Peter Bard zur Regenzeit in Kigali

In seinem letzten Bericht aus Kigali in Ruanda schreibt Tierarzt Dr. Peter Bard über den Beginn der Regenzeit in Ostafrika. Die Adventszeit möchte er wieder in Ostfriesland verbringen.

Die Regenzeit hat begonnen: Jeden Tag mindestens einmal ein Regenguss, der manchmal sehr stark ausfallen kann, dann wieder etwas Sonne, dann wieder Gewitter. Das Ganze bei angenehmen bis warmen Temperaturen, abends eher kühl und unvermeidlich die Stechmücken. Wie gut, dass ich ruhig unter meinem Moskitonetz schlafen kann.

An einem solchen Sonntag fahren wir mit einem Privatauto Richtung Süden, nahe der Grenze zu Burundi, in die Gegend von Huye. Das Ziel: das ethnografische Museum und  die ehemalige Königsresidenz von Ruanda.

Das Museum ist sehr weitläufig angelegt – mit niedrigen Gebäuden im Landesstil. Leider ist es im Inneren nicht erlaubt zu fotografieren (wie übrigens in allen Museen des Landes). Viele Exponate (Neolithikum bis Neuzeit) geben eine gute Vorstellung vom handwerklichen Geschick der Bevölkerung bei der Bearbeitung von Pflanzenfasern für Schalen und Behältnisse aller Größen – von Ei-großen „Schächtelchen“ bis zu mannsgroßen Körben mit festem Deckel, außen mit Kuhmist verputzt, zur Vorratshaltung.

Eine großzügige Anlage.

Alles ist verziert mit wunderschönen geometrischen Mustern, die auch in Matten der verschiedensten Größen eingearbeitet wurden.

Sehr aufschlussreich sind die geschichtliche, reichlich kriegerische Entwicklung Ruandas sowie seine territoriale Expansion bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Erst 1916 („Kongokonferenz“) wurde es von den Kolonialmächten der Epoche (Deutschland war ausgeschlossen) auf etwa zwei Drittel seiner ursprünglichen Größe zugeschnitten. Diese Grenzen gelten bis heute.

Die eindrucksvolle Residenz des Königs. Ihr macht die Regenzeit nichts aus.

Da passte der anschließende Besuch der ehemaligen Residenz des Königs einige Kilometer entfernt recht gut. In strategischer Lage auf einem Hügel mit Rundumsicht weithin gelegen, stehen die „Hütten“ in Einfamilienhausgröße. Bewunderungswürdig, wie die Naturmaterialien Riedgras, Bambus und Holz kombiniert eine massive und sehr ästhetische Konstruktion ergeben, mit großem unterteiltem Innenraum: Schlafraum für Königin und Frau, Raum für Nebenfrauen, „Wohnraum“ und weitere kleinere Räumchen.

Beeindruckend die kreisrunde, innere Decke mit rund vier bis fünf Metern im Durchmesser, gänzlich aus einem Stück verschiedener Materialien geflochten.

Ein klar bezeichneter Vorplatz vor dem Eingang kennzeichnet die absolute no-go-Zone. Im Eingang steht der „Schutzpfosten“, der jedem Verfolgten, aus welchen Gründen auch immer, die Freiheit sicherte, sofern es ihm gelang, ihn zu erreichen und zu berühren.

Dahinter die Hütten des Wachpersonals und der „Wächterin der Milch“, einer Jungfrau, die die Aufbewahrung der Milch überwachte, eine rituelle Angelegenheit.

Hinter der hohen Umzäunung der Bereich der Rinder. Diese Tiere, von eher grazilem Körperbau, schwarzem Fell und mit riesigen, fast weißen Hörnern sind ein regelrechtes Schauspiel. Ein spezieller Hüter singt ihnen Lieder (die die Kühe offensichtlich verstehen – ich natürlich nicht – da sie dann ganz zahm stehen bleiben und sich sogar von mir und anderen anfassen ließen).

Eindrucksvolle Rinder.

Singende Hüter.

Natürlich waren sie der Königsfamilie vorbehalten. Der letzte König, der noch mit den ersten deutschen Kolonisten und nach 1916 mit den belgischen Kolonialherren verhandelte, bekam eine neue, gemauerte Residenz neben der bisherigen. Allerdings starb er, bevor sie ganz fertiggestellt war Mitte der 1930er Jahre.

Ich hatte schon in meinem ersten Bericht erwähnt, dass die Aufarbeitung des Genozids eine Staatsangelegenheit ist, unterstützt von etlichen privaten Initiativen, die daran arbeiten, die tiefen Wunden, die in den Gesprächen noch allgegenwärtig sind, zu heilen und die Grundlagen für eine friedliche Zukunft zu schaffen.

Um nur ein Beispiel zu nennen – das Projekt CEDYDAR, dessen Arbeit schon während des Bürgerkriegs begann: Straßenkinder, deren Eltern umgekommen, verschollen oder geflüchtet waren, wurden aufgenommen. Sie erhielten Schulbildung und Ausbildung. Die Namensgeber und Gründer des Projekts wurden gleich in den ersten Tagen des Genozids ermordet.

Bis heute hat das Projekt über 1300 Kinder aufgenommen und wird von lokalen Mitarbeitern getragen und von FIDESCO (www.fidesco.fr) unterstützt.

Wenn auch nicht direkt in Zusammenhang mit dem Genozid, so doch mit einer Zielrichtung, die in ähnliche Richtung geht, ist die Stiftung „Dr. Rutayisire Alphonse Foundation“ mit Sitz in Rusheshe-Masaka – Kicukiro. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, u.a. die Bevölkerung zu sensibilisieren, ihre Haustiere nicht einfach auszusetzen, die Tötungskampagnen von herrenlosen Tieren abzuschaffen und sich überhaupt für die Rechte der Tiere zu engagieren, darüber hinaus die Aus- und Fortbildung lokaler Tierärzte zu fördern und Sterilisations- und Impfkampagnen zu organisieren.

Näheres ist im Netz unter der oben genannten Adresse zu finden oder unter der Nr.    +250 788300659 (Franz./Engl), Madame Médiatrice Bigirimana, zu erfragen.

Die Redaktion dankt Peter Bard herzlich für seine Berichte aus Kigali.

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