2019-02-28 | Düsteres „Thema Missbrauch“ in den Gemeinden

Ein überaus düsteres Thema – sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche: Gestern hat Bischof Franz-Josef Bode in einer Pressekonferenz ein Konzept vorgestellt.

Es regelt, wie Verantwortliche im Bistum Osnabrück ab sofort handeln sollen. Der Bischof stellte neben einem persönlichen Brief fünf Aufgabenfelder vor: „die Prävention, die Intervention, die Hilfe für Betroffene, den Umgang mit Beschuldigten und die Sanktionierung von Tätern sowie die Klärung systemischer Grundsatzfragen“.

„Endlich“ oder „zu spät“ mögen vor allem Menschen denken, die Opfer von Priestern geworden sind, obwohl ihre Peiniger längst intern als Täter bekannt waren, vorgesetzte Geistliche sie aber nur versetzten und nicht stoppten und so in vielen Fällen den fortgesetzten, schrecklichen Missbrauch erst ermöglichten.

Schaubild des Bistums mit Handlungsfeldern.

Jetzt legt das Bistum also ein Konzept vor. Es intensiviert und bündelt Aktivitäten, die teils seit einigen Jahren oder zumindest seit längerem greifen.

Sportvereine und andere weltliche Gemeinschaften brachten bereits zu Beginn der 2000er-Jahre nach sexuellen Übergriffen u.a. durch Übungsleiter Handlungsprogramme gegen solche Gewalt auf den Weg, die bis in die örtlichen Gliederungen hinein ein regelrechtes Frühwarnsystem bieten. – Im Bistum Münster sind inzwischen sämtliche Pfarrgemeinden verpflichtet, ein Institutionelles Schutzkonzept (ISK) gegen Missbrauch umzusetzen und selbst aktiv über den Umgang mit Sexualität und Macht nachzudenken.

Überall  da, wo Erwachsene und Schutzbefohlene eng zusammenwirken, ist Missbrauch möglich. Niemand sollte sich einbilden, er könne für alle Männer und Frauen, die in seinem Umfeld mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die Hand ins Feuer legen.

Nicht Misstrauen gegen jeden und jede ist jetzt gefordert, sondern das Gegenteil. Es ist allerhöchste Zeit, bis hinunter in die Pfarrgemeinden eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle sicher und geschützt fühlen können: sicher und geschützt vor sexualisierter Gewalt und vor Machtmissbrauch jeder Art.

Schutzkonzepte wie in den Pfarrgemeinden des Bistums Münster zeigen potenziellen Tätern bereits im Vorfeld, dass sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in keiner Weise geduldet werden und schon bei Verdachtsfällen konsequent gehandelt wird. Schutzkonzepte brauchen auch unsere Gemeinden.

Papst Franziskus predigte 2018 in Zusammenhang mit den Missbräuchen, Kirche müsse aufhören, kritisches Hinterfragen mit Verrat gleichzusetzen. Stattdessen solle sie sich gegen Ausgrenzung und Elitebildung aufstellen, denn die machten Missbrauch erst möglich. Zudem müsse sie Zweifel an der eigenen Institution und der eigenen Wahrnehmung zulassen. So weit der Papst.

Ein Stück innerkirchlicher Demokratie, Sicherheit, Schutz und Vertrauen entstehen da, wo die Beteiligten offen miteinander reden und wo Kritiker Unliebsames sagen dürfen, ohne als Verräter an der Sache oder an der Kuschelfreude ausgegrenzt zu werden. Das kostet Zeit, es ist anstrengend, zuweilen unbequem und doch alternativlos.

Zugleich ist es beispielgebend und eine der besten Präventionen gegen Machtgehabe und sexualisierte Gewalt: Wo Kinder und Jugendliche ein klares und selbstbewusstes Nein als etwas Selbstverständliches erfahren, lernen sie, selbst ein starkes und selbstbewusstes Signal gegen Übergriffe zu setzen,

meint herzlich
eure Turmflüsterin

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