Er hat uns zu Königen gemacht | SONNTAG, 22. November 2015

Es geschah bei einem Vortrag zum Thema Ethik während der Auricher Wissenschaftstage. Ein Referent sprach über die persönlichen Informationen, die mithilfe unserer „elektronischen“ Karten abgreifbar werden. Ein Mann aus dem Plenum meldete sich und sagte stolz, er habe eine einfache Lösung für das Problem gefunden. Wenn er irgendwelche Bögen ausfüllen solle, um z.B. an eine Kunden-Karte zu kommen, lüge er wie gedruckt.

Der Referent stutzte, dann sagte er freundlich: „… wenn sich das mit Ihrer Eigenwürde verträgt?!“ Den Satz fand ich phänomenal. In meinem Alltag muss ich mich immer wieder fragen, ob mein Handeln und meine Eigenwürde in Einklang stehen. Habe ich laut „Stop“ gesagt, als jemand unlängst in der Fußgängerzone wenige Meter vor einem Bettler auf den Boden spuckte? Habe ich „So nicht!“ gesagt, als ich jetzt von einer kirchlichen Institution kostenlos eine Weihnachts-CD zugeschickt bekam mit der „Bitte“, diese Großherzigkeit mit einer Spende zu beantworten?

Von Eigenwürde ist heute am Christkönigssonntag in der Tageslesung aus der Offenbarung des Johannes die Rede. Dort heißt es über Jesus: „Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott.“

Kann ein Mensch dieser Würde würdig werden? Er kann sie sich schenken lassen.

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