Gremien in Neuauwiewitt hatten Kirche im Visier

Klausurtagung über Zukunftsentwicklung | Von Delia Evers

2016-10-22-gremientreffen1_1Knapp 40 Mitglieder aus den Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten von Neuauwiewitt berieten über neue Zukunftswege für die Kirche vor Ort – mit einem überraschenden Ergebnis.

Einen ganzen Tag lang arbeiteten sie im Auricher Europahaus – angeleitet durch den Fachmann für Gremienarbeit Stefan Bange. Am Ende sprachen sie sich gegen neu einzurichtetende Gemeindeteams aus.

In anderen Gemeinden sind mit Bistums-Begleitung solche Gemeindeteams entstanden. Sie unterstützen die örtlichen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte bei inhaltlichen Fragen zu Liturgie, Sozialarbeit, Spiritualität und Zukunftsentwicklung.

Stefan Bange erläuterte sein Programm, rechts im Bild "Gremienneuling" Daniel Gauda.

Stefan Bange erläuterte sein Programm, rechts im Bild „Gremienneuling“ Daniel Gauda.

Diese qualifizierte Unterfütterung soll Ehrenamtliche und Hauptamtliche vor Ort in Zeiten wachsenden Priestermangels entlasten und breit getragene Verantwortung – auch nach den 2010 öffentlich gewordenen Missbrauchsfällen – fördern.

Den vielleicht wichtigsten Gedanken formulierte der Pastoralreferent und Mitarbeiter im bischöflichen Seelsorgeamt für Gemeindeunterstützung und Gremienarbeit Stefan Bange so: „Durch die Taufe haben alle Christen Teil am priesterlichen … Dienst Christi. Deshalb sind auch alle Getauften prinzipiell Träger von Gemeindeentwicklungsprozessen.“

Auf den Punkt gebracht: Wir alle dürfen und sollen uns verantwortlich an der Gemeindearbeit beteiligen.

Können die genannten Gemeindeteams dabei in Neuauwiewitt eine Bereicherung sein? Das wollten die Unseren klären.

Stefan Bange fing die Sache grundsätzlich an.

Wenn Veränderung zur Diskussion gestellt werde, müsse klar sein: Wie sieht das, was verändert werden könne, heute aus. Auf den Punkt gebracht: Wie erleben die Gremienmitglieder Kirche vor Ort.

Sie nahmen sich Zeit, um ihr Bild von Kirche zu formulieren. Danach ist Kirche ist wie eine große Glaubensfamilie, die jeden in Liebe mitträgt und erträgt und in der einer für alle und alle für einen einstehen. Ihr Sammlungs- und Sendungsort ist die Eucharistie. Kirche ist Heimat und Geborgenheit und ein Stück normale Welt; sie befindet sich im Prozess. Zu ihm gehört Auseinandersetzung.

Ihre Gedanken hielten die Gremienmitglieder auf Zetteln fest.

Ihre Gedanken hielten die Gremienmitglieder auf Zetteln fest.

Mit diesen Beschreibungen im Hinterkopf und auf Zetteln machten sich die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in drei Arbeitsgruppen an die Aufgabe, mit knappen Worten eine gemeinsame Vision für unsere Kirche vor Ort zu entwickeln.

Tiefgehende Gespräche machten die Runde. Keiner der vielen Beiträge in den munter beratenden Gruppen wurde bewertet oder verurteilt. Raum blieb auch für persönliche Glaubensbekenntnisse und Glaubenszweifel – bis am Ende in den drei Gruppen eine knappe Vision formuliert war (siehe Foto).

Auf rosafarbenen Blättern hielten die drei Gruppen ihre Visionen fest.

Auf rosafarbenen Blättern notierten die drei Gruppen ihre Visionen.

Verdiente Kaffee- und Teepause.

Verdiente Kaffee- und Teepause.

Der gemeinsame Nenner: Kirche trägt die Liebe Gottes durch konkretes Handeln und spirituell gestärkt in die Welt.

Stefan Bange hakte nach. Reichen die jetzigen Möglichkeiten in unseren Gemeinden aus? Gibt es genug Beteiligung, um die Vision anzugehen?

Die Gremienmitglieder trugen eine Fülle von Begriffen rund um das Thema Beteiligung zusammen. Sie staunten, was in unserer Pfarreiengemeinschaft bereits läuft.

Vieles von dem, was andernorts Gemeindeteams erarbeiten sollen, ist in Neuauwiewitt längst bewährte Praxis.

So bereichert der liturgiebegleitende Ausschuss die Liturgie.

Sozialarbeit wird über den Anpackerkreis und die beispielhaft gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Pastoral geleistet.

Defizite sahen die Gremien Samstag im Bereich Spiritualität. Hier möchten sie auf gute Ansätze wie die Reihe „Glaube im Gespräch“ aufbauen.

Auch das Thema Zukunftsentwicklung nehmen sie ernst (sonst hätten sie Samstag kaum getagt).

Kurzum: Die Gremien sahen keine Notwendigkeit, Gemeindeteams einzurichten. Sie wären ohnehin trotz ihrer „überörtlichen“ Themen nicht für die ganze Pfarreiengemeinschaft gedacht gewesen, sondern – wie in hier überwundenen Zeiten – einzeln für jede der vier Gemeinden.

Keine Gemeindeteams also!

Dann ist bei uns schon alles gut?

Nicht ganz. Neuauwiewitt bleibt im Prozess. Sämtliche Kirchenmitglieder in den vier Gemeinden sind gefragt und gebeten, sich mit ihren Talenten einzubringen und an Kirche zu beteiligen. Sie müssen wirksam angesprochen werden.

Steffi Holle, die Stefan Bange am Ende sanft assistierend zur Seite stand, fasste zusammen, „dass wir jetzt in den Gremien einiges an Arbeit haben“.

Beate Eggers dankte Stefan Bange für seine Begleitung und schenkte ihm Gutes aus Neuauwiewitt.

Stefan Bange sagte: „Das war ein intensiver Tag. Ich habe die Gruppe als ganz offen erlebt.“ Er staunte ein bisschen: „Hier ist eine Herzlichkeit…! Das ist eine gute Basis, um Gemeindearbeit zu machen. Ich glaube, ihr seid auf einem guten Weg. Und die Punkte, die noch zu leisten sind, werdet ihr schaffen.“

Stefan Bange und Gremienmitglieder.

Stefan Bange und Gremienmitglieder.

Dieser Beitrag wurde unter Archiv abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.  Beitrag drucken. Beitrag drucken.