Zweiter Litauen-Tag: von Kilos, Wissen und Freundschaft

Das war eine besondere Runde: Im Bonihaus stellten sich nach dem Frühstück die 16 litauischen Gäste und fast ebenso viele Mitglieder von Neuauwiewitt persönlich vor und förderten Beeindruckendes zu Tage.

Allein die Hinweise zu ehrenamtlichen und hauptamtlichen Aktivitäten wirkten wie ein Riesen-Katalog an Hilfeleistungen. Von der Gefängnisseelsorge für „Lebenslängliche“ bis zur Begleitung und palliativ-medizinischen Versorgung sterbenskranker Menschen waren so gut wie alle Wechselfälle des Lebens vertreten.

Pfarrer Rytis dankte dafür, dass seine Gemeinde aus Neuauwiewitt so viel Hilfe erfahre. So könne die Gemeinde ihrerseits Hilfe weitergeben. Rytis war voll guter Neugier. Er wolle erfahren, sagte er, wie in der Pfarreiengemeinschaft Neuauwiewitt gearbeitet werde. Pfarrer Johannes erläuterte die ganzen Ausmaße unserer Pfarreiengemeinschaft, die fast die halbe ostfriesische Halbinsel umspannt, und streifte ihre Arbeitsschwerpunkte.

Bevor es zu den nächsten ZIelen ging, erklärte Horst mit Karte und Zollstock, wo an diesem Tag die Ziele lagen.

In den folgenden Stunden fragten Rytis und einige seiner Mitreisenden zwischendurch immer mal wieder breit gefächert und intensiv nach den Strukturen in Bund, Ländern und Kommunen, in Institutionen und Vereinen, in Industrie und Gewerbe, in Kirche und Caritas. Die Caritas hatte es ihnen angetan, zumal der Wohlfahrtsverband auch in Alytus segensreich wirkt. Sie wollten wissen: Wie ist er bei uns organisiert? Wer hat das Sagen? Wie sind einzelne Häuser vernetzt? Wirken alle unter einem Dach oder sind sie selbstständig?

Zu diesen Themen passte der erste Besuch des Tags. Mit drei vollgespickten Bonibullis fuhr die Gesellschaft ins Soziale Kaufhaus der Caritas nach Emden. Die litauischen Gäste erlebten, wie Menschen dort ganz selbstverständlich preiswert einkauften; Mitarbeiter sichteten „unter ihren Augen“ gespendete Ware, die sortiert, ausgezeichnet und dekoriert wurde.

Steffi erklärte vor dem Kaufhaus das Konzept.

Im Lager des Kaufhauses ging es anschaulich vor Bergen von gespendeter Ware weiter.

Dann liefen alle zurück zu den Bonibullis, die am Haus Simeon des Caritasverbands geparkt waren. Hier sollten eigentlich nur die Toiletten „besichtigt“ werden, doch gleich kamen Fragen auf. Die Pflegeversicherung interessierte die Gäste brennend. Etwas Vergleichbares gibt es in Litauen nicht. Einsamkeit und Altersarmut sind Alltag. Steffi stand Rede und Antwort.

Danach durften sich alle zurücklehnen, zunächst mal in den Bullis, die die Reisegesellschaft ins Rundwarftendorf Rysum nördlich von Emden brachten. Bald standen sie auf Boden, den schon vor über 1000 Jahren Christen mit einer Holzkirche bebaut hatten, nachdem sie aus Schlick einen Hügel aufgeworfen hatten, eben die Warft. Sie erfuhren von Sturmfluten über Jahrhunderte und vom Dollart, in dem rund 50 Kirchspiele, Dörfer und Klöster „begraben“ sind. Und sie hatten Menschen vor Augen, die bei Fluten in der Rysumer Kirche mit ihrem Vieh Zuflucht suchten.

In der heute evangelisch-reformierten Kirche sahen sie die weit über ein halbes Jahrtausend alte Orgel, die den Rysumern als die älteste bespielbare Orgel der Welt gilt – und Experten als vermutlich älteste bespielbare Orgel der Welt. Hier lassen große Organisten aus Europa und Amerika sowie kleine aus Asien bei Konzerten authentische Orgelmusik des späten Mittelalters erklingen.

Die Unseren erprobten die Akustik der ehedem katholischen Kirche mit ihren eigenen Stimmen. Sie sangen zur Ehre Gottes das „Laudate omnes gentes“ und hielten sich an den Händen.

Die Rysumer Kirche mit uralter Orgel.

Nach der kleinen Kirchenkunde ging’s zum Picknick an die nahe Mühle, und weil es angefangen hatte zu fisseln, verlegte die Reisegruppe ihre Mahlzeit kurzerhand und ungefragt in die Mühle. In dem ehrwürdigen Gemäuer ließ sich unter Kunstwerken genüsslich speisen, ehe es mitten durch weitere Warftenörtchen weiterging ins Touristendorf Greetsiel. Alle schwärmten freudig aus.

Kleiner Rundgang durch das wunderschöne Rysum,.

Der Kutterhafen in Greetsiel war beliebtes Fotomotiv.

Horst und Hans erprobten mit viel Spaß den Erwachsenenspielplatz.

Die Turmflüsterin durfte auch ran.

Nach reichlich freier Zeit bekamen die Gäste einen Eindruck von der Größe des Dekanats Ostfriesland. Gut eine Stunde brauchte die Gruppe, um vorbei an viel Gegend nach Wittmund zu kommen. Hier feierte Carl Borromäus mit den Konzelebranten Arunas, Rytis, Romas und Johannes einen Gottesdienst mit vielen Liedern, die von allen gemeinsam gesungen werden konnten.

Carl Borromäus mit den Konzelebranten Romas, Arunas, Johannes und Rytis. Birute übersetzte wie schon den ganzen Tag lang erstklassig.

Im Gemeindehaus überbrachten Vida und Rytis Geschenke für die Gemeinde und für Carl, der sein Privatfahrzeug als Spende nach Litauen überführt hatte und so dem „Essen auf Rädern“ Schwung verliehen hat.

Vida beschenkt Carl.

Rytis hat auch ein Päckchen.

warteten sehr freundliche Herren des Männerkreises und eine Buffetstraße mit gediegenem Abendessen auf die Gesellschaft. Der Hit war ein Nachtisch aus der Produktion von Patrick. Kein Zweifel: Dieser Nachtisch steht bald auf weiteren Tischen, denn Patrick verriet spendabel das kalorienfreundliche Rezept: Man nehme je ein Drittel Sahne, Maskarpone und Quark, gebe Kirschen und geröstete Mandelstiften hinzu und verpeise es mit nach oben verdrehten Augen.

Die Turmflüsterin gestand Birute und Arunas beim Essen, sie habe beim Pfingsttransport in Litauen zwei Kilogramm zugelegt. Arunas meinte, das sei ja nichts, wenn er jetzt nach Hause komme, „habe ich vier Kilo mehr“.

So wuchs die Feiergesellschaft an Kilos, Wissen und Freundschaft.

Text und Fotos: Delia Evers

Jungs und Mädels hatten beim Kickern viel Freude.

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