Funke, Johannes † | Kinderfreund und Helfer im Ehrenamt

Multitalent in St. Ludgerus Aurich | * 1945   † 2016

1-JF-KopfAm Freitag, 4.11.2016, starb Johannes Funke nach einem bewegten Leben.

Über dieses Leben hatte er im August 2015 – vor seinem 70. Geburtstag – berichtet. Damals war er seit über 40 Jahren Wahl-Auricher und Mitglied in St. Ludgerus gewesen.

Viele Gemeindemitglieder kannten Funkes Gesicht und Stimme aus dem Kirchenchor. Weitere Talente entfaltete er eher in der Stille.

Johannes wurde als achtes von zehn Kindern der Eheleute Angelika und Johann Funke im emsländischen Lorup geboren. Seine Welt war der elterliche Hof. „Er hat mich geprägt. Wir mussten früh helfen.“ Maschinen gab es kaum. „Fast alles wurde von Hand gemacht.“

Johannes versuchte sich im Interview vorzustellen, wie er seine Mutter zeichnen würde: „Mit Futterschürze und schweren Eimern an den Händen, unterwegs mit leicht schleifendem Gang.“ So schlurfte sie zu den Schweinetrögen.

Er konnte nicht begreifen, wie sie ihre Arbeit mit zehn Kindern, mit Kochen, Küche, Wäsche und Schweinen schaffte. Zudem gab es Pferde, Kühe, Schafe und Hühner. „Wir waren Selbstversorger.“

Die Mutter war fromm. Täglich ging sie in die Frühmesse. Der Vater ging nur sonntags. Das Kind nahm ihn als älteren Herrn wahr, der unter Asthma litt und die schwere Arbeit mit den Pferden längst nicht mehr schaffte.

Der Vater mästete Ferkel und züchtete Kartoffeln. „Ich ging mit Papa über die Felder und zog die kranken Pflanzen heraus.“

Bezugsperson für Johannes war Hedwig. Sie war im September 1945 mit dem ersten Flüchtlingstreck, der durch das Dorf gezogen war, auf den Hof gekommen.

„Mama hat sie aufgenommen. Hedwig war schon älter und hat mich erzogen. Ich war offenbar ein ganz ruhiges Kind.“

Gern saß er auf der Bank hinter’m wärmenden Stangenofen. Wenn ihm jemand sagte: „Jan, bliev sitten“, blieb er stundenlang sitzen, bis er gerufen wurde.

Johannes ging mit fünf Jahren zur Volksschule. Er war ein kränkliches Kind, litt oft unter Kiefern- und Stirnhöhlenvereiterungen und „logierte“ dann als kleiner Patient im Papenburger Krankenhaus. Früh ging er zur ersten Heiligen Kommunion und wurde Messdiener.

Wenn er bei Beerdigungen ministrierte, hatte er schulfrei. Er sah in den Dielen der Trauerhäuser die aufgebahrten Toten in ihren offenen Särgen, erlebte die Trauernden mit ihren verweinten Gesichtern und hörte in den Beerdigungsämtern von Strenge, Richterstuhl und ewiger Verdammnis.

Er verstand nicht, was das für ein Gott war, der sich für all das unsägliche Leid auch noch feiern ließ.

So ministrierte er in Messen, die einem Herrn dienten, den er nicht begriff. Er hatte niemanden, mit dem er über seine verwirrenden Erfahrungen sprechen konnte. „Die Leichen haben mich verfolgt.“ Nachts hatte er Angst, sie könnten zu ihm kommen.

„Mein Gottesbild wurde über diese Erlebnisse geprägt. Ich habe diesen Gott nicht lieben können.“

Ein Kaplan wendete das Blatt mit einem einzigen Satz. Er sagte: „Jesus ist nicht mit geballten Fäusten am Kreuz gestorben, sondern mit ausgebreiteten Armen.“

Johannes lernte den Glauben von einer ganz anderen Seite kennen – von der gütigen und barmherzigen. „Das hat mich unheimlich beschäftigt.“

Die Rituale, nach denen er zu beten und spätestens alle 14 Tage zu beichten hatte, blieben ihm nun erst recht fremd. „Ich musste beichten, auch wenn ich nichts zu beichten hatte.“ Das war nicht befreiend; es engte ihn ein.

