Juliana Neves Grego Soares geht ihren Weg

Von Delia Evers | Im Juni 2016 erlebte Juliana Neves Grego Soares aus der Auricher St.-Ludgerus-Gemeinde die Sendung in ihren Freiwilligen Dienst im Ausland. Am Samstag, 30. Juli, flog sie Richtung Indien, um dort in einem katholisch geführten Kinderheim ihr Bestes zu geben.

Juliana hat kein bequemes Leben hinter sich. Im Februar 1997 wurde sie in Bremerhaven in eine Familie hineingeboren, die so bunt ist wie Julianas Leben und ihr Name. Die Mutter stammt aus Portugal, der Vater von den atlantischen Kapverden vor der westafrikanischen Küste. Ihre neun älteren Geschwister leben in Deutschland, in der Schweiz, in Schweden und England.

Juliana hat viele Brüche und Umbrüche erlebt und macht keinen Hehl daraus, dass sie ungute Erfahrungen hinter sich hat. Die Bahn, auf der sie zeitweise unterwegs war, hätte leicht ins Abseits führen können.

„Ich hatte Bock auf gar nichts“, sagt sie. „Ich war mit allem unzufrieden.“ 2013 war sie mit ihrer Mutter nach Aurich gezogen und wollte das Abitur machen. Sie bekam von mehreren Menschen, auch von eigenen Familienmitgliedern, signalisiert: „Das schaffst du sowieso nicht.“

„Alles fühlte sich falsch an.“ In dieser Situation landete sie in der Auricher St.-Ludgerus-Gemeinde in der Firmvorbereitung.

Sie war verblüfft, als sie spürte, dass es dort um sie und die anderen ganz persönlich ging. Fremde Menschen interessierten sich für sie und zeigten ohne Erwartung und Forderung ihre Zuneigung.

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Juliana nach der Sendungsfeier glücklich und beschwingt mit Dechant Johannes Ehrenbrink und Schwester Franziska.

Das war Juliana fremd. Erst dachte sie: „Was habe ich hier verloren?“ Dann spürte sie, wie ihr Kraft zuwuchs. „Ohne die Menschen um mich herum hätte ich meinen Weg nicht gehen können.“ Die Menschen… Dazu zählt Steffi Holle. Juliana sagt warm und mit lächelnd grimmiger Bewunderung: „Steffi hat mich geknackt.“

Juliana bekam in St. Ludgerus eine Menge Impulse zum Nachdenken. Sie beschäftigte sich mit ihrer Vergangenheit und ihren Lebensvorstellungen. Vor allem Steffi war und blieb ihre Anlaufstelle. „Ich musste mit jemandem reden. Es war leicht, mit Steffi zu reden.“ Juliana schildert Steffis gefühlvolle Anteilnahme, ihr kräftiges Knuddeln und ihre klaren Ansagen, wenn Tacheles geredet werden musste (Tacheles kann Steffi gut).

Juliana wusste die klaren Ansagen zu schätzen. Sie hat mit eigenen klaren Ansagen und Analysen schon manch selbstsicheren Erwachsenen ins Grübeln gestürzt.

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Wegbegleiterinnen und -begleiter: v.l. Steffi Holle, Markus Husen, Pastor Carl Borromäus Hack, Johannes Ehrenbrink und Maria Dellwisch.

Juliana spürte, dass sie genau so gemocht wurde wie sie war: eine junge Frau, offen und suchend auf ihrem zunehmend selbstbestimmten Weg. „Ich kann sagen: Ich habe mich dabei selbst gefunden.“

Und was bot Steffi der jungen Frau vertrauensvoll an, die gerade dabei war, Eigenverantwortung wahrzunehmen? Sie sollte Verantwortung für andere tragen. Bald stand Juliana im Jugendanpackerkreis und setzte sich für wildfremde Menschen ein. Wieder war sie verblüfft. „Helfen machte Spaß. Andere hatten etwas davon. Genauso wie ich selbst.“

Juliana schöpft bis heute aus ihrer Firmvorbereitung. 2015 begleitete sie bereits selbst als Katechetin mit ganz frischer Erfahrung Firmlinge, bereicherte sie mit Wissen, Jugendweisheit, Fröhlichkeit und Lebenserfahrung und fühlte sich selbst bereichert.

