Backa, Norbert † | Mann in Kirchenvorstand und Kirchenchor

Am 13. August 2019 ist im Alter von 92 Jahren Norbert Backa gestorben. Über Jahre hat er die Gottesdienstgemeinde mit seiner Treue zur Eucharistiefeier beeindruckt.

Für Menschen in Norberts Alter kommt der Tod nicht überraschend, gleichwohl mitunter überraschend schnell – wie jetzt bei Norbert nach einer Blutvergiftung.

Noch vor wenigen Sonntagen hatte Norbert sich mit großer körperlicher Mühe bis vor die Kirchenbänke geschoben und auf einem der Stühle an den Altarstufen Platz genommen. In seine „angestammte“ Kirchenbank kam er nicht mehr hinein. Er konnte Beine und Füße nicht dirigieren wie er wollte. Anni dirigierte immer mit, schob mit, fasste an, behielt den Überblick, wo es lang gehen konnte, und tat dies so unspektakulär und selbstverständlich, als gehöre ihre Hilfe zum Bewegungsablauf von Norbert dazu.

Ganz vorn, an seinem neuen Platz, bekam er oft als erster die heilige Hostie gereicht, die ihm so wichtig war.

Ganz vorn hat Norbert oft gestanden. Über Jahrzehnte sang er im Kirchenchor mit, der ein Kreis von Sängerinnen und Sängern und gleichermaßen ein Kreis von Freunden war und ist.

Norbert sang gern. Der Chor freute sich an seiner zurückhaltenden Liebenswürdigkeit. In den letzten Jahren erlebte er die Auftritte der Sangesgemeinschaft nur noch als Zuhörer. Seine körperlichen Einschränkungen waren zu groß geworden. Er war dankbar, wenn er angesprochen wurde. „Wie geht’s, Norbert?“ Er antwortete freundlich und sagte über seine Gebrechlichkeit meist kein Wort. Jede ausgestreckte Hand nahm er gern mit festem Druck und nie flüchtig ohne Augenkontakt.

In den Chor war Norbert vor Jahrzehnten eingetreten, nachdem er 1989 seine Lehrtätigkeit für Mathematik und Physik am Ulricianum eingestellt hatte. „Papa Backa“ hatten ihn seine Schülerinnen und Schüler genannt – Kosename für einen Mann, der voller Empathie für die Kinder und Jugendlichen war und ihnen auf beste Weise väterlich begegnete – so wie seinen eigenen Kindern aus gutem Grund höchst intensiv und zugewendet.

Norbert war trotz seiner Schwäche ein Vorbild an Kraft, das zu tun, was ihm wichtig war. Er ließ sich nicht von seinen Gebrechen dominieren. Deshalb schaffte er es an Annis Seite in die Gottesdienste. Und deshalb schaffte er es vor vier Jahren mit auf Gemeindefahrt nach Dresden und in die sächsische Umgebung. Er war voll heller Freude über die vielen neuen Eindrücke und Erlebnisse und beklagte nicht, dass er manchen Programmpunkt auslassen musste.

Andere Reisende trugen Norberts Teilnahme gern mit; manchmal hieß es für sie, im Langsamen Schritt zu halten. Für manchen war das keine leichte Übung.

Gleichwohl war es eine gute Übung, jeden und jede mitzunehmen. Auch sie haben wir Norbert mitzuverdanken.

Anni und Norbert Backa (Bildmitte) 2015 während der Gemeindefahrt in Meißen in der Porzellanmanufaktur.

Norbert Backa 2017 bei einer Aufführung der Theaterfamilie Gassenhauer in der Auricher Stadthalle. Die Initiative zugunsten benachteiligter Kinder und Jugendlicher lag Norbert besonders am Herzen.

Über lange Jahre hat er die Arbeit der Gemeinde im Kirchenvorstand mit seiner Menschenfreundlichkeit und mit den analytischen Fähigkeiten eines Mathematikers und Physikers mitgeprägt.