1-SilberneHochzeitDie zehn Funke-Geschwister und ihre Eltern bei der Silberhochzeit. Johannes ist der Dritte von rechts.

Nach der Volksschulzeit besuchte er für anderthalb Jahre die landwirtschaftliche Berufsschule in Lorup; er wollte eine Ausbildung zum Landmaschinentechniker machen, erkrankte oft und saß ohne Ausbildung zu Hause.

Da besuchten zwei Franziskaner-Patres Lorup und zeigten einen Film über ihre Arbeit. Längst hatte Johannes über den Heiligen Franz einiges gelesen und konnte sich vorstellen, nach seinem Vorbild zu leben.

Mit 16 Jahren – 1961 – trat er ins Kloster Bardel ein, eine Niederlassung der Franziskaner in der Bauernschaft Bardel nahe Bad Bentheim. Ein halbes Jahr später wurde er eingekleidet.

Bardel war ein Missionskloster von der nordostbrasilianischen Franziskanerprovinz des Hl. Antonius. Der junge Laienbruder, jetzt nicht mehr Johannes Funke, sondern Antonius gerufen, wollte in die Mission nach Brasilien.

Als die Franziskaner in Mettingen in NRW ein Weiterbildungskolleg für Erwachsene eröffneten, die über den zweiten Bildungsweg die Reifeprüfung schaffen wollten, wechselte er dorthin mit dem Ziel, Priester zu werden. Er war einer der ersten Schüler.

1970 legte er seine Reifeprüfung ab und wollte in Brasilien Philosophie und Theologie studieren. Portugiesisch-Unterricht hatte er bereits bekommen. Doch wieder wurde er krank. Eine Trigeminusneuralgie mit heftigsten Schmerzen im Gesicht brachte ihn in eine neurologische Klinik.

Hier fand er Gesprächspartner und wurde mit einer harten „Diagnose“ konfrontiert: Mitursächlich für seine Krankheit seien seine Lebenserfahrung und seine Lebensplanung. Die dringende Empfehlung, ausgesprochen in Gegenwart der Ordensleitung: erst einmal raus aus dem viel zu früh begonnenen Klosterleben und mitten hinein in ein selbstbestimmtes Eigen-Leben.

Johannes spürte, was er verlieren würde. Die Kloster-Brüder bedeuteten ihm viel.

Die immer schwer mit Arbeit belasteten Eltern hatten ihm kaum Wärme und körperliche Nähe geben können. Die Franziskaner hingegen hatten sich an Heiligabend umarmt und auf diese schlichte Art gesagt: „Wir haben dich gern.“ Als Johannes das zum ersten Mal erlebt hatte, „bin ich rausgegangen und habe geheult.“

Wieder hatte er das Bild seiner Mutter vor Augen: die Frau mit den schweren Eimern an den Händen. So konnte man niemanden umarmen.

Johannes fühlte sich ausgebrannt und orientierungslos. Er fügte sich widerwillig und sattelte um auf ein Pädagogik-Studium in Osnabrück. Sein Hauptfach: Religion.

Schnell engagierte er sich für andere, wirkte im AStA mit und war über mehrere Jahre Vorsitzender der Katholischen Studentengemeinde. Er fand das Leben mit einem Mal schön.

Bei einer Romreise stand er im Kolosseum neben einer jungen Frau aus seiner Gruppe. Seite an Seite schauten sie hinunter in das architektonische Meisterwerk.

Als es zu regnen begann, legte er ihr behutsam seine Jacke um. Die Frau hieß Elisabeth. Sie wurde die Frau seines Lebens. Die beiden verlobten sich 1972. 1973 heirateten sie.

1-JF-KolosseumJohannes und Elisabeth Jahrzehnte nach dem ersten gemeinsamen Regen wieder im Kolosseum.

