In Neuauwiewitt hat der Frieden eine Taube auf dem Kopf

Wie sieht der Frieden aus? In Neustadtgödens und Aurich hat er eine Taube auf dem Kopf und ein Peace-Zeichen auf der Backe. Er schmettert sogar Lieder, z.B. dies: „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude…“ Und sonst?

Der Frieden ist weiblich. Jedenfalls in unseren Gefilden. Sein Vorname? Isburga. Am Wochenende trat er persönlich auf…

Natürlich nicht allein, denn wenn der Ausschuss Mission, Entwicklung, Frieden wie am jüngsten Wochenende eine Heilige Messe gestaltet, spielen alle Mitglieder eine Rolle. Vor allem, wenn’s ein Karnevals-Gottesdienst wird (in dem kostümierte Kirchbesucher ausdrücklich erwünscht waren). So schlüpfte Isburga Dietrich Samstag und Sonntag unter die Friedenshaube, pardon: unter die Friedenstaube, Dr. Elke Warmuth verkörperte im Talar die Mission und Gertrud Schweer-Dust unterm Strohhut die Entwicklung.

Munterer Einzug von hinten in die Kirche. Das Engelchen mit Goldreif schwebte vorneweg.

Der Frieden (mit Gitarre) hatte als markantes Merkmal eine Taube hoch zu Häupten und sang immer wieder: „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude…“.

Wo so viel Gutes nah ist, bleibt das Böse nicht fern. Der Teufel mischte sich unter die Gäste. Ulrich Kötting brauchte nur einen rotgehörnten Kopfreif und seine schwarze Richterrobe, um den Finsterling zu geben. Marianne Kirsch-Tiffert mimte das erschrocken-schüchterne Engelchen, das so viel Wichtiges zu sagen hatte.

Vorm Altar war es fast so rüselig wie in Karnevalshochburgen – mit Strohhut und Mirkro: die Entwicklung, dahinter mit Rothörnchen der Teufel in Richterrobe und rechts die Mission im Talar.

Kaum war diese Mini-Abbildung der Welt-Gesellschaft singend von hinten in die Kirche eingezogen, trieb der Teufel schon sein böses Spiel. Der ewige Versucher störte sich an den gut gefüllten Bankreihen und säuselte der Gemeinde zu: „Hallo, Ihr Lieben, Ihr Großen der Gemeinde; wenn die da vorn einen auf Frieden mimen, lasst uns hier hinten erstmal spielen.“

Schon hatte er einen riesigen Ball zur Hand und lockte tückisch: „Schaut mal…, habt ihr Lust mitzumachen?“ Er warf den Ball unters Volk und ging hämisch grinsend zur Seite. Sollten die Menschen doch allein weitermachen… Er wusch seine Hände in Unschuld. Und das Volk machte. Es warf den Ball weiter. Er flog hoch. Er wurde weitergeboxt und weitergeschlagen. Von Bank zu Bank und von Mensch zu Mensch, auch der MEF machte mit.

Plötzlich rief das Engelchen entsetzt: „Was tut ihr da? Seht ihr nicht, womit ihr spielt? Ihr spielt mit der Welt! Ihr verbrennt euch die Finger. Stooopppp!“

Der Ball flog hoch durch den Gottesdienstraum.

Erschrockene Gesichter beim MEF und betretene Gesichter in der Gemeinde. Ja richtig, der Ball war ja die Weltkugel – und die Menschen spielten mit dieser Welt. Sie war zum Spielball geworden. Wie – das zeigten die gereimten Predigt-Dialoge über Macht und Missbrauch. Im Kölner Gürzenich hätten sie mit ihrer büttenreifen Balance zwischen tierischem Ernst und munterem Witz manchen Tusch erzeugt. Aber so ein Tätäää-tätäää-tätääääää kennt „der Ostfriese“ nicht.

Anlass zur Weltuntergangsstimmung? Der Ostfriese? Nein, nicht der Ostfriese, sondern der Zustand der Welt!

Er ist entschieden kein Anlass zur Weltuntergangsstimmung! Denn vieles ist gut. Da waren sich bis auf den Rotgehörnten alle einig. Vor Ort lässt sich eine Menge bewegen – für die Menschen hier genauso wie für Menschen in anderen Gegenden der Welt. Dazu braucht es viele Engagierte wie im Ausschuss MEF. Er setzt sich wie an diesem Wochenende genau dafür ein. Maria Dellwisch und Ida Fangmeyer trugen die MEF-Anliegen in die Gemeinde: mehr Mission durch Menschen mit Vision und Wissen um die Macht der Versuchung, mehr Entwicklung, mehr Frieden und mehr Gerechtigkeit.

In diese muntere Sonntagsgesellschaft hinein taufte Pfarrer Johannes Ehrenrbink in Aurich zwei neue Gemeindemitglieder – Felia und Ben. Sie können eine bessere Welt gut brauchen.

Einen kraftvollen Auftritt legte die Schola hin. Mit ihren Stimmen verschönern die Kinder immer wieder unsere Welt. Nicole und Carsten Ziems waren nicht nur am Wochenende ihr guter Rückhalt. Die Mädchen und Jungen waren hübsch verkleidet.

Und dann gab es noch ein paar ältere Semester, die sich zum Karnevalsgottesdienst in Schale geworfen hatten: Marlies mit Blümchen auf dem Kopf, Ulla mit ultraneonblauem Haar, Margret mit Riesendurchblick (ihren Vogel – siehe Perücke – hat sie immer dabei) und Horst, ein waschechter Ostfriese, der sich traute und seine Knolle erst zur Kommunion von der Nase nahm. In anderen Bänken saßen etwas verborgener weitere Schätze, z.B. J. – nicht J.E., sondern J.L.. Er hatte sich mit einem noblen „Blaumann“ umhüllt und in den Taschen alles dabei, was der Mensch braucht, um Frieden zu fördern: einen Zollstock für das rechte Maß und eine Schutzbrille für den rechten Blick.

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