„Ich hatte die Liebe zu Jesus schon kennen gelernt“

Das kommt in St. Ludgerus Aurich und der Pfarreiengemeinschaft nicht alle Tage vor. Ein junger Mann von 18 Jahren empfing inmitten der Sonntagsgemeinde das Sakrament der Taufe: der Schüler Marco Welsch.

Ernst schritt er nach vorn, als Pfarrer Johannes Ehrenbrink ihn vor den Altar bat. Gemeinsam mit den Messbesucherinnen und Messbesuchern bekannte Marco seinen Glauben, ehe Johannes ihn dreimal mit Taufwasser benetzte und die alten Worte sprach: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Pfarrer Johannes Ehrenbrink führt Marco Welsch in das Sakrament der Taufe ein.

Diesen Schritt in die katholische Kirche hat Marco sich reiflich durch den Kopf gehen lassen. Er kannte bereits evangelisch-freikirchliche, reformierte und lutherische Gemeinden. „Ich hatte die Liebe zu Jesus also schon kennen gelernt“, sagt er heute. Vor Monaten geriet er eher zufällig in die katholische St.-Ludgerus-Kirche. Die Liturgie sagte ihm auf Anhieb zu. „Ich war überwältigt.“ Schnell wurde er zu einem regelmäßigen Kirchbesucher.

Der Moment der Taufe.

Und noch eins, meint er, sei wichtig: In der katholischen Kirche sei die Auslegung von Bibelstellen eindeutig und verbindlich geregelt, während in evangelischen Kirchen vieles den Gläubigen überlassen sei. Das führe zu menschengemachten Deutungen, die eher unbiblisch seien und zu Abspaltungen und Verwirrung beigetragen hätten. Er glaube, dass Gott den Menschen die Heilige Kirche zur Verfügung gestellt habe, um die Bibel zu interpretieren. „Gott gibt uns die Möglichkeit zu wissen, was richtig ist.“

Das sind ungewöhnliche Aussagen für einen jungen Mann. „Wenn ich mich mit einer Sache beschäftige, dann sehr intensiv“, sagt er und erzählt, dass er viele Bücher zu religiösen Themen liest und in Podcasts von Theologen international unterwegs ist – mit regem Schriftverkehr.

Er befasst sich intensiv mit dem Bibelstudium. Der Katechismus ist dabei immer in der Nähe. Er hoffe, dass Fehler im Glauben dann erst gar nicht entstünden.

Fragen bleiben gleichwohl. Ganz eindeutig liegt der Weg nicht vor ihm. Wie auch? Vieles ist für ihn neu, z.B. die Marienverehrung in der katholischen Kirche. Marco will sich schrittweise annähern und auch hier Wissen nutzen, das er sammelt. Manche evangelische Christen hätten, wenn es um Marienverehrung gehe, eine regelrechte Abneigung gegen die Haltung von Katholiken. „Ich bin auf dem Weg, Maria kennen zu lernen.“ Beim Rosenkranzbeten empfindet er „eine heilende Wirkung“.

Die Erneuerungsbewegung in der katholischen Kirche sieht er mit gemischten Gefühlen. Sie könne die Gläubigen genau dorthin führen, wovon er sich gerade entfernen wolle: zu beliebigen Deutungen. „Die Modernisierungen vertrete ich nicht so ganz.“

Marco freut sich sehr über seine katholische Taufe, weil er „ganz Gott angehören möchte“.

Auf seinem Weg möchte er sich durch die Firmung bestärken lassen. Gemeinsam mit anderen jungen Menschen in St. Ludgerus bereitet er sich darauf vor.

Text und Fotos: Delia Evers

Marco Welsch mit seinen Eltern Ute und Detlef Roß sowie Großmutter Anita Rabenstein nach der Heiligen Messe vor der Kirche.

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