigitte lächelt – „eine wilde Art“.

Norbert Krümel sei organisierter gewesen, verbindlich und gleichermaßen zugewendet. „Ich passte gut zwischen die beiden.“ Brigitte wohnte über Jahre in Esens im Pfarrhaus.

Brigitte mit der ersten und einzigen Dauerwelle ihres Lebens um 1984. Sie trägt einen Pullover, den Auricher Jugendliche ihr gestrickt hatten.

Ein örtliches Jahresereignis, die Groschenkirmes in Esens, hatte Folgen. Gesammelt wurde dort für Projekte in Brasilien. Schon Jahre zuvor hatte Brigitte mit dem Gedanken gespielt, in Brasilien zu arbeiten. Es gelang auf Umwegen nach sieben Jahren in Esens, Aurich und Wittmund: Mit 31 Jahren bekam sie eine Stelle, aber kein Gehalt, dafür ein Taschengeld, das die Gemeinden in Aurich und Esens für sie sammelten. Das Bistum zahlte die Beiträge zur Rentenversicherung weiter.

Dreieinhalb Jahre verbrachte Brigitte in Brasilien. Sie war in Angical, einem Dorf im Bundesstaat Bahia, als Sozialarbeiterin für Kinder und Jugendliche vorgesehen – und tat weitaus mehr. Sie wurde zur Netzwerkerin, die Menschen zusammenbrachte und Projekte anstieß. Eine Schule entstand. Frauen taten sich zusammen und erwirtschafteten mit selbst hergestellter Seife und Deko-Gegenständen, die sie aus Zuckersäcken zauberten, ein eigenes Einkommen. Brigitte organisierte Demonstrationen für Bildung, Umwelt, Müllvermeidung und Menschenrechte.

Sie fuhr in einem alten Klapper-Toyota mit aufgepflanztem Lautsprecher durch die Pampa, motivierte Frauen und erstaunte Männer. Die bekochten bei einer Aktion auf Anregung von Brigitte ihre Familien und dachten – einmal mehr „mit Super-Material von der Kirche“ – über die Gottesebenbildlichkeit von Mann und Frau nach.

Ritt zu einer Firmung nach Taguatinga – mit dem Auto kam man nicht hin. „Ich hatte höchsten Respekt vor dem Reiten und Angst vor dem Runterfallen…“

Gern schwamm Brigitte durch den Rio Grande – bis ihr Kinder und Jugendliche einen gefangenen Piranha präsentierten. Schade, denn danach mochte sie im Fluss nicht mehr baden, musste aber noch einmal zurück. Bis heute schwimmt Brigitte gern (in de Baalje gibt’s keine Piranhas) und hält sich mit Laufen fit.

Brigitte wohnte in ihrem Dorf in bescheidensten Verhältnissen. Als ihr einmal von den Deckenbalken eine Ratte aufs Bett fiel, schlief sie nur noch mit aufgespanntem Moskitonetz. Das gab auch eine gewisse Sicherheit gegen ziemlich fette Spinnen. Sie durchlebte Phasen der Einsamkeit, besonders an Weihnachten.

Brigitte mit Hängematte im Hof ihres Hauses in Angical: Besonders freute sie sich immer auf die „ZEIT“. Sie kam jeweils mit 14 Tagen Verspätung. Brigitte verschlang alles, auch den Wirtschaftsteil und die Informationen über den Mauerfall, der gerade die Welt bewegte.

Mit Musik ging vieles leichter. Über ihrem Bett baumelte für nächtliche Einsätze das Moskitonetz. Im Raum war es immer etwas kühler als draußen.

Und Brigitte lernte die Schattenseiten der Arbeit kennen. Eine große Landreform war angestoßen worden, aber die dringend benötigte und versprochene Infrastruktur blieb aus. Brigitte war wütend. Sie wollte mehr, als sie erreichen konnte.

Brigitte beim Reisstampfen im Pfarrhaus von Baianópolis: „Das war eine Mörderarbeit. Ich habe dann doch lieber fertigen Reis gekauft.“

Viel hatte sie erreicht, als sie nach dreieinhalb Jahren nach Deutschland zurückkehrte und die Chance ergriff, in Ostfriesland hauptberuflich in die Urlauberseelsorge einzusteigen. Von 1993 bis 2011 füllte sie ihre Aufgabe aus. Sie verpflichtete bekannte Referenten wie Anselm Grün, Eugen Drewermann und Regine Hildebrandt und holte große Ausstellungen von Chagall-Werken und Barlach-Bildern in die Küstenorte und schaffte es immer wieder, bei den Besuchern über Kunst und Religion Glaubenserfahrungen zu verdichten.

Sie öffnete Menschen die Augen und machte sie sehend für Aspekte, die man wie bei der Musik gut unmittelbar begreifen kann.

Sie suchte das Gespräch mit Menschen, erreichte sie über Bilder von der Küste wie den Wind, gegen den man angeht, und wollte Kinder in der Seelsorge nicht einfach bespielen. Sie hatten am Strand ohnehin alles, was sie brauchten. Brigitte machte sie neugierig, stiftete sie zu Fragen an, die – anders als in der Schule – jede und jeder für sich mit dem eigenen inneren Reichtum beantworten durfte.