Auch beruflich fasste er Fuß. Die Arbeit mit Kindern lag ihm. Es war die Zeit der Bildungsreformer. Sie forderten Gesamtschulen. Kinder unterschiedlichster Bildungsschichten sollten miteinander lernen. „Dieser Schultyp hat mich sehr interessiert, ich hatte mich während des Studiums intensiv mit der Thematik befasst, aber ich war skeptisch.“

Er erfuhr, dass der niedersächsische Kultusminister 1970 eine „Integrierte Gesamtschule Aurich-West“ (IGS) genehmigt und der Unterricht 1972 begonnen hatte. 1973 fuhr Funke von Osnabrück nach Aurich, bewarb sich mit den Fächern Religion und Biologie auf eine Lehrerstelle an der IGS und bekam sie.

Er arbeitete in der Rahmenrichtlinienkommission des Kultusministeriums in Hannover mit, die dem neuen Schulsystem inhaltliche Kraft verpassen sollte, und tauchte immer tiefer in die Materie ein.

Johannes wollte eigentlich nur zwei Jahre in Aurich bleiben, bis er, der IGS-Skeptiker, sich bewiesen hätte, dass die Gesamtschule ein Irrweg war.

Er belehrte sich eines Besseren und freute sich an dem angenehmen Lernklima, an den „Hausarbeiten“, die Schüler hier ungestört leisten konnten, und an der Hilfe, die die Mädchen und Jungen sich gegenseitig zukommen ließen.

„Es gab wunderbare Momente!“ Er erinnert sich an einen Schüler, der unter einer Lese- und Rechtschreibstörung litt. In einem Gymnasium hätte er nie die Chance gehabt, „Karriere“ zu machen. Dabei brillierte er in naturwissenschaftlichen Fächern und holte die Punkte, die er in anderen Fächern nicht schaffen konnte. Heute arbeitet er in einem akademischen Beruf. Johannes kannte viele solcher Erfolgsgeschichten.

Mit den Jahren hatten Johannes und Elisabeth Kinder nicht nur in IGS und Gesundheitsamt, sondern auch in der eigenen Familie. 1978 kam Christian zur Welt, 1980 Florian und 1985 Sebastian.

1-JF-BeideElisabeth und Johannes 2015 in ihrem Garten an der Tilsiter Straße in Aurich.

Das band sie noch stärker an die St.-Ludgerus-Gemeinde. Kontakt hatten Johannes und Elisabeth früh über einen Schwippschwager geknüpft: den Pastor und Religionspädagogen Heinrich Munk, der mit seinen Amtsbrüdern Hubert Heinelt, Norbert Krümel und Peter Jonen für Aurich, Esens, Oldersum und Spiekeroog den „Konvent Ostfriesland“ im heutigen Schwesternhaus ausgerufen hatte.

1974 gründete Johannes Funke, der schon immer musiziert hatte, die Kinderschola (dabei kam ihm die Sangeskunst zu Gute, die er und Elisabeth im Kirchenchor entfalteten).

Die Kinder trafen sich an jedem Montagnachmittag in dem – heute längst abgerissenen gelben – Bau neben der Kirche. Im Winter bibberten die Stimmen. Es war eiskalt. Im Haus gab es keine Heizung.

Über Jahre gab Johannes für die Schola auf seinem Keyboard den Frontmann und anschließend den Chauffeur, wenn Kinder nicht nach Hause kamen.

Sie freuten sich an gemeinsamen Festen, Ausflügen und an den selbst gesungenen Krippenfeiern an Heiligabend made by Johannes.

1-JF-KindertreffJohannes bei einem Kindertreff ca. 1990 mit Gemeindereferentin Marlies Prütz.

Die roten Mappen mit „jungem“ Liedgut, die noch heute bei besonderen Gottesdiensten in den Kirchenbänken zum Mitsingen ermuntern, gehen auf diese Schola-Zeit zurück. Johannes hat sie angelegt und immer mal wieder um neue Melodien bereichert (nach über 30 Jahren gab er die Leitung der Schola 2007 an ein junges Team ab).

Er begleitete zeitweise die Jugendband der Gemeinde; und er studierte mit den Kindern der Kinderschola und Schülern verschiedener Schulen vielbeachtete Musicals ein.