Sie schaffte ihr Abitur mit einem unerwartet guten Durchschnitt, glänzte auf dem Abiball in toller Aufmachung und bekam auf ihre Bewerbung für den Freiwilligen Dienst im Ausland einen positiven Bescheid aus Osnabrück. Am 24. Juni sandte Bischof Dr. Franz-Josef Bode sie zusammen mit 25 anderen jungen Menschen aus dem Bistum in viele Länder der Erde.

Die jungen Leute sangen mit der Gemeinde: „Wagt euch zu den Ufern, stellt euch gegen den Strom, brecht aus euren Bahnen, vergebt ohne Zorn, geht auf Gottes Spuren, geht, beginnt von vorn…“

Auf eine bestimmte Weise hatte Juliana bereits von vorn begonnen. Sie ließ sich nicht länger von Unlust und Verlorenheit treiben: Sie war aus der Bahn ausgebrochen, die nicht ihre war.

In einem weiteren Lied sang und bat sie gemeinsam mit den anderen Gesendeten: „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe.“

Juliana hat in der Gemeinde Liebe erfahren und geschenkt. Die Menschen, die sie intensiv begleitet haben, sind sicher, dass Juliana in Indien beste Dienste leisten wird.

Steffi sagt über Juliana: „Ich habe tiefen Respekt vor ihr. Sie hat viel mitgemacht und steckt doch voller Lebensfreude.“ Steffi lächelt. „Juliana ist zäh, und sie ist ehrlich.“

Auch Katechetin Maria Dellwisch schätzt Julianas Ehrlichkeit. „Außerdem haben wir viel Spaß gehabt. Ich bin froh, dass ich sie betreuen konnte.“

Katechetin Ulrike Schär freut sich an Julianas Kraft, ihre Ziele umzusetzen.

Marlies Weinmann, in den letzten Monaten Julianas Wohnungs-Gastgeberin und in der Prüfungszeit vor dem Abitur ihre abendliche Gesprächspartnerin und „Beruhigerin“, ist sicher: „Juliana wird ihr Leben meistern, egal, was auf sie zukommt. Sie überlegt, wie sie etwas anfängt. Dann setzt sie es zielstrebig um.“

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Weitere Wegbegleiterin: Bildmitte Ulrike Schär.

Juliana ist vor allem dankbar: „Die Menschen um mich herum haben an mich geglaubt. Darum konnte ich schaffen, was ich geschafft habe. Durch sie weiß ich, dass ich starke Seiten habe, und ich kenne meine Schwächen. Jetzt kann ich damit umgehen. „Auch den Indien-Aufenthalt werde ich schaffen.“

Das spürte sie schon, als Bischof Bode vor dem Altar der Kleinen Kirche in Osnabrück bei der Sendung ihre Hände in seine Hände nahm, sie laut mit ihrem Namen ansprach und sagte: „Juliana, ich sende dich in deinen Dienst. Geh‘ mit Christus.“

„Amen“, sagte Juliana.

Der Bischof legte ihr eine schlichte Kette mit Holzkreuz um und bestärkte sie mit seinen Händen auf ihren Schultern. Es war übrigens die zweite Kette mit einem Kreuz, die Juliana an diesem Tag trug. Eine hatte ihre Schwester ihr für den weiteren Weg geschenkt. Juliana trägt sie immer.

Für sie war die Sendung ein ganz großer und innig berührender Moment: „Vorher war ich ziemlich nervös. Doch da fühlte ich mich komplett bereit. Ich fühlte mich gesegnet. Ich weiß, dass Gott bei mir ist.“

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