Teil V | 70 Jahre Elisabethschwestern in Aurich – die Feier

2016-07-31 70 Jahre Konvent Aurich_1Von Delia Evers | Was war das für ein schönes Fest! Unsere Elisabethschwestern, Gäste von der Ordensprovinz und aus der Pfarreiengemeinschaft feierten das 70-jährige Ortsjubiläum des Konvents mit einer Hl. Messe.

„Gut, dass wir einander haben“, sang der Kirchenchor und lieferte das erste Loblied des Tages auf die Schwestern und das gedeihliche Miteinander: „Gut, das wir einander sehn, Sorgen, Freude, Kräfte teilen und auf einem Wege gehen. …  und dass Gott, von dem wir reden, hier in unserer Mitte ist.“

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Der Kirchenchor sang mit bester Liedauswahl und volltönend, obwohl er urlaubsbedingt nur mit wenigen Mitgliedern ausgestattet war.

Es war schön anzusehen, wie die Kirchenchormitglieder unter Leitung von Isburga Dietrich immer wieder lächelnd Augenkontakt zu den Schwestern aufnahmen. Ihr Lächeln kam zurück.

Dechant Johannes Ehrenbrink weitete den Blick in seiner Predigt auf einen Gutteil all der Menschen, mit denen Auricher Elisabethschwestern in den vergangenen 70 Jahren Kontakt hatten.

„Erzählen könnten die vielen Vertriebenen, die in den Jahren nach 1945 hier nach Aurich kamen“, begann Johannes Ehrenbrink, benannte deren Nöte und die Hilfe der Schwestern und spannte den Bilderbogen in den Köpfen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer bis in die heutige Zeit.

Das war eine Geschichtsstunde der besonderen Art, eine, in der es weniger um Fakten und Zahlen, dafür mehr um christliches Tun ging, das sich nicht in Maßeinheiten fassen lässt und doch so gewichtig ist.

Kurz ging er noch einmal auf jede der drei Schwestern ein, die heute in der Gemeinde tätig sind.

„Menschen, die alle Tage in die Kirche kommen, werden von Sr. Claudia gerne informiert über Gemeinde, Pfarreiengemeinschaft, über die Kirche und über die gottesdienstlichen Feiern. Auch manche Sorgen und Probleme werden bei ihr abgeladen.

Alte, kranke Menschen können von ihren Begegnungen mit Sr. Magdalena berichten, wie sie zuhört, die Krankenkommunion als Stärkung reicht und auch so manches andere regelt.

Und Menschen, die an der Tür klopfen, sind dankbar für manche Stulle und Tasse Kaffee, die Sr. Franziska zubereitet, und es soll auch Nachbarn und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geben, die die Gastfreundschaft von Sr. Franziska und der anderen Schwestern genießen…“

Johannes Ehrenbrink sagte vor allem Danke „für eure Präsenz“, „für euer Dasein als ein Zeichen in unserer Stadt“, „für eure Offenheit für Arme“ und „für die gute Nachbarschaft“.

Die Festgemeinde bekräftigte ihre Zustimmung mit starkem Applaus.

Brigitte Hesse und Doro Bröker dankten als Gemeindemitglieder singend. Sie hatten zur Melodie des Marienlieds „Sagt an, wer ist doch diese“ den Song „Die drei Hauben“ gedichtet. Schnell beherrschte die Gemeinde den Refrain, und ab ging die Post mit Strophen wie dieser:

Sie sorgten sich um Kranke
Und Kinder heimatlos,
Sie kannten keine Schranken,
Sie halfen Klein und Groß.

Sie sorgten sich um alles
Rund um den Kirchenraum.
Johannes kann sich freuen,
Denn Pannen gibt es kaum.“

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Zwei „Sängerinnen vor dem Herrn“ und vor den Schwestern mit selbstgedichtetem Lied.

Als Ehrengäste des Tages feierten u.a. aus Berlin die Provinzoberin Sr. M. Dominika, aus Reinbek die Provinzökonomin M. Martina sowie Sr. M. Magdalenas Vorgängerin Sr. M. Agatha und der emeritierte Pfarrer Hubert Heinelt mit.

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Elisabethschwestern in der „Ehrenbank“ – v.l. Provinzoberin Sr. M. Dominika, die ehemalige Oberin des Auricher Konvents Sr. M. Agatha, die heutige Leiterin Sr. M. Magdalena, Sr. Claudia, die Provinzökonomin Sr. M. Martina und Sr. M. Franziska.