Vergelt’s Gott, Norbert,

wünscht herzlich die
Turmflüsterin

Die Familie (zu ihr gehören neben Anna die Kinder Annette, Susanne und Ulrich mit Schwiegerkindern und Enkelkindern) sowie Freunde und Gemeinde feierten das Requiem für Norbert Backa am Montag, 19. August 2019, in der St.-Ludgerus-Kirche. Ulrike Ernsing würdigte den Verstorbenen. Anschließend war die Beisetzung auf dem Lamberti-Friedhof. Statt Blumen erbat die Familie Spenden für den Verein Subito e.V.

Während des Requiems wurden Erinnerungen von Enkelin Mei Lin vorgetragen. Sie ist Tochter von Norberts und Annis Tochter Susanne Margono. Die Familie lebt in Amerika.

Mei Lins Erinnerungen an Opa

Es ist früh am Morge,n und ein paar Sonnenstrahlen kommen durchs Fenster, die Farben des Tages sind noch blass, es wird bestimmt ein heißer Tag. Ich habe letzte Nacht einen seltsamen Traum gehabt, und als ich aufwachte, sackte mein Herz tiefer, mein Großvater ist wirklich gestorben.

Er ging gestern in den Himmel. Ich stelle mir vor, wie ein Engel ihn auf einem goldenen Lichtstrahl zurückträgt wie ein schlafendes Kind. Ruhe nun in Frieden, du hast ein langes Leben mit Güte und Großmut gelebt.

Opa war ein Bastler, der immer etwas erfinden wollte. Er hatte tausend Werkzeuge in seiner Kammer und viele Sachen. Einmal erwähnte ich, dass wir in Amerika keine Handbrausen benutzen. Ein paar Tage später kam ich an meinem Geburtstag von der Schule nach Hause, und er hatte mir einen Halter gebaut, an den ich die Handbrause hängen konnte. Von nun an war das Duschen einfach und schön.

Er konnte viele Geschichten von früher erzählen, besonders wenn er gemütlich beim Tee saß. Manchmal hielt er beim Erzählen inne und machte lange Pausen. Er versenkte sich in dem Moment, als wollte er ihn noch einmal erleben, und ich musste ihn daran erinnern, dass ich noch aufmerksam zuhörte.

Er machte oft Pläne, die er umsetzen wollte. So hatte er als Überraschung einen Strauß Blumen für meine Oma bestellt. Es fiel ihm erst am Abend wieder ein, als das Geschäft schon fast zu hatte. Jetzt müssen wir die Blumen aber abholen! Aber Schatz, das Geschäft ist gleich zu, mach es doch morgen, sagte Oma, er rief jedoch schnell an, und ich habe den Strauß für Oma abgeholt.

Einmal wollte er mit mir ein Fischbrötchen essen. Komm, ich lade dich zu einem Fischbrötchen ein, sagte er, wir packten den Rollator in den Kofferraum und fuhren in die Stadt. Er kannte viele Leute, die ihn ansprachen, oft ehemalige Schüler. Darüber freute er sich besonders. Nach dem Fischimbiss ging es zur Eisdiele, wo er ein Malaga-Milchmix trank und dann guckte, ob er auch genügend Rosinen bekommen hatte.

Mein Opa war ein herzensguter Mensch, der an allem Interesse nahm. Er genoss die Mahlzeiten, und Oma war die beste Köchin der Welt. Im sonnigen Wintergarten saß er und hörte klassische Musik im Radio. Oder er war an seinem Schreibtisch im Esszimmer, wo er mit der Leselupe durch Kassenzettel ging. An den Wänden die Fotos der Familie, und aus der Küche kam der Duft vom Mittagessen. Ich vermisse ihn sehr. Opa, bitte schau von Zeit zu Zeit auf uns herab und gib uns Geleit, wirke ausgleichend und sanft auf Oma auch vom Himmel. Wir haben dich lieb.

Susanne Margono schrieb zum Tod ihres Vaters das folgende Gedicht.

Gnade

Wir gehen weiter ohne dich
du hast dich ausgeschaltet
aus diesem Leben
und es ist dunkel geworden
so wie der Tod ein Ende ist.
Doch vorher hast du mir
ein Zeichen gegeben deines Glaubens
als du dich losgelöst hast
im Inbegriff neuen Lebens
Da schloss sich eine Tür so leise
und deine Seele war in Frieden.

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