„Das war eine tolle Zeit. Ich durfte alles ausprobieren“, sagt Brigitte heute dankbar.

Sie war eine Institution. Das sagt sie nicht. Viele Menschen sind nach ihrem Urlaub an der Küste ein Stückweit beseelter nach Hause gefahren. Niemand weiß, was Brigitte ausgelöst und gelöst hat.

2011 wurde die Urlauberseelsorge umstrukturiert.

Brigitte kam mit neuen Aufgaben nach Aurich – was für ein Kontrastprogramm! Von Menschen, die die schönste Zeit des Jahres frei und fröhlich an der Küste verbrachten, hin zu Menschen, die im Knast in Aurich gefangen saßen! Brigitte wurde mit halber Stelle – auch hier ohne nennenswerte Einführung – zur Gefängnis-Seelsorgerin ernannt.

„Das war ein Hammer“, sagt sie offen. Sie selbst kam aus der Weite und Fülle des Lebens und fühlte sich in den Mauern zuerst wie eingeschlossen.

Sie blickte in Abgründe, die sie mitunter kaum ertragen konnte, und war dankbar für die Lebenserfahrung, die sie mit 53 Jahren eingefahren hatte. „Mit 25 hätte ich das nicht gekonnt.“ Sie arbeitete viel in Gruppen. Oft stellte sie Symbole vor. Gemeinsam machten sie und Gefangene in teils intensiven Gesprächen Werte daran fest. Auch im Gefängnis wirkte Brigitte als Netzwerkerin, vermittelte zwischen den Insassen und ihren Angehörigen und brachte sie immer wieder zusammen.

Als der Knast für den Regelbetrieb vor drei Jahren geschlossen wurde, besaß sie das Vertrauen vieler Gefangener. Jetzt sitzen sie in Meppen ein, weit weg und für viele Angehörige kaum zu erreichen, sagt Brigitte.

Brigitte interviewt Gassenhauer für eine Sendung auf Radio Ostfriesland.

Ihren Kenntnisreichtum, ihre Ideen, ihren Glauben und ihren eigenen Kopf bringt die Dekanatsreferentin seit 2011 auch in den Vorstand der Dekanatspastoralkonferenz, in die Arbeitsgemeinschaft der Pfarrgemeinderäte, bei Fortbildungsveranstaltungen und im liturgiebegleitenden Ausschuss ein.

Sie legt in Heiligen Messen das Evangelium aus, verantwortet Folgen in der Sendereihe „Um Gottes Willen“ auf Radio Ostfriesland, Spätschichten und besondere Gottesdienste. Sie wünscht sich darin mehr Lesungen, die sich in den Predigten widerspiegeln und zum Widerspruch herausfordern. „Da, wo man sich stößt, wird es spannend. Da kommt etwas in Bewegung. Das ist gut.“

Die Dekanatsreferentin begleitet für die Sendung „Um Gottes Willen“ einen Fastengang in Ihlow, hier mit Pastor Carl Borromäus Hack und Natalia Löster.

Und sie wünscht sich eine lebendige und aktuelle Kirche, in der „mit einer vernünftigen Darlegung das Wort Gottes aufgeschlüsselt und mit dem konkreten Leben der Menschen verbunden wird“. Gern dürfe die Kirche auch zeichenhafter sein, indem z.B. häufiger unter beiderlei Gestalten kommuniziert werde. Christus habe sich beim letzten Abendmahl in Brot und Wein, in Leib und Blut, verschenkt. Beides gehöre zur vollen Mahlgemeinschaft dazu.

Brigitte hält wenig von der mancherorts gepflegten „Vorratshaltung“ konsekrierter Hostien im Tabernakel. Da ist sie wieder bei der Mahlgemeinschaft, in der Jesus frisch gesegnetes Brot, nicht altes Brot, verteilt habe. Das Geschehen in der Eucharistie „ist kaum zu versprachlichen. Christentum zu verstehen, ist anstrengend und oft paradox“, sagt sie. Die Mahlgemeinschaft mit Christus hingegen sei ein starkes, zeichenhaftes Bild, das oft unmittelbar begriffen werde.

Brigitte Hesse öffnete z.B. den Klüngeltüngels eindrucksvoll die Augen für viele Besonderheiten der Insel Langeoog. Sie tat es auf eine leise Art oft mit Fragen und öffnete so wohl jedem ungewöhnliche Zugänge.

Dazu könne auch die Liedauswahl beitragen. „Wir haben im Gotteslob tolle, inhaltsreiche Lieder.“

Immer wieder geht es ihr um Inhaltsreichtum. Menschen, die blind an fremden Lippen hängen, sind für sie eine echte Herausforderung. Sie möchte anregen, anstoßen, Möglichkeiten anbieten und andere so bewegen, sich selbst ein Bild zu machen, vielleicht ein ganz neues Bild, von dem alte ritualisierte Krusten abfallen.

„Auch das ist Gebet“, sagt sie: „Wenn du dich bemühst, etwas zu verstehen.“

Text und Fotos (4): Delia Evers; weitere Fotos: Privatarchiv Brigitte Hesse

Brigitte Hesse kurz nach ihrem 60. Geburtstag.

Dieser Beitrag wurde unter Archiv, Lexikon - H abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.  Beitrag drucken. Beitrag drucken.