Aug in Aug mit Waldbaumwipfeln

Die Neuauwiewitter wandelten auf einem Baumwipfelpfad. Von Liane zu Liane wie ein berühmtes literarisches Vorbild? Nein, ganz gemütlich auf einem Holzsteg, den unsere Regensburg-Reisenden gingen.

An ihrem sechsten Reisetag erlebten sie im Bayrischen Wald Bäume aus ganz neuer Perspektive. Von oben.

Baumwipfelpfad auf Stelzen. Der Steg liegt 25 Meter über dem Boden in den Wipfeln der Bäume.

Thomas Baron hatte sie ins Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau gebracht. Hier warteten schon die Naturführerinnen Marianne Melch und Jutta Boxleitner und entführten die Gruppe in eine nahezu unbekannte Welt auf 1.300 Metern Länge. Das war eine große Überraschung, denn wer hätte gedacht, dass Wald für uns in vielen Facetten ein unbekanntes Wesen ist.

In einer Höhe von 25 Metern mäandert ein breiter Holzpfad durch Fichten-, Tannen- und Buchenwald. Und die Unseren mäanderten mit. Denn der Pfad ist bestens zu begehen und sogar für Rollator- und Rollifahrer geeignet.

Unterwegs legten einige in der luftigen Höhe Hand an einen Fichtenstamm, der gleich neben dem Pfad stand. Sie drückten ihn leicht an und bewunderten, wie der ganze Baum ins Schwanken geriet. So hatten sie das noch nie gesehen und verstanden auf Anhieb, dass ein Baum schwanken muss, um im Wind nicht zu brechen.

Mutige konnten sich selbst auf einer kleinen Nebenstrecke ins Schwanken bringen und gut gesichert „mit Netz und doppeltem Boden“ 25 Meter über Grund auf einem Seil und einem kippeligen Stamm weitergehen bzw. balancieren.

Schwindelfreie Maria.

Von oben betrachtet präsentierten sich Tannen und Fichten in wunderschönen Mustern, die filigran wie Eiskristalle wirkten. Kein Zweifel, der Himmel hat die schönere Aussicht.

Vogelgesang klang ganz nah. Der Wind, der die Blätter bewegte, zerwühlte im nächsten Moment das Haar. Alles wirkte als großes Ganzes.

Darüber sprachen die Führerinnen. Sie stellten vor, wie in einem naturbelassenen Wald vom Boden bis in die Wipfel alle Lebewesen voneinander profitieren, an Produktion, Zersetzung und Neuproduktion beteiligt sind – von Spinnen, über Käfer und Regenwürmer bis hin zu Eichhörnchen, Baummardern, Hohltauben, Schmetterlingen, Pilzen und verrottenden Stämmen, in denen sich Samen ansiedeln und den Wald von morgen bilden.

Marianne Melch erklärt, woran man Fichten- und Tannenbäume unterscheidet.

Die Führerinnen stellten als Beispiel den Zunderschwamm vor, der kranke Buchen befällt und für das Fortbestehen des Walds gebraucht wird. Er zersetzt angeschlagene Bäume und gibt die Nährstoffe zurück an die Natur.

Früher wurde er „abgebaut“. Er brannte wie Zunder. Außerdem lässt sich aus ihm ein vliesartiges Gewebe gewinnen: Er ist weich wie das weichste Leder. Marianne Melch hat einen Hut aus diesem besonderen Material. Regenfest ist er nicht, aber wunderschön anzufühlen.

Gespannte Zuhörer in luftiger Höhe.

Und entspannte Neuauwiewitter ganz oben auf dem Aussichtsturm.

Die Gruppe strebte auf den Höhepunkt des Baumwipfelpfads zu, den Aussichtsturm. Er erhebt sich 44 Meter über dem Grund, ist mit einer Steigung von bis zu sechs Prozent leicht zu begehen und bietet die schönsten Ausblicke in alle Richtungen – über die Berge Lusen und Rachel hinweg, bis nach Tschechien und bei sehr guter Sicht sogar bis zum Alpenhauptkamm.

Schon am Anfang und ganz besonders am Ende waren alle begeistert.

Ergänzung zum sechsten Reisetag folgt.

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