Klüngeltüngels angetan von St. Marien Schillig

2016-09-20 Klüngeltüngel7_1Gesellig und lehrreich war der Ausflug der Klüngeltüngels nach Schillig an der östlichsten Nordostspitze der ostfriesischen Halbinsel. Die katholische Kirche St. Marien hat die Reisenden besonders angesprochen.

Sie erhebt sich wie eine Welle hinter dem schafgefüllten Deich.

Vor Besichtigung und Führung stärkten sich die Unseren „Bei Mario“ mit Fischgerichten und Ofenkartoffeln. Sie freuten sich, direkt unter dem Türsturz des Eingangs ein Kreuz zu entdecken.

Kaum war das Essen aufgetischt, wanderte ein Nonnengrüppchen samt Pastor in den Esssaal. Die Damen in Grau und Schwarz stellten sich auf Nachfrage als Franziskanerinnen vor, die aus Münster nach Schillig (Münsteraner Teil der ostfriesischen Halbinsel) gereist waren.

Schnell stellte sich heraus, dass zwei aus der Gruppe, darunter der Pastor, unseren Pfarrer Johannes Ehrenbrink aus seiner Bremer Zeit kannten (und bei Nennung seines Namens glänzende Augen bekamen).

Die Kirche St. Marien Schillig.

Die Kirche St. Marien Schillig.

Zu Fuß ging es zur St.-Marien-Kirche. Gästeführer Wolfgang Bruns erzählte Geschichtliches. Einen Gutteil davon wussten die Klüngeltüngels bereits. Hildegard Lüken hatte wie immer Informationsblätter vorbereitet und an alle verteilt.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg war Schillig zu einer Verteidigungsstation ausgebaut worden. Der Badeort lag an der strategisch wichtigen Jade-Einfahrt zum Kaiserlichen Reichskriegshafen Wilhelmshaven.

Zwischen Jever und Schillig betrieb die Marine eine eigene Bahnlinie. Fast ein Jahrhundert später bekam sie für die katholische Kirche eine große Bedeutung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in den ehemaligen Militärkasernen zahllose Heimatvertriebene vor allem aus Oberschlesien gestrandet – viele von ihnen katholisch. Eine katholische Kirche wurde gebaut.

Aufmerksame Klüngeltüngels bei der Führung.

Aufmerksame Klüngeltüngels bei der Führung.

Nach wenigen Jahrzehnten war sie durch das raue Klima so marode, dass ein Neubau viel günstiger kam als die Sanierung.

Da war es gut, dass ein alter Lokschuppen von der ehemaligen Marinebahn in unmittelbarer Nähe gekauft und das Grundstück einbezogen werden konnte. Die jetzige Kirche entstand.

Die Kölner Architekten Ulrich und Ilse Maria Königs hatten sie in Form eines abgerundeten lateinischen Kreuzes entworfen.

Ein großer Teil der Kosten floss in die Grundierung der Kirche im schlickigen Küstennass. Fast 50 Pfeiler stecken mit rund 23 Metern Länge so tief im Erdreich wie die Kirche hoch in den Himmel ragt.

Wolfgang Bruns berichtete im Wechsel aus Information und Anekdoten über die Innenausstattung. Zwischendurch wartete er mit einer etwas eigenwilligen Erklärung darüber auf, warum Bischof Bode das „Osnabrücker“ Neustadtgödens nicht an die Münsteraner abtreten möchte (persönliche Verliebtheit ins Kleinod).

Ansonsten öffnete er Augen und Ohren für die Marienkirche. Es gebe im weiten Raum keinen Gegenstand, der von Altar und Altarkreuz ablenke, auch keinen Kreuzweg (das Wörtchen „ablenkt“ wirkte auf manchen Gast gewagt).

Die Wände verfügen über kein einziges Fenster. Eine Dachkonstruktion aus Glas, die mit rippenartigen Bögen unterlegt ist, flutet die Kirche mit Licht.

Die Rippen werfen je nach Sonnenstand und Wolkenbildung buntglasfensterartige Schatten an die Wände. Die Schatten wandern im Lauf des Tags durch den Kirchenraum.

Blick in die Dachkonstruktion, durch die der Himmel scheint, darunter die "Rippen".

Blick in die Dachkonstruktion, durch die der Himmel scheint, darunter die „Rippen“. Der Nagel ist Teil einer Ausstellung und zählt nicht dauerhaft zum Inventar.

Das Licht "wandert" im Lauf des Tags durch die Kirche und wirft Schatten in BLau, Weiß und Grau an die Wände, als gäbe es Buntglasfenster.

Das Licht „wandert“ im Lauf des Tags durch die Kirche und wirft Schatten in Blau, Weiß und Grau an die Wände, als gebe es bewegliche Buntglasfenster.

Viel in dieser Kirche weist auf die nahe Küste. Zu entdecken sind fossile Einschlüsse in den Fußbodenfliesen, das Altarkreuz aus Buntglas, dessen Muster einem Wattstrand nachempfunden ist, die geschwungenen Wände, die sandfarbene Möblierung, Altar, Taufbeckenstele und Ambo aus Sandstein und die Wellenform des Dachs.

Die wunderbare Akustik erprobten die Klüngeltüngels mit dem Lied „Ein Haus voll Glorie schauet“.

Elisabeth Funke dankte Wolfgang Bruns für seine Führung und übergab eine Spende.

Elisabeth Funke dankte Wolfgang Bruns für seine Führung und übergab eine Spende.

Direkt hinter der Kirche liegt der Deich.

Direkt hinter der Kirche liegt der Deich.

Davor sammelten sich die Reisenden zum Gruppenfoto.

Davor sammelten sich die Reisenden zum Gruppenfoto.

Die Gruppe kutschierte weiter ins schöne Hooksiel, schlenderte durch Künstlerhaus und Hafen und machte in der Alten Schneiderei fest. Hier gab’s „Eistorte an Früchtespiegel“. Wobei der Spiegel kein Spiegel war, sondern aus ein paar eingemachten „Kirschen an Saft“ bestand. Lecker wars trotzdem. Und im Ganzen wieder richtig schön.

Kaffeetrinken in der Alten Schneiderei.

Kaffeetrinken in der Alten Schneiderei.

Die Packhäuser von Hooksiel, in denen einst Getreide und andere Lebensmittel für den Umschlag gelagert wurden.

Die Packhäuser von Hooksiel, in denen einst Getreide und andere Lebensmittel für den Umschlag gelagert wurden.

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