Turmgeflüster 4.12. | Was man im Großen nicht kann…

Vor 150 Jahren starb Adolph Kolping. – Als er ein Kind war, kannte er keinen Reichtum. Sein Vater arbeitete als Lohnschäfer. Ob der Junge wohl darüber nachgedacht hat, dass er aus einer benachteiligten Familie stammte und für ihn keine Bildungsgleichheit vorgesehen war? Der Jugendliche wurde Schuhmacher und schaute weniger nach seinen eigenen Chancen: Ihn schockierten die Lebensverhältnisse seiner Handwerkskollegen, die ihm während seiner Gesellen-Wanderzeit begegneten.

Kolping wurde schwer krank. Eine Katastrophe für sein Auskommen. Doch plötzlich gab es Förderer, die ihn finanziell unterstützten. Er konnte Priester werden. Als er es war, kümmerte er sich wieder um Arbeiter, die teils wie Sklaven leben mussten. Er wurde zum Stifter von heute 2.600 Kolpingsfamilien mit 250.000 Mitgliedern allein in Deutschland. Was für eine Wirkkraft entfaltet dieser Mann bis in unsere Zeit, da in seinem Namen auch von Wiesmoor viel Gutes ausgeht!

Die Geschichte von Kolping (1991 selig gesprochen) ist oft erzählt worden. Was mich immer wieder berührt: Oft sind es Menschen aus „kleinen Verhältnissen“, die Großes vollbringen. Auch im Elend gehen sie vertrauensvoll ihren Weg, denken gar nichts Großes (und schon gar nicht, dass sie berufen sein könnten, Außerordentliches zu schaffen). Sie sehen bewusst hin, leisten notwendige Soforthilfe, lassen sich aber nicht im blinden Eifer von Mitleid wegreißen, sondern wollen auch strukturell etwas zum Besseren bewegen.

Kolping schrieb diesen Satz: „Was man im Großen nicht kann, soll man im Kleinen nicht unversucht lassen.“ Und das sagte er auch: „Schön reden tut’s nicht, die Tat ziert den Mann!“ Und – wie in unseren Gemeinden längst Alltag: die Frau.

Herzlich eure
Turmfüsterin

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