Teil III | 70 Jahre Elisabethschwestern in Aurich

2016-07-30 Schwesternhaus_1Im dritten Teil unserer Serie zum 70-jährigen Jubiläum des Konvents der Elisabethschwestern in Aurich am Samstag stellen wir die Geschichte der Niederlassung vor. Manfred-Franz Albrecht hat sie zusammengetragen.

Teil III

Der Auricher Konvent

Bedingt durch Flucht und Vertreibung kamen am 23. Juli 1946 zwei Schwestern – Sr. M. Justiana und Sr. M. Bernwarda – nach Aurich. Ein Konvent wurde am 30. Juli 1946 gegründet. Die Ordensschwestern wohnten zunächst bei der Kaufmannsfamilie Honcamp an der Osterstraße (damals Montgomerystraße). Am 13. Oktober 1947 kam Sr. M. Ermelinda hinzu. Die Schwestern von der hl. Elisabeth widmeten sich der ambulanten Krankenpflege und insbesondere der Betreuung der von Haus und Hof vertriebenen Menschen.

Als die kath. Kirchengemeinde 1952  das St.-Ludgerushaus am Fischteichweg 14 errichtete, in dem die kath. Volksschule sowie  Tagungsräume untergebracht waren, bekamen die Schwestern dort eine Klausur, die am 28. Januar 1952 bezogen werden konnte. Zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben kam die Betreuung der Tagungsteilnehmer an religiösen Kursen im St.-Ludgerushaus.

Von Oktober 1958 bis November 1959 wurde eine Förderklasse, bestehend aus 24 Mädchen aus Ostpreußen und Oberschlesien im Alter von 14 bis 18 Jahren, von Hauptlehrer a.D. Stimpel auf die hiesige Schule vorbereitet; sie wohnten bei den Schwestern im St.-Ludgerushaus.

Später fanden 15 schulpflichtige Kinder dort eine Heimat. Für das Kinderheim war Sr. M. Pankratia zuständig, die im Juli 1961  nach Aurich kam. Sie versorgte im St.-Ludgerushaus auch Kindergruppen, die auf die Erstkommunion vorbereitet wurden. Nachdem das Kinderheim geschlossen worden war, betreute Sr. M. Pankratia während des Sonntagsgottesdienstes die Kinder der Kirchenbesucher.

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Das Schwesternhaus heute gleich neben der St.-Ludgerus-Kirche. Foto: Horst Stamm

Sr. M. Adelheidis (1963 – 1968) und Sr. M. Franziska (1968 – 1976) gaben Religionsunterricht in der kath. Volksschule und in der Sandhorster Schule. Als die kath. Volksschule 1972 geschlossen und in den umgestalteten Räumen 1973 ein Kindergarten eröffnet wurde, übernahm Sr. M. Franziska vorübergehend die Leitung.

Im November 1977 zogen dunkle Wolken auf, die Ordensleitung in Reinbek wollte aus finanziellen Gründen die Schwesternstation in Aurich auflösen. Doch die Oberin, Sr. M. Huberta, ließ sich in mehreren Gesprächen umstimmen. Bei einer Visitation des Konvents im August 1981 machte Sr. M. Huberta die Zusage, die Station aufrechtzuerhalten.

Unvergessen ist Sr. M. Fridiana, die 1953 nach Aurich kam. 25 Jahre war sie in der St.-Ludgerus-Gemeinde in der ambulanten Krankenpflege tätig. Diesen Dienst, den Sr. M. Fridana zugunsten ihrer vielen Patienten mit fachlichem Können, großem Einfühlungsvermögen und Herzenswärme ausübte, musste sie nach einem Herzinfarkt aufgeben. Doch nach ihrer Lebensmaxime „Ora et Labora“ wollte sie vom Ruhestand nichts wissen und sorgte ab Februar 1979 in vorbildlicher Weise umsichtig in der Sakristei für die Vorbereitung der Gottesdienste. Krankheitsbedingt musste sie 1988 auch diese Tätigkeit aufgeben. Sr. M. Fridiana blieb jedoch im Auricher Konvent, half im Haus und hat vor allem für uns und für die Anliegen der Kirche gebetet. Unsere liebe Sr. M. Fridiana ist im 66. Jahr ihrer Ordensprofess  am 7. September 1995 zu ihrem Schöpfer heimgegangen.

