Wie in Litauen ein Geburtsbett zur Welt kam

Was für ein Glück: Die Temperaturen in Litauen stiegen nicht weiter. Sie verharrten bei 38 Grad. Donnerstag lud das 25-köpfige Team von Neuauwiewitt am Krankenhaus in Kaunas weiteres Material ab.

Darunter waren Betten, Schränkchen, medizinisches Kleingerät, Hygieneartikel – und vor allem ein Monstrum an Geburtsbett. Das Teil in den zweiten Stock der geburtshilflichen Abteilung zu hieven, geriet zu einem Abenteuer, das weiter unten in Bildern erzählt wird. Denn Worte fehlen, wo starke Ostfriesen-Männer 300 Kilo sperrigster Masse in einen Aufzug wuchten mussten, der eigentlich zu klein war, sich am Ende aber doch um Zentimeter breitschlagen ließ, damit das Kreißbett passieren konnte…

Doch zunächst war die inzwischen normale Arbeit angesagt: nämlich in Feuerwehrketten Pakete zu Lagerstätten weiterzuwuchten und sich nicht irritieren zu lassen, wenn hilfswilliges „Fremdpersonal“ den Sinn der Kette nicht erkannte und der Lauf stockte.

Der 40-Tonner und der 7,5-Tonner gaben über die vielen Helferhände immer mehr von ihrer kostbaren Fracht her. Das Krankenhauspersonal, das in großer Zahl herbeigelaufen kam, freute sich sichtlich über Medikamente, medizinische Keingeräte, Betten, vor allem die Kinderbetten – und ganz besonders über die ehemalige Küche des Caritas-Seniorenhauses Simeon in Emden, denn die bisherige Küche in Kaunas ist mehr als grottig. Es war schön, die unverhohlene Freude der Frauen zu sehen, die Großküchenkochgeschirr und andere Utensilien in Augenschein nahmen.

Die Laster leerten sich immer mehr.

Große und kleine Pakete verließen den Aufleger.

Der Transport der Kücheneinrichtung kostete einiges an Kraft.

Kleine Pause auf einer tragfähigen Pappkiste.

Von Kaunas ging es weiter zu den Elisabethschwestern, wo ein ganz besonderer Gast auf sie wartete: Darius, der über 20 Jahre in Alytus Pfarrer gewesen war und jetzt Gemeinden in Marijampolė betreut.

Darius erzählte, er habe auf der Webseite von Neuauwiewitt über den Litauenbesuch gelesen und gewusst, dass er seine Freunde wiedersehen müsse. So sei er zu den Elisabethschwestern nach Kaunas gefahren.

Pfarrer Darius mit Beate und Rita. Ludwig hatte ihm kurz zuvor ein „Malteserkreuz“ geschenkt.

Das Wiedersehen machte ihm sichtlich zu schaffen. Zu intensiv war über Jahre die Verbindung gewachsen. Er erzählte, dass er in der ersten Zeit nach seinem Wechsel vor zehn Monaten mit der für ihn schmerzlichen Versetzung gehadert habe. Jetzt sei er dabei, Verbindungen innerhalb der Gemeinde aufzubauen. Dann zwinkerte er mit einem Auge: Die Straße nach Marijampolė sei in allerbestem Zustand, vermutlich sei es sogar die allerbeste Straße Litauens. Die Neuauwiewitter verstanden die Einladung: Die Straße wird die ostfriesischen Litauenfahrer zu Darius bringen.

Die Schwestern hatten für ihren Besuch eine Kaffee- und Kuchentafel bereitet.

Alfred dankte den Schwestern für ihre Gastfreundschaft. Im Bild die stellvertretende Oberin Schwester M. Rafaela und „unsere“ Schwester M. Jolanta. Sie berichtete über das Kloster, das seine Bestimmung noch nicht gefunden hat. Für die fünf verbliebenen Schwestern ist es viel zu groß. Wie es zusätzlich genutzt werden kann, ist nicht geklärt.

