Ersatzfahrt der Klüngeltüngels zur Evenburg

Sie erlebten Schlossführung in Leer | Von Hildegard Lüken

Im Nachhinein war es gut, dass der Ausflug der Klüngeltüngels nach Ditzum gestrichen werden musste. Sonntag regnete es fast ohne Pause, und so war die „Ersatzfahrt“ mehr als das: Schloss Evenburg in Leer ist ein richtiges Kleinod!

Am frühen Nachmittag, nach dem Stadtfestgottesdienst, machten sich zehn Interessierte (leider waren viele verhindert) auf den Weg nach Leer, um mit einer sehr guten Führerin das Schloss zu erkunden.

Eindrucksvolle Kulisse: Schloss Evenburg.

Schloss Evenburg ist ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung und besteht aus dem Dreiklang Schloss, Park und Vorburg. Bereits im Jahr 1642 wurde die erste Evenburg als barockes Wasserschloss von Oberst Erhard Reichsfreiherr von Ehrentreuter erbaut.

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Schloss für die Bedürfnisse der Bewohner zu klein und unmodern geworden. Carl Georg Graf von Wedel ließ das Schloss erweitern und umbauen. Das neue Schloss wurde in einer Rekordbauzeit von nur zwei Jahren errichtet.

Die Klüngeltüngels auf der herrschaftlichen Treppe.

Im Laufe der Jahre wurde es erweitert, die Evenburg erhielt eine Loggia neben dem Haupteingang und ein Nebengebäude, das sogenannte Radhaus, auf der Schlossinsel. Im Bereich der Vorburg wuchsen Remisen und Unterkünfte. Ab 1864 wurde der Bau der Gewächshäuser zur Anzucht von Ananas und Wein begonnen. 1865 kam ein Gulfhaus für den Meierhof hinzu, das das Herrenhaus an Größe übertraf und auch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der gräflichen Flächen auf ein neues Niveau heben sollte.

Blick in den herrlichen Garten.

In den 1930er-Jahren verlegten die von Wedels ihren Hauptwohnsitz nach Schloss Gödens, wo die Familie bis heute wohnt. Seitdem setzte der bauliche Niedergang des Schlosses ein, es wurde wegen fehlender Geldmittel nach und nach zurückgebaut und auf verschiedene Arten genutzt, z. B. als Lazarett oder Flüchtlingsunterkunft.

1975 kaufte der Landkreis Leer das Schloss, den Meierhof und die dazu gehörenden rd. 110 Hektar landwirtschaftliche Fläche für 7 Millionen DM, und es begannen die Sanierungsarbeiten.

Seit Mai 2014 ist die Evenburg mit einer Dauerausstellung zum Leben und Wirtschaften einer adligen Familie im 19. Jahrhundert und als Zentrum für Gartenkultur geöffnet.

Einzelne Räume in der Evenburg widmen sich Blumen und Pflanzen und der Gartengestaltung, denn über vier Jahrzehnte war unter Carl Georg von Wedel an der Evenburg ein in Nordwest-Deutschland führender Gartenbaubetrieb aufgebaut worden.

Es gab beheizte Gewächshäuser, in denen Ananas, Pfirsiche, Weintrauben und Tomaten gezogen wurden. Bis ca. 1909 existierte auch eine große Baumschule bei der Evenburg. Der das Schloss umgebende Englische Landschaftspark ist Zeugnis einer Mode in der Gartenplanung und Landschaftsgestaltung.

Bei der einstündigen sehr interessanten Führung erfuhren die Klüngeltüngels viel über das Leben zur damaligen Zeit im Schloss, über den Gartenbaubetrieb und die Pflanzen – die Zuhörer waren begeistert und können einen Besuch nur empfehlen.

Dann ging es gemeinsam ins Schlosscafé, wo sich die Klüngeltüngels bei Kaffee und leckeren Torten noch über die vielen Eindrücke austauschten. Und – oh Wunder – der Regen machte auch mal Pause, die Sonne lugte sogar kurz hervor, und so schloss sich noch ein Spaziergang durch den wunderschönen Park an.

Alle waren sehr zufrieden mit dem wunderschönen und – auch wettermäßig – gut genutzten Sonntagnachmittag und freuen sich schon auf weitere Unternehmungen.

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