Es könnte sein, dass wieder Delfine schwimmen

In seinem Sonntagsimpuls emuntert uns Markus, auch auf Mitmenschen zu schauen, „die uns wieder herunterholen, die einen anderen Blickwinkel auf die Thematik Corona haben.“ Dazu passend hat Hildegard Lüken einen Text gefunden.

Schnell hatte sie die Autorin ausfindig gemacht und um das Recht gebeten, den Beitrag kostenfrei auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Herzlichen Dank, liebe Hildegard, für deine Entdeckung und herzlichen Dank, sehr geehrte Tanja Draxler, für Ihr „Ja“!

Von Tanja Draxler | Es könnte sein…

Es könnte sein, dass in Italiens Häfen die Schiffe für die nächste Zeit brach liegen, …

es kann aber auch sein, dass sich Delfine und andere Meereslebewesen endlich ihren natürlichen Lebensraum zurückholen dürfen. Delfine werden in Italiens Häfen gesichtet, die Fische schwimmen in Venedigs Kanälen!

Es könnte sein, dass sich Menschen in Häusern und Wohnungen eingesperrt fühlen, …

es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, sich gegenseitig helfen und seit langem ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Menschen singen miteinander!

Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele eine Freiheitsberaubung bedeutet und berufliche Einschränkungen mit sich bringt, …

es kann aber auch sein, dass die Erde aufatmet, der Himmel an Farbenkraft gewinnt und Kinder in China zum ersten Mal in ihrem Leben den blauen Himmel erblicken. Sieh dir heute selbst den Himmel an, wie ruhig und blau er geworden ist!

Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet, …

es kann aber auch sein, dass viele Kinder seit langem die Chance bekommen, endlich selbst kreativ zu werden, selbstbestimmter zu handeln und langsamer zu machen. Und auch Eltern ihre Kinder auf einer neuen Ebene kennenlernen dürfen.

Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft einen ungeheuren Schaden erleidet, …

es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und dass ständiges Wachstum eine absurde Idee der Konsumgesellschaft ist. Wir sind zu Marionetten der Wirtschaft geworden. Es wurde Zeit zu spüren, wie wenig wir eigentlich tatsächlich brauchen.

Es könnte sein, dass dich das auf irgendeine Art und Weise überfordert, …

es kann aber auch sein, dass du spürst, dass in dieser Krise die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt,

– der die Erde aufatmen lässt,
– die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt,
– unsere Gesellschaft enorm entschleunigt,
– die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann,
– der Müllberge zumindest einmal für die nächsten Wochen reduziert,
– und uns zeigt, wie schnell die Erde bereit ist, ihre Regenaration einzuläuten, wenn wir Menschen Rücksicht auf sie nehmen und sie wieder atmen lassen.

Wir werden wachgerüttelt, weil wir nicht bereit waren, es selbst zu tun. Denn es geht um unsere Zukunft. Es geht um die Zukunft unserer Kinder!

 

Gedicht entnommen: https://www.tanjadraxler.com/blog/es-koennte-sein/

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