Klüngeltüngels besuchten Landesmuseum in Emden

Im letzen Jahr besuchten die Klüngeltüngels die Gedenkstätte des KZ Engerhafe. Da sich viele Gemälde von Herbert Müller aber im Landes-museum in Emden befanden, machte sich die Gruppe nun dorthin auf den Weg.

Im Museum erwartete sie die Kunsthistorikerin Dr. Annette Kanzenbach, die die Klüngeltüngels durch die Ausstellung führte. Unter dem Titel „Landschaft – Zeitgeschichte“ zeigt der Künstler Herbert Müller einen Querschnitt seines Schaffens, wobei die Bilder zum KZ Engerhafe nur einen kleinen Teil der Ausstellung ausmachen.

In kompetenter Weise wurden die Klüngeltüngels durch die vielfältige und informative Ausstellung geleitet.

Herbert Müller ist 1953 in Norden geboren und zeit seines Lebens seiner Heimat treu geblieben. In der Zeit von 1973 -1979 studierte er freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf, Außenstelle Münster und absolvierte zeitgleich ein Geschichtsstudium. Von 1981 bis 2012 arbeitete er als Kunstlehrer am Gymnasium Ulricianum in Aurich und war freiberuflich als Künstler tätig. Müller sagt selber über seine Kunst: „Im Anfang steht immer ein Seh- und Gefühlserleben. Ungegenständliches wäre für mich ein rein formales Experiment. Dazukommen muss für mich immer eine Aussage – über das Landschaftserleben, über das Menschsein…“.

Die Liebe zu seiner ostfriesischen Heimat bringt der Maler in den für ihn typischen Landschaftsbildern zum Ausdruck, die oft knallgelbe Felder und einen ausdrucksvollen Himmel zeigen. Er malt dieses Land unter ständig sich verändernden Lichtverhältnissen von Tages- und Jahreszeiten – mal sommerlich lichtdurchflutet, mal im dramatischen Herbststurm.

Viele Bilder gaben tatsächlich erst nach näherer Erklärung ihre volle Bedeutung preis.

Immer wieder zog es Müller in die Ferne. So bereiste er den gesamten Mittelmeerraum und zeigt in seiner Ausstellung Reiseansichten von Griechenland, Zypern und der Toskana, oder auch von historischen Stätten in Ägypten. Im Herbst 2005 besuchte er den Nahen Osten und traf in Kambodscha auf die belastete Geschichte des Landes, die ihn sehr beschäftigte und die er künstlerisch verarbeitete. Zu sehen sind Bilder von Gefangenen des Regimes der Roten Khmer und das Porträt eines grinsenden Diktators Pol Pot.

Zur Rubrik Zeitgeschichte gehört auch der Aquarell -Zyklus „Bilder vom Krieg“ in dem er sich mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak auseinandergesetzt hat. Im diffusen Licht sind hier Kolonnen marschierender Soldaten und Reiter dargestellt. Auf einem Bild sieht man die Silhouette einer zerstörten  Stadt in Afghanistan und im Vordergrund einen Monitor, der einen voll ausgerüsteten Krieger in ostfriesischer  Landschaft zeigt, als Erinnerung daran, dass es auch bei uns in grauer Vorzeit z. B. auf den Wilden Äckern (dem Wohnsitz des Künstlers) grausame Schlachten gegeben hat.

Zum Ende der Besichtigung betreten die Klüngeltüngels den Raum, in dem die Bilder über das KZ Engerhafe ausgestellt sind.

Seit 1989 hat sich Herbert Müller in seiner Kunst mit diesem Lager beschäftigt. Es entstanden eine Reihe von Gemälden und Zeichnungen über die Situation der gefangenen Menschen und die Reaktion der Bevölkerung in Engerhafe. Mit gestalterischer Kraft ist es dem Künstler gelungen, dass erschütternde Schicksal der namenlosen Häftlinge aus der Anonymität heraus ins Bild zu bringen. Es sind Bilder der Dunkelheit in denen sich weißgraue, ausgemergelte Gestalten wie merkwürdige Lichtzeichen bewegen. Aus Schilderungen von Zeitzeugen, die damals Kinder waren, entstanden die Kohle-zeichnungen. Durch die schwarze Kohle soll die unbarmherzige Härte des Geschehens verbildlicht und dem Betrachter die Leiden der Unschuldigen vor Augen geführt werden.

Die seit 2005 entstandenen Schädelporträts sind noch einmal eine Steigerung in der Begegnung mit Gewalt und Tod. Als Individuen waren die Opfer im Massengrab ausgelöscht worden. In der Porträtreihe ist jeder Totenkopf anders – einzigartig. Der Maler gibt den Geschändeten ihre Individualität und damit ihre Würde zurück. Die Bilder sind Zeichen des finstersten Kapitels deutscher Geschichte und erzählen von Gewalt, Unfreiheit, Entmenschlichung und Tod. Sie stehen aber nicht nur für Engerhafe, sondern für alle Stätten in der Welt, wo Unmenschlichkeit und Terror herrschen. Der Kern ihrer Aussagen ist die Botschaft, dass wir uns immer daran erinnern müssen, was Menschen einander antun können und das Ermahnen, es nie wieder soweit kommen zu lassen.

Nach so viel geballter Information kam eine Stärkung gerade recht.

Nach fast 1 1/2 stündiger Führung waren die Klüngeltüngels reif für einen Tasse Kaffee, bei der sie dann im nahe gelegenen Grand – Cafe ganz schnell miteinander ins Gespräch kamen. Hoch zufrieden mit dem Nachmittag traten sie gegen 17.30 Uhr die Heimreise an.

Text: Elisabeth Funke
Fotos: Helmut Freres und Hildegard Lüken

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