Klüngeltüngels tief beeindruckt von wfbm

Bei typisch ostfriesischem Nieselwetter machten sich gut 20 Klüngeltüngels auf den Weg zu den Werkstätten für behinderte Menschen (wfbm) in Burhafe. Dort waren sie sehr bald tief beeindruckt von der Anlage.

Schon im Eingangsbereich werden sie von zwei Fachleuten erwartet. Ludgerus-Gemeindemitglied Anne von Ohr, Fachbereichsleiterin für Fertigungsplanung, Fertigungssteuerung und Arbeitsvorbereitung in der wfbm Aurich/Wittmund, und der technische Leiter Joachim Lambertus nehmen die Klüngeltüngels unter ihre Fittiche.

Joachim Lambertus führt die Gruppe mit spürbarem Stolz auf „seine“ Einrichtung und ganz viel Empathie für die Menschen, die dort arbeiten, in Hallen und Außenbereiche.

Die Führung beginnt in einem großzügig und hell gestalteten Eingangs- und Bürobereich. Auffallend farbenfrohe Poster schmücken die Wände, so dass ein freundlicher und einladender erster Eindruck vermittelt wird.  Dieser bestätigt sich beim Gang durch das Gebäude auch dadurch, dass die Gänge immer wieder durch Sitzecken und Spielgeräte aufgelockert sind.

Führung durch helle und farbenfrohe Räume: rechts im Bild Joachim Lambertus.

Die Einrichtung wurde 1980 eröffnet und betreut z.Zt. ca 230 Beschäftigte (im Arbeitsbereich und der Tagesförderstätte) und Teilnehmer (im Berufsbildungsbereich).

Die Werkstatt als Einrichtung zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben und zur Eingliederung in das Arbeitsleben hat eine Aufnahmeverpflichtung für behinderte Menschen, die wegen Art oder Schwere ihrer  Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können.

Sie hat ihnen eine angemessene berufliche Bildung und Beschäftigung zu einem ihrer Leistung angemessenen Arbeitsentgelt anzubieten. Ferner hat sie den Übergang geeigneter behinderter Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch geeignete Maßnahmen zu fördern, sowie ein möglich breites Angebot an Berufsbildungs – und Arbeitsplätzen anzubieten.

Ausgenommen hiervon sind Menschen, bei denen eine erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung diagnostiziert wurde.

Blick in einen Arbeitsraum: großzügig und hell.

Die Werkstatt  ist in drei Bereiche gegliedert: Berufsbildungsbereich, Arbeitsbereich und Tagesförderstätte.

Im Berufsbildungsbereich erfolgt die Vorbereitung auf den Arbeitsbereich oder den allgemeinen Arbeitsmarkt und die Zuordnung zu den beiden Möglichkeiten.

Im Arbeitsbereich werden behinderungsgerechte Formen von produktiver Beschäftigung angeboten, wobei auch die geringste verwertbare Arbeit, z.B. eine Schraube mit Unterlegscheibe zu versehen, als vollwertige Arbeit angesehen wird. Die hier Beschäftigten erhalten ein monatliches Arbeitsentgelt, das sich nach der Höhe des Arbeitsergebnisses richtet.  Sie sind  unfall-, kranken-, pflege-, und rentenversichert.

Die Tagesförderstätte ist eine Abteilung für schwerst-  und schwer mehrfach behinderte Menschen, für die eine Beschäftigung im Arbeitsbereich nicht möglich ist.

Der Arbeitsbereich ist in verschiedene Sparten aufgegliedert, z.B. in die Leichtmontage, wo auch die geringste verwertbare Arbeit geleistet wird; oder in die Elektromontage, wo die Mitarbeiter hoch qualifizierte Montagen von komplexen Bauteilen und Verdrahtungsarbeiten ausführen. Außerdem gibt es noch eine Leitungskonfektion, eine Tischlerei, einen Lager-  und Logistikbereich, einen Garten- und Landschaftsbau, einen Floristik- und einen Hauswirtschaftsbereich.

Joachim Lambertus mit gespannten Klüngeltüngels.

In jedem Gruppenraum, in dem zwölf behinderte Menschen zusammen mit einer Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung arbeiten, befindet sich eine Bildungshaltestelle, deren Aufgabe es ist, die behinderten Menschen auf Tätigkeiten, z.B. Löten, zu qualifizieren bzw. auf ein neues Produkt zu schulen. Außerdem gibt es in jedem Raum eine Rückzugsmöglichkeit und eine an den Gruppenraum angrenzende Außenterrasse mit Sitzgelegenheit.

Mit unterschiedlich gestalteten Arbeitsplätzen wird auf Defizite von Mitarbeitern eingewirkt, so arbeiten z.B. Menschen mit kommunikativen Schwächen an Drehtischen, an denen es notwendig  ist, sich miteinander auszutauschen.

Arbeiten am „runden Tisch“.

Im Außenbereich befindet sich ein Gemüsegarten, der auch von den Beschäftigten der Einrichtung bewirtschaftet wird.  Die hier geernteten Produkte kommen in der  hauseigenen Küche zur Anwendung. Ein Gehege mit freilaufenden, glücklichen Hühnern und Hahn, Meerschweinchen, Kaninchen und Hängebauchschwein und lauschige Sitzgelegenheiten komplettieren das Bild einer gepflegten Außenanlage.

Anne von Ohr (r.) erläutert u.a. Elisabeth Funke (l.) und Hildegard Lüken (Mitte) den Außenbereich, hier im Garten mit Gemüseanbau, Hühnergehege und Stall samt Auslauf fürs Hängebauchschwein. Elisabeth und Hildegard sind übrigens die Organisatorinnen der Klüngeltüngel-Aktivitäten.

Zur Einrichtung gehört seit drei Jahren der nahe gelegene Supermarkt „nah und frisch“, der die Versorgung auf dem Land sichert und die Integration von Menschen mit Behinderungen fördert. Hier werden auch Produkte aus dem Floristikbereich der WfbM angeboten.

Nach der Besichtigung und voll gestopft mit ganz vielen Informationen sind die Klüngeltüngels eingeladen, an einem liebevoll gedeckten Tisch Platz zu nehmen und sich mit Kaffee und leckerem, selbstgebackenem Kuchen zu stärken.

Hier berichten die beiden Angehörigen der wfbm noch einmal von ihrem täglichen Spagat: zwischen Produktion und Pädagogik; zwischen der Fürsorge für die ihnen Anvertrauten und dem knallharten Wettbewerb um Arbeitsaufträge dreht sich ihr Alltag. Nach Eindruck der Klüngeltüngels gelingt ihnen dieser Spagat gut!

Zu den Werkstätten gehört eine Floristikabteilung. Sie stattet ganze Feste mit blühender Dekoration aus.

Hier duftet es bereits nach Frühling.

Ina und Hildegard freuen sich an den hübschen Gebinden.

Hochmoderne Technik hilft den Menschen mit Behinderung, wertschöpfende Arbeit zu leisten.

Joachim Lambertus erläutert den Warenkreislauf: Die wfbm müssen im harten Wettbewerb bestehen und bedienen hier namhafte Kunden. Sie können sich auf jederzeit kontrollierte Qualität aus den Werkstätten verlassen.

Wolfgang Göhlinger schaut fasziniert und tief beeindruckt auf die Maschine, in der Altmetall granuliert wird – hier: wertvolles Kupfer. wfbm-Mitarbeiter haben es aus alten Leitungen gewonnen.

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