Firmung in Aurich: „Empfangt den Heiligen Geist“

2016-05-07 Firmung Aurich3_1Von Delia Evers | Was für ein Gottesdienst! In der evangelisch-lutherischen Lamberti-Kirche in Aurich firmte Diözesanbischof Dr. Franz-Josef Bode 21 Jugendliche aus unserer St.-Ludgerus-Gemeinde.

An diesem Morgen stimmte alles. Die Firmlinge schritten festlich gekleidet aus der warmen Maisonne zur Firmung in die helle Kirche. Die Feiergäste fanden reichlich Platz. Martje Laubrock brauste nach munterem Vorspiel mit der Orgel, und die Gemeinde brauste mit: „Großer Gott, wir loben dich.“

Beate Eggers, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, begrüßte den Bischof und die ganze Gemeinde herzlich. Franz-Josef Bode wandte sich an die Firmlinge. Er freue sich, sie dank der Firmvorbereitung zu ihrem Ziel führen zu dürfen. Die Firmung sei nicht Belohnung für Fleiß, sondern sei Ermutigung und Bestärkung durch den Heiligen Geist.

Steffi Holle wandte sich für die Katechetinnen und Katecheten an die Firmlinge. Das ganze Team sei beeindruckt von der Offenheit und der Ehrlichkeit, die die Jugendlichen während der monatelangen Vorbereitung immer wieder gezeigt hätten – ebenso von ihren kritischen Anfragen und ihrem Engagement, ihrer Gemeinschaft und ihrer Spiritualität – „sie haben uns begeistert!“

Das Leitungsteam freue sich über die christliche Lebenshaltung der Jugendlichen, die bei ihrer Vorbereitung in Rulle besonders an drei Themen gearbeitet hätten: Vergebung. Gott. Gemeinschaft. Drei Firmlinge berichteten der Gemeinde von ihren Gedanken.

Vergebung sei echte Nächstenliebe. Gott helfe, dass wir gut leben könnten. Der Glaube an ihn sei immer wieder eine Herausforderung. Gott sitze nicht irgendwo im Himmel und lenke das Geschehen. „Er geht unsere Wege mit.“ Gemeinschaft bedeute Toleranz und Liebe. Gemeinschaft entstehe nicht von allein. „Vom Nichtstun kommt nichts.“

Katechetin Maria Dellwisch trug die Lesung vor, Pfarrer Johannes Ehrenbrink das Evangelium.

Der KjE-Chor wies unter Leitung von Doris Bigalski mit dem Lied „You’ll receive the power. Seid Zeugen in der Welt, wenn Gottes Geist auf euch kommt“ sacht den weiteren Weg. Bischof Franz-Josef Bode beschritt ihn. Er erinnerte an das Pfingstereignis mit Sturm und Feuerzungen vor 2000 Jahren, das als erste Firmung überhaupt gesehen werde könne. Aus ängstlichen Jüngern seien Christen geworden, die mutig in die Welt gezogen seien. „Wenn der Heilige Geist kommt, kann nichts bleiben wie es ist“, sagte Bode.

Sturm puste aus und wirbele durcheinander. Feuer, vom Heiligen Geist entfacht, entzünde Liebe. Damals hätten sich im Sprachwunder plötzlich alle verstanden. „Denn die Sprache der Liebe bringt uns zum Verstehen.“ Der Bischof nannte als Beispiel aus der Ludgerus-Gemeinde „die Anpackerkreise, die die Sprache der Liebe sprechen“.

Wieder wandte sich Franz-Josef Bode direkt an die Firmlinge als eine „Gruppe von engagierten Leuten, die entschieden sind, im Glauben zu leben“. Natürlich seien Fragen, Unsicherheiten und Ängste da. Ängste hätten nach Christi Tod und Auferstehung auch die Jünger gehabt. Doch „in der Krise kam Jesus in ihre Mitte“. Er habe ihnen den Frieden zugesprochen und gesagt: „Empfangt den Heiligen Geist.“

Der Zuspruch des Friedens und des Heiligen Geistes fänden sich bis heute in der Firmung wieder. Bode ging weiter auf die Elemente des Sakramentes ein: Die Salbung sei Zeichen der Weitergabe des Heiligen Geistes. Mit der Firmung verbunden sei immer auch die Sendung in die Welt. „Immer müssen wir irgendwann aus der Kirche raus. In den Alltag. Zu den Menschen.“

Niemand könne eine Beziehung zu Gott pflegen „und für die Menschen nicht da sein“.

Bode ermunterte die Jugendlichen, ihre Gaben und Fähigkeiten in der Welt einzusetzen. Dafür stärke sie die Firmung – heute nicht mit Feuer, Sturm oder Hauch, sondern mit dem Auflegen einer Hand: Auch in der Berührung werde der Heilige Geist weitergegeben.