In guter Erinnerung hat die St.-Ludgerus-Gemeinde auch Sr. M. Perpetua, die im Februar 1976 nach Aurich als Oberin des Konventes kam. Sie gab Religionsunterricht und betreute Kinder im St.-Ludgerus-Haus. Ab 1979 widmete sie sich unermüdlich der ambulanten Krankenpflege und der geistlichen Betreuung von Alten und Kranken. Sr. M. Perpetua erfreute die Gemeinde mit ihrem Orgelspiel im Gottesdienst. Sie hat sich in Aurich erfolgreich für die kath. Kirche, den christlichen Glauben und nicht zuletzt für ihren Orden eingesetzt. Am 3. Mai 1997 hat Sr. M. Perpetua altersbedingt den Auricher Konvent verlassen. Sie verbringt ihren Ruhestand im Konvent der Schwestern von der hl. Elisabeth in Lübeck.

Die ambulante Krankenpflege durch die Schwestern von der hl. Elisabeth fand durch das Pflegeversicherungsgesetz am 30. Juni 1996 ihr Ende. Die bis dahin gültige Kooperation, die ab dem 26. April 1979 mit verschiedenen Organisationen (Diakonie, Rotes Kreuz etc.) auf Stadtebene bestanden hatte, fiel auseinander. Die St.-Ludgerus-Gemeinde konnte im Rahmen des neuen Pflegeversicherungsgesetzes alleine schon aus personellen Gründen keine Sozialstation aufbauen. Sr. M. Perpetua und Sr. M. Claudia mussten also offiziell die ambulante Krankenpflege einstellen, kümmerten sich indes weiterhin um das körperliche Wohlbefinden, insbesondere aber um das Seelenheil ihrer bisherigen Patienten.

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Schwestern des Ordens kümmerten sich in vielen Ländern der Welt um große und kleine Patientinnen und Patienten.

Am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, dem 8. Dezember 1996, hat die St.-Ludgerus-Gemeinde das 50-jährige Jubiläum der Schwesternstation festlich begangen. Die Wohnung und die Klausur des Konvents im St.-Ludgerus-Haus hatten sich ab 1952 kaum verändert. Seit mehreren Jahren waren die Wohnverhältnisse mehr als bescheiden, wenn nicht gar unzumutbar. Endlich konnte der Konvent am 5. Dezember 1998 das renovierte „Alte Pfarrhaus“ beziehen. Schmuckstück des Hauses ist eine kleine Kapelle, in der die Ordensschwestern ihre Stundengebete verrichten und regelmäßig Gottesdienst feiern. Ihr neues Domizil wurde am 6. Dezember 1998 vom Generalvikar des Bistums Osnabrück, Herrn Theodor Paul, gesegnet, die Kapelle benediziert.

Das „Alte Pfarrhaus“, in dem der Konvent der Schwestern von der hl. Elisabeth bis heute untergebracht ist, war an der Stelle eines älteren, im II. Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstörten Hauses im Jahre 1948 erbaut worden. Die kath. Kirchengemeinde hatte das Grundstück 1953 erworben. Der damalige Pastor Josef Lammers und Kaplan Bruno Neuwinger hatten das Haus  am 28. November 1954 bezogen. Es war bis 1978 Pfarrhaus, dann wurde es bis 1997 vermietet.

Drei Schwestern von der hl. Elisabeth lebten hier fortan ihrer Ordensregel getreu. Da war zunächst Sr. M. Agatha, die als Oberin den Konvent ab dem 1. Mai 1997 führte. Sie betreute Alte und Kranke aus der gesamten Pfarrei seelsorgerisch in den Wohnungen, in Altenheimen wie im Krankenhaus, brachte ihnen die hl. Kommunion und stand ihnen mit Wort und Tat in ihren Nöten bei.

Sr. M. Ursula kam im Januar 1991 aus Polen nach Aurich. Sie war mit Eifer und Umsicht als Sakristanin in der St.-Ludgerus-Kirche tätig, weiterhin fertigte sie mit viel Kunstsinn Paramente  für die Kirche an.

Zu diesem Zeitpunkt war eine dritte Schwester bereits seit einigen Jahren dort – und sie ist es heute noch: Schwester M. Claudia.

Von ihr und den beiden weiteren Schwestern, die heute Leben und Arbeit in der Pfarreiengemeinschaft bereichern, soll morgen im vierten Teil unserer Serie die Rede sein.

 

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