„Man ist einfach da und schaut“

Wie geht es Menschen in Neuauwiewitt? Was beschäftigt sie? Was bewegt sie? Eine kleine Momentaufnahme schickte Ulla Koehl – von einem Spaziergang am Frühlingsanfang in Corona-Zeiten.

Das Wetter meint es gut mit uns, es ist trocken, und man kann gut hinausgehen. Ich mache einen Weg durch die Straßen meines Wohngebiets. Es ist total ruhig, kein Rasenmäher geht, keine Sägen kreischen, und es fährt fast kein Auto.

Es begegnen mir ganz wenige Menschen, in den Gärten sieht man ab und zu jemanden. Auf der einen Seite ist es gespenstisch, aber diese Stille hat auch etwas Beruhigendes. Ich sehe die sprießenden Blumen. Magnolien sind schon fast aufgegangen. Und das Grün des Rasens ist schon sommergrün. Mir wird dies viel bewusster als sonst. Sonst denkt man an verschiedene Aktivitäten und was „unbedingt“ noch zu machen ist. Jetzt ist man einfach da und schaut.

In diese Stille hinein fangen Amseln an zu singen, das ist wunderbar, und ich bleibe stehen, um zu lauschen. Dieses bewusste Wahrnehmen empfinde ich als Geschenk.

Auch am nächsten Tag gehe ich spazieren. Wieder scheint die Sonne, und man merkt, dass schon Kraft dahinter ist. Es ist noch ruhiger als gestern. Die Menschen, die mir begegnen, grüßen freundlich mit einem „Moin“.

Auf einmal höre ich Kinderlachen. In einem Garten schaukeln Kinder und juchzen in die Luft. Pure Lebensfreude, ohne tamtam. Vielleicht, so hoffe ich, wird diese Zeit auch einmal wieder zeigen, dass es nicht viel bedarf, um sich zu freuen.

Ulla Koehl

„Man ist einfach da und schaut“ – wie dieser Buntspecht. Foto: Delia Evers

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