1-JF-Musical -Engel2005Musicalaufführung 2005: „Die Engel“.

1-JF-Musikal 2009Musicalaufführung 2009: „Longing for Paradise“.

Die Arbeit wurde zum Grundstein für die „Familie Gassenhauer“, eine Theaterprojektgruppe unter Leitung von Isburga Dietrich und Dr. Elke Warmuth für Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf in der sozialen und emotionalen Entwicklung.

Für solche Stücke schlüpfte er gern selbst auf der Bühne in eine Rolle und begeisterte noch 2015 im geringelten Ganzkörperbadeanzug einige Hundertschaften an Publikum mit ebenso sparsamer wie köstlicher Komik.

Ab 1974 – mit Ausnahme einer einzigen Periode – arbeitete Johannes bis zur Wahl 2014 im Kirchenvorstand und verantwortete im Bauausschuss u.a. Vorhaben wie das neue Pfarrhaus und das Bonihaus mit. Die Vorgänger-Gebäude waren regelrecht abgängig gewesen, besonders das gelbe Haus ohne Heizung.

Für die Neubauten entwickelte Johannes ganz eigene Vorstellungen: Er hatte gesehen, dass viele Gläubige nach den Gottesdiensten gern auf dem Kirchhof verweilten, plauderten – und bei Regen das Weite suchten. Darum wollte er das neue Gemeindehaus direkt an die Kirche anbinden.

Dann hätten die Gläubigen trockenen Fußes mit dem Schlusssegen zur Kaffeetafel wechseln können (und die Kinderkirche hätte es heute nicht weit).

Johannes baute sogar ein Modell, doch der Denkmalschutz und die Baumuster in den entscheidenden Köpfen hatten die höhere Zugkraft.

1-JF-ComputerkursJohannes gab für die Seniorengemeinschaft Lange-Aktiv-Bleiben Computerkurse.

Auch in anderen Bereichen ließen Elisabeth und Johannes sich einspannen. Über Pfarrer Hubert Heinelt kamen sie in Kontakt mit den Anonymen Alkoholikern und mit psychisch kranken Menschen, die Hilfe brauchten, um ihr Leben zu meistern.

Als Beauftragter des Sozialamtes übernahm Johannes Verantwortung für fremde Menschen, kümmerte sich um Finanzen, Versicherungen und einen Neubau für eine Familie, die in einer baufälligen Oberwohnung hauste; schon damals packten weitere Gemeindemitglieder tatkräftig an.

Johannes übernahm Vormundschaften für Kinder, sicherte ihr Wohl und schenkte ihnen zwei weit offene Ohren für Gespräche und zwei beherzt zudrückende Arme für die Wärme.

Als eine Frau mit drei Kindern keine Bleibe fand, nahmen Elisabeth und Johannes sie für zwei Jahre im eigenen Haus auf.

Ein Kapitel für sich waren seine Verbindungen nach Polen. 1982 – Johannes war Fachberater für katholischen Religionsunterricht und viel in Ostfriesland unterwegs – erfuhr er von einer Initiative des Schulvereins Rhauderfehn: Sie brachte Hilfstransporte in den Osten auf den Weg. Fortan fuhr er streckenweise selbst den Laster, den Willi Ihnen zur Verfügung gestellt hatte, und machte nur gute Erfahrungen, während Elisabeth – damals noch ohne Handy – mit angespannten Nerven auf ein Lebenszeichen ihres Gatten wartete.

Die miserabel ausgebauten Pisten in Polen provozierten immer wieder Pannen. Einmal wurde der Transport von einem Polizisten angehalten. Er ließ sich die Papiere von Johannes zeigen und sagte dann: „Herr Funke, ein Auge ist krank.“

Bald war die Birne im Scheinwerfer ausgetauscht. Der Transport konnte weitergehen. Oft waren bei den Pannen Polen als Helfer zur Stelle. Sie wollten als Dankeschön kein Geld, allenfalls ein Pfund Kaffee. Bis 1990 fuhr Johannes zweimal im Jahr die Tour.

1-JF-OpaOpa und Enkeltochter auf dem Chiemsee.

