Klüngeltüngels in der Ausstellung von Armin Müller-Stahl
Armin Müller-Stahl gehört zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten des deutschen Films. Internationale Bekanntheit erlangte er als Schauspieler, da er nicht nur Filme in Deutschland, sondern auch in Hollywood drehte. Weniger bekannt, aber ebenso konsequent verfolgte er sein bildnerisches Wirken als Maler und Grafiker.
Dieses steht nun im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Kunsthalle Emden, die am 20. Januar von 24 Klüngeltüngels besucht wurde. Ingeborg Friedrich führte sie kompetent durch diese Ausstellung mit mehr als hundert Werken, die unter dem Titel „Nacht und Tag auf der Erde“ hier gezeigt werden.
Müller-Stahls Arbeiten sind stark von persönlichen Erfahrungen geprägt und bewegen sich zwischen Porträt, Erinnerung und Reflexion.
Armin Müller-Stahl wurde 1930 im ostpreußischen Tilsit als drittes von fünf Kindern in eine musisch geprägte Familie hinein geboren. Zeichnen, Malen, Musizieren und Schauspiel gehörten dort selbstverständlich zum Alltag. Früh zeigte sich bei dem jungen Armin eine außergewöhnliche Mehrfachbegabung. Er ist ausgebildeter Konzertgeiger und Komponist, zugleich Bühnenschauspieler und Weltstar des Films, Schriftsteller und bildender Künstler.
In der Malerei sieht er eine enge Verwandtschaft zur Schauspielkunst: mit wenigen Gesten das Wesentliche erfassen, spontan, verdichtet, voller Ausdruck. Die Bilder spiegeln biografische Stationen des Künstlers ebenso wie das Weltgeschehen – aus der Perspektive eines politisch wachen Zeitzeugen.
Auch heute noch, mit 95 Jahren, steht er jeden Tag in der zum Atelier umfunktionierten Garage seines Hauses in Sierksdorf an der Ostsee und malt. „Malen ist eine Tätigkeit, die die Dinge vom Kopf in den Bauch holt“, sagt er einmal in einem Interview. Er malt das, was ihn bewegt, mit wenigen Pinsel- oder Bleistiftstrichen, früher gerne auch auf Bierdeckeln oder auf Drehbuchseiten. Als Vorbilder nennt er u. a. Rembrandt und Nolde. Er hängt also keiner bestimmten Stilrichtung an, ist aber dem Expressionismus sehr zugeneigt.
Müller-Stahl hat Krieg, Diktatur, Teilung und Neubeginn erlebt, den Weg vom alten Europa über den Nationalsozialismus und die DDR in die Bundesrepublik, bis in die USA und wieder zurück an die Ostsee. Die Ausstellung gibt diese Erfahrungen wieder – kraftvoll, eindringlich, von großer künstlerischer Vielfalt und zeugt von immenser schöpferischer Energie.
In der Gesamtheit entsteht das Bild eines großartigen Künstlers, dessen Werk über Jahrzehnte hinweg gewachsen ist und der als Zeitzeuge ein Jahrhundert deutscher und internationaler Kulturgeschichte umfasst.
Beim anschließenden Kaffeetrinken zeigten sich die Klüngeltüngels begeistert von diesem außergewöhnlichen Menschen und Künstler. Ein Besuch lohnt sich.
Am 20. Februar ist Grünkohlessen im Boni-Haus. Herzliche Einladung.
Text: Elisabeth Funke
Fotos: Hildegard Lüken