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Hubert Heinelt im Gespräch mit Cornelia Specht.

Die Provinzoberin Sr. Dominika meinte, ein Jubiläum liefere immer einen guten Grund, ein Fest zu feiern. Gefeiert werden dürfe aber auch, weil es nicht selbstverständlich sei, dass eine Niederlassung des Ordens den 70. Geburtstag begehen könne.

Das habe im vorliegenden Fall auch mit den Fähigkeiten der Schwestern vor Ort zu tun. Auf gewisse Weise sei die Niederlassung „eine runde Sache“ und „ist somit vollkommen“. Etwas Vollkommenes berge zugleich allerdings den Abschluss.

Dieses Wort solle keine Überleitung zu der Ankündigung sein, die Niederlassung werde in absehbarer Zeit aufgelöst. Sie könne allerdings auch „kein Versprechen geben, dass das immer so bleibt“. Der Orden habe kaum Nachwuchs. Dann kam ein Satz, der vielen zu schaffen machte: „Jetzt haben Sie eine Weile die Schwestern noch hier.“

Besonders bedankte sich die Provinzoberin für das Engagement der Pfarreiengemeinschaft in Litauen, wo in Kaunas und Alytus Einrichtungen der Elisabethschwestern unterstützt werden.

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Da strahlte Sr. M. Magdalena: Zum Geburtstag sang eine ganze Kirche voller Festgäste ein Ständchen.

Als offizielle Vertreterinnen der St.-Ludgerus-Gemeinde schritten Beate Eggers und Andrea Meschede an den Ambo. Beate war hörbar vom Redebeitrag der Provinzoberin mitgenommen und sagte das auch: „Ihre Worte machen unsere Stimmung gedämpft.“

Dann wendete sie sich an unsere drei Schwestern und dankte ihnen und Gott für ihr lebendiges Glaubenszeugnis vor Ort und all das Gute, das sie bewegen.

Einen herzlichen Geburtstagsgruß richtete sie an M. Magdalena, die an diesem Feier-Samstag 77 Jahre alt wurde. Andrea Meschede hob einen Riesengeschenkkorb mit guten Gaben aus der Sakristeitür, und M. Magdalena durfte wenigstens schon mal einen Blick darauf werfen, ehe Andrea ihn zurückschleppte und Isburga die Festgemeinde spontan in viele Fraktionen teilte, die in vollendetem Kanon „Viel Glück und viel Segen“ schmetterten.

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Beate Eggers und Andrea Meschede nach dem Gottesdienst mit dem Präsentkorb für Sr. M. Magdalena.

Zu dieser Zeit waren im und rund ums‘ Bonihaus längst „gute Geister“ zu Gange, die den Grill anfeuerten, die letzten herbeigebrachten Salate und andere Köstlichkeiten auf dem Büffettisch drapierten und bald darauf die vielen Feiergäste zu Tisch baten.

Hier entspann sich ein lockeres Fest mit herzlichen Gratulationen und munteren Gesprächen. Und die Schwestern lernten noch etwas Neues. Sie, die daran gewöhnt sind, sich nie in den Vordergrund zu schieben, mussten das Büffet eröffnen. Selbst diese Pflicht meisterten sie souverän.

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Gute Begegnungen während des Festes: im Bild vorn Pfarrer Johannes Ehrenrbrink und Siggi Fuchs aus Wiesmoor.

Hängen blieb vielen eine kleine Passage aus der Predigt von Johannes. Er hatte von der Tradition der Benediktiner gesprochen, Jubilaren einen sogenannten Altersstab zu überreichen. Das sei kein Spazierstock, sondern ein Zeichen von Würde und Weisheit, Alter und Treue – und sicher auch eine Stütze für den weiteren Einsatz. Johannes: „So wie die Elisabethschwestern in den vergangenen 70 Jahren und so wie ihr hier in Aurich Menschen auf ihrem Lebensweg gestützt und aufgerichtet habt, so geht Gott alle Wege mit und wird euer Stock und Stab sein.“

Und dann setzte er – ohne zu ahnen, was die Provinzoberin sagen würde – unwissentlich einen Kontrapunkt: „… so geht Gott alle Wege mit und wird euer Stock und Stab sein. Und das hoffentlich noch ganz viele Jahre hier in Aurich.“

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