Klüngeltüngels am Mahnmal Panzergraben in Aurich

Für ihr Treffen im Oktober hatten die Klüngeltüngels kurzfristig noch ein Ziel im Freien gefunden: Sie besuchten das Mahnmal Panzergraben in Aurich-Sandhorst. Es wurde geschaffen vom

Verein Gedenkstätte KZ Engerhafe e. V. als Gedenkstätte und außerschulischem Lernort und erinnert an den Einsatz der Gefangenen des KZ Engerhafe. Da die Klüngeltüngels bereits in Engerhafe gewesen sind, war dies nun eine sehr sinnvolle Ergänzung.

15 Interessierte (einige mussten krankheitsbedingt leider absagen) trafen sich nachmittags bei den Schautafeln auf dem Parkplatz, um sich von Herrn Küsel informieren zu lassen. Leider war diese Führung nicht so ergiebig, auch weil es von der Straße her sehr laut war und Herr Küsel dank Maske und Erkältung sehr schlecht zu verstehen war. Trotzdem bekamen alle Teilnehmer einen sehr bedrückenden Eindruck über die Umstände, unter denen am Panzergraben gebaut worden war.

Eine Mahnung an alle.

Die etwa 2000 Gefangenen der KZ-Außenstelle Engerhafe waren vom 21.10. bis 22.12.1944 zum Bau eines Panzerabwehrgrabens um Aurich eingesetzt, einem Teil der Verteidigungsanlagen in Nordwestdeutschland, der eine befürchtete Landung der Alliierten in der Deutschen Bucht abwehren sollte. Durch auf die Kleidung gemalte gelbe Kreuze waren die Männer gekennzeichnet, die Bevölkerung nannte sie Gelbkreuzler.

Täglich mussten die Gefangenen etwa 2 km vom KZ Engerhafe in Fünferreihen zum Bahnhof Georgsheil laufen. Mit dem Zug wurden sie zum Bahnhof Aurich gefahren. Von dort mussten sie, getrieben von den Wachen, noch einmal mindestens 3 km quer durch Aurich zur jeweiligen Einsatzstelle des Panzergrabens weiterlaufen. Mit Schippen und Spaten arbeiteten sie den ganzen Tag und hoben den Graben unter widrigsten klimatischen Bedingungen aus. Abends verlief der Rückweg entsprechend. Allein der Weg zur Arbeit und zurück war eine schreckliche körperliche und seelische Strapaze. Die Männer standen im Wasser, waren nur in Lumpen gekleidet, ständiger Nässe und Kälte im Dreck ausgesetzt. Sie waren völlig entkräftet und wurden von den Aufsehern zu pausenloser Arbeit gezwungen. In den zwei Monaten kamen 188 Männer aus 14 Ländern ums Leben.

Durch die Personen wird die Größe des Mahnmals und damit des Grabens deutlich.

Für die Größe des Panzergrabens gab es genaue Vorschriften: er sollte etwa 3 m tief sein, oben eine Breite von 4,5 m haben (damit kein Panzer ihn überbrücken konnte), im Schnitt V-förmig sein, unten aber stumpf enden. Und genau diese Größe hat auch das Denkmal in Sandhorst, entworfen vom Künstler Herbert Müller, der auch für die Gedenkstätte in Engerhafe viele beeindruckende Bilder geschaffen hat. Die gelbe Farbe des Denkmals erinnert an die gelben Kreuze auf der Kleidung der Gefangenen.

Sichtlich beeindruckt und erschüttert über das Leid der Gefangenen beendeten die Klüngeltüngels ihren Besuch am Mahnmal Panzergraben in Aurich-Sandhorst.

Reste des Panzerabwehrgrabens sind noch zu erkennen.

Bilder und Text: Hildegard Lüken

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