21.02.16 | Jesus, Mensch durch und durch

Im Sonntagsevangelium hören wir von der Verklärung des Herrn. Jesus hat Petrus, Johannes und Jakobus mit auf einen Berg genommen. Er betet. Und die Drei? Schlafen ein. Sie bekommen nicht mit, wie sich vor ihnen das Gesicht Jesu verändert, sein Gewand leuchtend weiß wird und plötzlich Mose und Elija bei ihm stehen.

Als die drei Jünger erwachen, ist die Verklärung fast vorbei. Mose und Elija wollen gerade entschwinden. Petrus sieht noch das Licht, aber er hinterfragt nicht, was da vorgeht. Er hält sich an das, was er kennt. Er bietet an, drei Hütten zu bauen.

Ob Jesus für einen Moment die Augen verdreht hat?

Immerhin hören die Jünger noch den Grund für die Verklärung: Vor ihnen steht der auserwählte Sohn Gottes. „Auf ihn sollt ihr hören!“, ruft eine Stimme aus einer Wolke.

Wir alle kennen die Begebenheit, von der in der Passionswoche die Rede sein wird. Jesus nimmt wiederum Petrus, Johannes und Jakobus mit – diesmal in den Garten Getsemani. Wieder schlafen die drei ein. Dabei haben sie einen ganz anderen Jesus vor sich: nicht den Verklärten, sondern den Leidenden, der von Furcht und Angst ergriffen ist. Er sagt den Dreien: „Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht.“ Wie können sie schlafen?

Jesus – einmal verklärt und einmal in Todesfurcht. Er ist der Sohn Gottes und geht den Weg eines Menschen. Wie gern wollten die Jünger und wollen wir ihn vor allem als den herrlichen Gottessohn begreifen und tun uns schwer damit, ihn leiden und qualvoll sterben zu sehen. Musste das sein? So ein blutrünstiger Tod?

Jesus wollte uns noch auf den furchtbarsten Wegen nahe sein und nicht nur – quasi von höherer Warte aus – mitfühlend zusehen, wie mies es auf der Erde zugeht. Er wollte und will mitten unter uns sein. Als verklärter Sohn und als Mensch durch und durch. So nah kommt er uns.

Herzlich eure
Turmflüsterin

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