Der Bischof sprach den Jugendlichen die sieben Gaben des Heiligen Geistes zu: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Bode erläuterte die Gaben so anschaulich, dass ihnen kein Stäubchen Verstaubtes anhaftete.

Mit diesen Gaben entstünden Zellen des Friedens – so wie damals am Osterabend, als Jesus seinen Jüngern den Frieden zugesprochen habe. „Wie sehr brauchen wir heute diese Zellen des Friedens! Diese Zellen können wirksam sein für euer ganzes Leben. Was heute nur als Saatkorn da ist, wird entfaltet für euer Leben, unsere Kirche und unsere Gesellschaft.“

Sieben Firmlinge sprachen die Fürbitten – für ihren eigenen Einsatz in der Welt und in der Kirche, für die Hilfebedürftigen, für unsere Pfarreiengemeinschaft und für die Verstorbenen.

Dann kam der große Augenblick. Die Jugendlichen erneuerten laut und kraftvoll das Taufbekenntnis. Sie stellten sich im Halbrund vor den Bischof. Er trat vor jede und jeden einzeln, nannte sie bei ihren Namen, salbte ihnen mit Chrisam ein Kreuzzeichen auf die Stirn und rief den Heiligen Geist auf sie herab. „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ „Amen“, antworteten die Jugendlichen. Die Firmpaten legten als Zeichen der Unterstützung ihre rechte Hand auf die rechte Schulter ihrer Schützlinge.

„Der Friede sei mit dir“, fuhr Franz-Josef Bode fort. „Und mit deinem Geiste“, antwortete jeder Firmling.

Und so wie die Jugendlichen vorn im Halbrund ruhig, wach, gesammelt und vereint standen, war sie durch die alte und immer wieder neue Handlung deutlich spürbar: die Zelle des Friedens, von der der Bischof gepredigt hatte.

Die Firmlinge waren gerade in ihre Bank zurückgekehrt, da begann Kyra Watermann für sie mit starker Stimme zu singen: „Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht…“ Die Stimme füllte das Gotteshaus, öffnete weiter die Herzen – und mindestens bei M. den Tränenfluss. Sie sagte später: „Da waren die Jugendlichen, die wir so lange und intensiv begleitet hatten, am Ziel. Und wir mit ihnen. Und dann kam Kyras Lied…“

Die Eucharistiefeier schloss sich würdig an.

Am Ende gab es viele Dank- und Glückwunschadressen: von Steffi an Kyra, die an diesem Tag Geburtstag feierte, von Beate an den Bischof, an die Firmlinge und sehr herzlich an die evangelisch-lutherische Gemeinde, die ihre Lamberti-Kirche zur Verfügung gestellt hatte, sodann vom Bischof an alle, die die Firmlinge und die Feierlichkeiten vorbereitet hatten, also an die Katecheten, den KJO-Chor, die vielen Ehrenamtlichen und die Hauptamtlichen.

Er nannte besonders Pfarrer Johannes  Ehrenbrink, der am Montag seinen 65. Geburtstag feiert. Der Pfarrer und er seien vom selben Jahrgang. „Ein guter Jahrgang“, flachste Bode. Dann sagte er mit Anerkennung zu Johannes: „Wenn alle Priester in dieser Weise Priester wären, würden wir es in der Kirche leichter haben.“

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Katechetin Maria Dellwisch verteilt nach dem Gottesdienst Rosen und Firmbriefe…

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…ebenso wie Ulrike Schär und (verdeckt) Steffi Holle.

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Nach dem Gottesdienst: Die gefirmten Jugendlichen mit Katechetinnen und Katecheten sowie Bischof Franz-Josef Bode.

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Die Katechetinnen und Katecheten freuten sich sehr mit den Firmlingen: v.l. Ulrike Schär, Maria Dellwisch, Dennis Pahl, Steffi Holle, ausweislich des Fotos wie immer eine echte Stütze für Pfarrer Johannes Ehrenbrink, Kyra Watermann und Markus Husen. Nicht dabei sein konnten Pastor Carl Borromäus Hack, Patrick Blaes, Frank Buchholz, Simone Granitzka und Juliana Neves Grego Soares. Fotos: Delia Evers

Ein munterer Empfang mit gut organisierter Bedienung im Gemeindehaus schloss sich an, ehe die Firmlinge in ihren Familien weiterfeierten. Ganz sicher haben sie sich alle an diesem besonderen Tag wenigstens ein bisschen in der Zelle des Friedens heimisch gefühlt.

Vielleicht sind es ja die frisch inspirierten jungen Leute, die den Zellwänden in ihrem Umfeld Standfestigkeit geben. Zuzutrauen ist es ihnen unbedingt.

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Nach der Firmfeier in der Auricher Innenstadt auf dem Weg zu Pfarrhaus und Parkplätzen: Bischof Franz-Josef Bode, Maria Dellwisch, Steffi Holle, Ulrike Schär, Pfarrer Johannes Ehrenbrink und Kyra Watermann mit Geburtstagsblumenstrauß.

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