Gaumenschmaus in der Krüderee

25 Klüngeltüngels zog es bei schönem Wetter nach Middels, um hier die alte Kirche und die Krüderee zu besuchen. Helga Flade-Peters erwartete die Gäste vor ihrer Krüderee und hatte viel Wissenswertes parat.

Zunächst begleitete sie die Schar aus Aurich zu einer Führung in die evangelisch-lutherische Kirche, die Anfang des 13. Jahrhunderts vollständig aus Granitquadern errichtet worden ist. Sie war Ersatz für einen hölzernen Vorgängerbau, errichtet auf einem vorchristlichen Gräberfeld.

Die Steine stammen von Granitfindlingen aus der Eiszeit, die in mühseliger Arbeit zu Quadersteinen geformt wurden. Die Mauerstärke beträgt 1,5 Meter. Der Glockenturm aus Backstein stammt aus dem 14. Jahrhundert und steht einige Meter versetzt vom Kirchengebäude.

Da staunten die Klüngeltüngels: Die Steine an der Nordseite stammen von Granitfindlingen aus der Eiszeit.

Die Nordseite des Gotteshauses ist noch vollständig als Granitfassade erhalten, während an der Südseite im Zuge einer Renovierung teilweise Backsteinmauerwerk eingefügt wurde. Ursprünglich gab es zwei Eingänge, einen für Frauen und einen für Männer.

Das alte Rundbogen-Portal in der Südmauer ist heute zugemauert. Stattdessen wurde 1935 ein zentraler Westeingang durch einen kleinen Vorbau geschaffen und die gesamte Westseite neu verklinkert.

Spannende Informationen gab Helga Flade-Peters (Bildmitte) weiter.

Beim Eintreten in die Kirche fällt auf, dass das Innere ausgesprochen schlicht gehalten ist. Der Blick geht zum Altarraum, dessen Merkmal eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert ist. Sie wurde 1985 in den ursprünglichen Farben restauriert und fand auf einem Balken im Triumpfbogen ihren alten Standort wieder.

Die Orgel wurde von 1784 bis 1786 von Orgelbauer Hinrich Just Müller aus Wittmund erbaut und in den 1980er-Jahren von der Orgelbaufirma Alfred Führer restauriert.

Wie Helga Flade-Peters in launiger Weise erzählte, waren die Middelser damals finanziell nicht gut gestellt und wollten die Orgel günstig haben. So schlug Hinrich Just Müller vor, den Einbau des hohen Cis weg zu lassen. Diese Besonderheit führt dazu, dass ein Zusammenspiel mit einigen anderen Instrumenten, z. B. der Posaune, erst möglich ist, wenn die Melodie umgeschrieben wird. Und sie führt dazu, dass Musikstudenten herkommen, um genau das zu üben.

An dieser Königin der Instrumente fehlt eine Orgelpfeife.

Von hoher künstlerischer Bedeutung ist der frühgotische Taufstein aus dem 13. Jahrhundert, der im deutschen Küstengebiet für diesen Zeitraum nur wenige Entsprechungen hat und sich durch seine sehr plastisch dargestellten biblischen Szenen auszeichnet: die Taufe Christi, die Kreuzigung, die sogenannte Höllenfahrt und die Auferstehung.

Eindrucksvoller Taufstein aus dem 13. Jahrhundert.

Die einzelnen Szenen aus der Lebensgeschichte Jesu werden nicht durch Arkaden unterteilt und vermitteln den Eindruck eines Gesamtbildes.

Den oberen Rand des Taufsteins bildet ein Rankenfries, der im Wechsel Vögel (Sinnbild der Seele) und menschliche Köpfe zeigt.

Zum Abschluss des Kirchenbesuchs ließen es sich die Klüngeltüngels natürlich nicht nehmen, noch zwei Lieder zu singen, bevor sie zurück zur Krüderee gingen, einen ostfriesischen Aroma- und Kräutergarten.

Der Eindruck täuscht: Auch wenn die Klüngeltüngels während ihrer Ausflüge immer mal wieder gern singen, haben sie noch keinen eigenen Chor gebildet.

Die Krüderee ist eine ausgedehnte Garten-Erlebnis- und Gesundheitsanlage, die alle Sinne anspricht. Hier wachsen und gedeihen an die 300 Heil-, Gewürz- und Aromakräuter, von Apfelminze bis Zinnkraut, darunter verbreitete Arten wie Baldrian, Salbei und Lavendel, aber auch zum Beispiel Alant, Knopfkraut, Odermennig, Wegwarte und Ysop, die vielen kaum bekannt sind. Wildwachsendes hat ebenso seinen Stellenwert wie das Angepflanzte.

Hier konnten sich die Klüngeltüngels nach eigenem Interesse ausgiebig umschauen, bevor es den ersehnten Kaffee oder Tee zur kleinen Stärkung gab.

Überall grünte und blühte es in der Krüderee.

An allen Ecken und Enden gab es Duftiges zu entdecken.

Die vielen, alten Apfelsorten hatten es den Gästen besonders angetan.

Diese Äpfel haben intensiven Himbeergeschmack.

Margret entdeckte blaue Trauben, gerade pflückfertig. Ob Margret genascht hat, ist nicht überliefert.

Das Beste aber kam zum Schluss: Bestellt war für alle eine „Kräuter-Vesper“ – und das war eine richtig gute Sache! Helga Flade-Peters hatte mit ihrem Team viele verschiedene Brotsorten gebacken, sehr leckere Dips und Snacks vorbereitet, dazu Wurst und Käse, die ja unbedingt zur Vesper dazu gehören, und noch etliche andere verlockende Speisen. Sie erklärte die verschiedenen Zutaten, zum Teil wurden auch „alte“ Samen verwendet, die man heute kaum noch kennt, die aber z. B. gut für die Gelenke oder die Verdauung sind.

Selbst gebackenes Brot vom Allerfeinsten. Und das Schöne: Sobald die Schnitten weggegangen waren wie warme Semmeln, kam flugs neues Brot aufs Tischlein-deck-dich.

Ein Buffet ganz nach dem Geschmack der Klüngeltüngels.

Hildegard, die einmal mehr einen tollen Ausflug organisiert hatte, bedankte sich herzlich bei Gastgeberin Helga Flade-Peters.

Kräftig langten alle zu, es war einfach zu lecker! Der Dank an Helga Flade-Peters fiel entsprechend herzlich aus. Nur der Versuch, einige Rezepte zu bekommen, hatte (verständlicherweise) keinen Erfolg.

Es war ein gelungener Nachmittag, angefüllt mit Interessantem, Leckerem und vor allem mit vielen Gesprächen und Gedankaustausch.

Text: Hildegard Lüken
Fotos: Delia Evers

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