1998 führte er einen Schüleraustausch mit einer polnischen Schule weiter, den ein Kollege begonnen hatte. Es ging ins polnische Starachowice, in die Woiwodschaft Heiligkreuz. Sie übernachteten eine Woche bei Schülereltern und besuchten dann eine Woche z.B. die Hohe Tatra.

Johannes zeigte den Schülern immer eines der Vernichtungslager. Wer sie selbst sehe, begreife unmittelbar, was Auschwitz bedeute. Immer kehrten die Jugendlichen gereifter nach Hause zurück. 2008 machte Johannes seinen letzten Austausch. 2009 ging er in Pension.

Ab 2012 arbeitete er im Litauenausschuss mit. Mehrfach ist er die Mammuttour ins 1500 Kilometer entfernte Kaunas  gefahren. Ab 2013 war er Mitglied bei den Maltesern, die im Litauenausschuss besonders engagiert sind.

Er selbst wollte noch etwas Bewegendes lernen. 2010 (und 2012) machte er sich vom Scheitelpunkt der Pyrenäen aus per Pedes allein auf den Weg nach Santiago de Compostela und übernahm sich am ersten Tag mit einer viel zu langen Etappe.

Das Schmerzpillen-Geschenk eines Italieners bewahrte ihn vor einem vorzeitigen Abbruch seiner Pilgerreise.

1-JF-PilgerwegAuf dem Jakobsweg.

Johannes erfuhr in der folgenden Zeit das Gefühl absoluter Freiheit. Es gab nichts anderes zu tun als im eigenen Rhythmus zu laufen. Da war keine Verpflichtung, keine Erwartung, kein Stress, kein Telefon. Das Denken verlor die Oberhand.

Er glitt in einen Zustand, den er selbst bei den Meditationen im Kloster Bardel nicht erfahren hatte. „Das war reines Dasein.“ Er machte sich keine Sorgen, wo er essen oder schlafen könnte oder was der nächste Tag bringen würde.

Das Evangelium von den Vögeln des Himmels, die nicht säen und nicht ernten und doch satt werden, erfuhr er am eigenen Leib.

„Ich fühlte tiefe Dankbarkeit. All das Schöne um mich her war erschaffen. Und ich dachte: ‚Das ist alles für dich gemacht.‘ So verbunden fühlte ich mich.“

Alles schien gut, da erhielt er Ende April 2013 eine Diagnose, eröffnet von einem Arzt im Staccato: „Sie haben Prostatakrebs. Inoperabel. Metastasen in den Knochen. Auch im angrenzenden Gewebe.“ Und dann der Hammer. „Ich kann Ihnen keine Hoffnung machen.“

Am Sonntag danach traf er auf dem Kirchhof einen Bekannten, der eine ähnliche Diagnose erhalten hatte: Krebs. Inoperabel. Keine Hoffnung. Sie lagen sich in den Armen. Es war nichts zu sagen. Sie wussten um ihre Gefühle.

Johannes bat „den Herrgott, er möge mir noch zwei Jahre geben.“ Es wurden über dreieinhalb Jahre. Johannes sagte einmal: „Ich genieße alles viel intensiver als früher.“

Onkologische Medikation und Körper-Werte ließen ihn in Habachtstellung sein; gleichwohl empfand er jeden Tag als ein Geschenk. Die kleinen und großen Ärgernisse des Alltags hatten ihre Rolle eingebüßt. Sie hatten in einem Leben, das im April 2013 für die nahe Zukunft totgesagt worden war, keinen Sinn.

Ein bisschen war es wie auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Johannes lief ganz im eigenen Rhythmus. Die Geschenke zählten: die Verbundenheit mit Gott und der Welt, in der er seinen Platz gefunden hatte, seine Familie, Elisabeth, die Kinder und die Kindeskinder, oder auch der Litauenabend, den er ganz hingegeben an den Moment mit seiner Quetschkommode für alle in einen Freundschaftsabend verwandelte.

Dann genoss er dankbar den Augenblick.

Wie die Vögel im Himmel.

Text und Fotos (2): Delia Evers; übrige Fotos: Privatarchiv Funke

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