Es gab an diesem Tag weitere, sehr intensive Begegnungen. Davon muss ein anderes Mal die Rede sein. Denn bei einem sehr geselligen Abend mit vielen Freunden aus Alytus ist es ausgesprochen spät geworden, und die Turmflüsterin muss ins Bett (und als sie diesen Beitrag ins Netz schicken wollte, verursachte ein Gewitter Netzspannungen; nix ging mehr. Dafür fielen die Temperaturen aus vorgenannter Höhe auf 19 Grad). Schuld an der Späte der Nacht hatte Onno, der einfach sein Schifferklavier ausgepackt und herrlich gespielt hatte.

Und nachfolgend die kleine Bilderstrecke zum Kampf mit dem Geburtsbett, das einzige in ganz Litauen.

Sie zogen und schoben… Mit Schwung wurde das Bett ins Gebäude der geburtshilflichen Abteilung kutschiert. Es muste hoch in den zweiten Stock.

Das Geburtsbett hatte den Laster verlassen und musste irgendwie in den Aufzug. Waagerecht ging nicht, also wuchteten unsere Mäner das sauschwere Teil in die Schräge und ruckelten so lange, bis es die Tür „verbreitert“ hatte und, als wäre sie ein enger Geburtskanal, plötzlich durchflutschte.

Der Trupp schoss mit dem Geburtsbett am Haken um die Ecke in den Kreißsaal. Hans manövrierte wie ein Profi.

Horst lag der Servicekraft zu Füßen, die schon während der Montage begann, das Gestell zu desinfizieren. Horst fahndete in Rückenlage nach Löchern für Schrauben und fand sie.

Und dann lag Hans auch noch am Boden, denn nun mussten die Schrauben rein in die Löcher. Horst und Hans drehten. Sie hatten tolles Werkzeug dabei, aber genau der Imbusschlüssel, den sie brauchten, fehlte. Das Personal der Abteilung trieb auf der riesigen Anlage den Hausmechaniker auf. Der schob sein gesammeltes Werkzeug in einem Einkaufswagen herbei. Und was fehlte unter seinen Imbusschlüsseln aller Größen der Welt? Der passende. Trotzdem verliehen Hans und Horst dem Teil Spannung und Festigkeit.

Die Gynäkologin überlegte, wie genau das Bett denn im Raum stehen sollte. Zwar war der Standort ganz zu Beginn abgestimmt worden,. aber Hans und Horst meldeten Bedenken kann. Es stand so, dass die Schwangeren zwar ihre Kinder zur Welt bringen können, aber dies ohne Hilfe, da das Personal nicht an sie herankommt. Unser Dreamteam forderte fünf starke Männer (die eigenen waren in einem weit entfernten Gebäudetrakt noch mit dem Abladen der Laster beschäftigt. Es dauerte und dauerte, dann kam der erste. Ein frischgebackener Vater, der sich als erstes liebevolle Glückwünsche der Ostfriesen einfing. Dann kamen vier auf einen Streich. Gemeinsam hoben sie das Bett an und schaukelten das „Kind“ in eine sinnvolle Position.

Endlich stand das Bett, aber zwei Teile waren trotz klarer Hinweise an die litauischen Empfänger vom Bett getrennt worden und schlummerten nun irgendwo in den mittlerweile dank Litauentransport hochschwangeren Lagerräumen. Da schwang Hans sich zum Retter des Bettes auf. Alles musste vollständig sein. Als erstes entdeckte er in einem Lager den zugehörigen Stuhl. Dann setzte er sich drauf und beschloss, sich nicht eher zu erheben, bis das andere Teil (weit wichtiger als der Stuhl) gefunden wäre. Pflegedienstleiterin Grazvyde Masiliüniene (l.) machte es zur Chefsache, per Handy überall auf der weiten Anlage Leute aufzuscheuchen, um das Teil zu finden. Und es wurde gefunden, und kam noch pünktlich zurück auf die Welt, so dass die Unseren Hans einlesen und zurück mit nach Alytus nehmen konnten.

 

 

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