Sternsinger setzten in Aurich Zeichen

2016-01 Stern Aurich 7_1Von Hildegard Lüken | Die Sternsinger, die in der Hl. Messe in St.-Ludgerus Aurich am Sonntag, 10. Januar, ausgesandt wurden und als Könige verkleidet den Segen für Haus bzw. Wohnung und Bewohner bringen wollten, sammelten in diesem Jahr für Projekte in Bolivien. „Segen bringen, Segen sein – Respekt für dich, für mich, für andere – in Bolivien und weltweit“ lautet das Motto der Aktion Dreikönigssingen 2016.

Mit diesem Titel nimmt die Sternsingeraktion 2016 den gegenseitigen Respekt zwischen Menschen in den Blick. Sie spricht sich gegen Ausgrenzung auf Grund von Herkunft, Verschiedenheit oder Fremdheit aus. Indem die Sternsingerinnen und Sternsinger den Segen Gottes zu den Menschen bringen, setzen sie ein Zeichen dafür, dass Gottes Segen allen Menschen ohne Unterschied gilt.

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Die Sternsinger ziehen vom Bonihaus in die St.-Ludgerus-Kirche ein.

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Die Sternsinger bei ihrer Aussendung mit Kyra Watermann (links unter der Madonnenfigur), Pfarrer Johannes Ehrenbrink und Ministrantinnen.

In ihrer Predigt in St. Ludgerus ging Gemeindereferentin Kyra Watermann auf das Plakat der  Aktion ein:

„Die beiden Jungs vom Sternsinger-Plakat leben in Bolivien und heißen Cristobal und Ronald. Auf dem Bild tragen sie nicht ihre normale Alltagskleidung. Was Ronald trägt, das kennt ihr alle: ein Fußballtrikot, eine Sporthose und Turnschuhe. In seinem Trikot fühlt sich Ronald gut, denn es zeigt: Er gehört zu einer Mannschaft, ist eingebunden in eine Gruppe von Menschen, einer Gemeinschaft. Damit weiß er, wer er ist. Und wer das weiß, der ist wer. Cristobal trägt eine Kleidung, die uns ziemlich fremd vorkommt. Aber auch er ist ganz stolz, wenn er diesen Umhang und die bunte Mütze trägt. Denn auch der Poncho zeigt: Cristobal gehört zu einer bestimmten Gruppe. In seinem Fall ist es keine Fußballmannschaft, sondern eine Volksgruppe.

Wir haben heute die Geschichte vom Barmherzigen Samariter gehört. Dort sagt Jesus: Jeder ist unser Nächster. Und wir sind der Nächste eines Jeden. Es ist nicht entscheidend, ob wir reich oder arm sind, welchen Beruf oder ob wir überhaupt einen haben, wie gut oder schlecht wir in der Schule sind, aus welchem Land wir kommen, welchen Namen Gott in den verschiedenen Religionen trägt. Diese Dinge sind nicht entscheidend, wenn es um Nächstenliebe geht. Jesus sagt uns mit dieser Geschichte: Alle Menschen haben den gleichen Respekt verdient – egal wo sie herkommen, welche Religion sie haben, ob es Männer oder Frauen, Reiche oder Arme sind.“

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Sammelbüchsen für Spenden.

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Ausweisen konnten sich die Sternsinger auch!

In der Auricher Gemeinde hatte Kyra Watermann 20 Kinder auf ihre Aufgabe vorbereitet, informierte über das Land Bolivien und sprach darüber, was Respekt bedeutet. Am Sonntag besuchten die Sternsinger dann in sechs Gruppen über 90 Haushalte, jeweils begleitet von einem Fahrer bzw. Betreuer.

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Drei kleine Sternsinger zu Gast bei Lükens.

Als die Gruppen zurück ins Gemeindehaus kamen, gab’s ein leckeres Essen, und sie konnten noch gemeinsam spielen.

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Fast schon Tradition nach dem Sternsingen: das Kickern.

Eine Gruppe wird übrigens am Mittwoch noch das Altenwohnheim Rosentor und das Kreiskrankenhaus besuchen.

Ein großer Dank geht an alle, die gefahren sind, begleitet und in der Küche geholfen haben. Klasse war zudem Volker Bigalski, der die Routen für die Sternsingergruppen erstellt hat. Und natürlich darf Kyra Watermann erwähnt werden, die organisiert und überhaupt die „Oberleitung“ hatte.

Übrigens kamen Sonntag in Aurich stolze 2.193,62 € zusammen! Ein Dank an alle Spender!

Noch einige allgemeine Informationen zu Bolivien:

Offiziell nennt sich dieses Land „Plurinationaler Staat Bolivien“. Denn innerhalb seiner Grenzen leben weit über 30 Volksgruppen mit ihren eigenen Traditionen und Kulturen. Von den zehn Millionen Einwohnern ist fast die Hälfte indigenen Ursprungs, d. h. sie gehören Volksgruppen an, die bereits vor der Kolonialisierung der Spanier vor rund 500 Jahren auf diesen Landgebieten lebten. Diese Vielfalt ist ein großer kultureller Reichtum, den es zu bewahren gilt. Damit das gelingen kann, braucht es großen gegenseitigen Respekt.

Trotzdem werden diese Menschen bis heute oft diskriminiert und sind besonders von Armut betroffen. Viele verlassen in der Hoffnung auf ein besseres Leben das Land und ziehen in die Stadt. Viele schämen sich ihrer Herkunft und verzichten auf Tradition und Sprache. Bis hin zu einer vollständigen gesellschaftlichen Anerkennung ist es ein langer Weg, aber erste Erfolge zeigen sich in politischen Entscheidungen und besonders in verschiedenen Initiativen, die sich für indigene Menschen und zur Förderung indigener Kultur einsetzen.

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