25.12.25 | Weihnachtsgruß von Dennis

Moin liebe Mitglieder unserer Pfarreiengemeinschaft,
Moin liebe Gäste von nah und fern,

Weihnachten erzählt jedes Jahr neu dieselbe große, leise Geschichte: Gott kommt als Kind in unsere Welt. Er kommt nicht mit Macht und Stärke, sondern klein, verletzlich, angewiesen auf Fürsorge und Liebe. In der Krippe von Bethlehem zeigt sich: Gott will uns ganz nah sein. Er teilt unser Leben mit allem, was dazu gehört – mit Freude und Hoffnung, aber auch mit Sorgen, Unsicherheit und Angst. Weihnachten sagt uns zu: Inmitten dieser Welt, so wie sie ist, ist Gott da – als Friedensbringer, der unsere Herzen weiten möchte für Menschlichkeit, Mitgefühl und ein gutes Miteinander.

Im Bistum Osnabrück steht der große Transformationsprozess unter der Überschrift „verändert bleiben“. Diese zwei Worte beschreiben ziemlich gut, wie sich vieles anfühlt – auch bei uns in Ostfriesland. Wir erleben Veränderungen in der Kirche: Strukturen werden auf Aktualität geprüft und wandeln sich, es werden neue Formen gesucht und nach Umsetzbarkeit geschaut. Der begonnene Dekanatsprozess in Ostfriesland fragt genau danach:

– Wie kann die katholische Kirche hier bei uns auch in Zukunft ein guter, lebensnaher Ort des Glaubens sein?
– Wie können wir als Christinnen und Christen da sein für die Menschen, die hier leben – in den Städten, auf dem Land, mitten in unserer schönen ostfriesischen Landschaft?

Veränderungen begegnen uns aber nicht nur in der Kirche. Sie gehören zu unserem Leben:
Menschen wechseln den Arbeitsplatz oder gehen in den Ruhestand. Kinder werden geboren, wachsen in eine Familie hinein, ziehen irgendwann aus und gehen ihre eigenen Wege. Beziehungen wandeln sich, neue beginnen, andere enden. Menschen, die uns wichtig waren, sterben – wir bleiben zurück mit Trauer, mit Dankbarkeit, mit vielen Erinnerungen. Das Leben ist in Bewegung, nichts bleibt einfach stehen. Das kann weh tun, es kann verunsichern – und manchmal macht es auch neugierig auf das, was neu wachsen kann.

Mitten in all dem dürfen wir etwas festhalten: Es bleibt, dass wir an Gott glauben dürfen! Auch wenn sich unser Glaube im Laufe des Lebens verändert. Für viele von uns hat der Glaube als Kinderglaube begonnen: mit vertrauten Gebeten, Liedern, Krippenspielen, Geschichten von Jesus. Im Laufe der Jahre wird dieser Glaube herausgefordert, hinterfragt, neu geformt: durch Erfahrungen von Schuld und Versöhnung, durch Krankheit, Krisen, durch Glücksmomente und geschenkte Nähe. So wächst – hoffentlich – ein erwachsener Glaube: nicht naiv, aber vertrauend; nicht alles wissend, aber gehalten.

Auch im Blick auf unsere Konfessionen hat sich vieles verändert. Früher standen oft klare Grenzen: hier katholisch, dort evangelisch. Heute leben viele von uns selbstverständlich ökumenisch – in gemischtkonfessionellen Partnerschaften, in ökumenischen Projekten, im gemeinsamen Gebet und Handeln. Wir entdecken: Uns verbindet mehr, als uns trennt. Wir leben das gemeinsame Christliche, jede und jeder mit seiner eigenen Tradition, aber im Respekt und in der Wertschätzung füreinander. Auch das ist eine Veränderung, die vielen gut tut und die unsere Kirchen reicher macht.

Und nun wieder zurück nach Bethlehem:
Es bleibt, dass wir jedes Jahr Weihnachten feiern.
Es bleibt, dass wir jedes Jahr hören und bedenken: Das Kind in der Krippe kommt zur Welt – für uns.
Es bleibt, dass Jesus uns begegnen will, heute, hier, in unserem Alltag.
Es bleibt, dass er unser Herz öffnen möchte – für eine Welt voller Menschlichkeit, für eine Welt, in der Frieden mehr ist als ein Wort, für ein gutes Miteinander in unseren Familien, Nachbarschaften und Gemeinden.
Es bleibt, dass wir uns nach einem Platz sehnen, an dem wir geborgen sind, angenommen, wertvoll. Weihnachten sagt uns: Diesen Platz haben wir in Gottes Herz – und wir dürfen einander solche Plätze der Geborgenheit schenken.

Vielleicht spürst du in diesem Jahr besonders die Veränderungen in deinem eigenen Leben: einen neuen Arbeitsplatz, den Schritt in den Ruhestand, eine veränderte Familiensituation, einen schmerzlichen Abschied, eine Sorge, die dich nicht loslässt. Vielleicht erlebst du auch Neues, das dir gut tut: ein Neubeginn, eine überraschende Begegnung, ein Gefühl von „Hier bin ich richtig“. All das darf sein – und alles darf seinen Platz haben vor der Krippe in Bethlehem. Das Kind in der Krippe nimmt uns die Veränderungen nicht ab, aber es schenkt uns eine andere Perspektive: Du bist nicht allein. Gott geht mit dir! Gott geht mit uns!

Als Pfarreiengemeinschaft in Ostfriesland sind wir Teil dieses Weges „verändert bleiben“. Wir stehen mitten im Wandel der Kirche, mitten im Wandel der Gesellschaft – und doch dürfen wir uns Jahr für Jahr neu an die bleibende Mitte erinnern: an Jesus Christus, der als Kind in diese Welt kommt. In seinen Händen liegt unsere Zukunft. Sein Frieden ist stärker als unsere Ängste. Seine Liebe trägt, auch wenn vieles unsicher ist.

So wünschen wir euch und Ihnen vom Seelsorgeteam: Frohe und gesegnete Weihnachten!

Möge das Licht von Bethlehem eure Häuser und Herzen erhellen. Möge der Friede des Kindes in der Krippe eure Familien und eure Beziehungen erfüllen. Und möge Gott euch im neuen Jahr durch alle Veränderungen hindurch behüten – damit wir gemeinsam „verändert bleiben“ können: verwurzelt im Glauben, offen für Neues, verbunden in seiner Liebe.

Ihr und euer
Dennis Pahl