Im Kaufhaus am ZOB aus „Wundertüte“ einkaufen

2015-11-29 Warenhaus4_1Von Delia Evers | Am Dienstag ist jeder eingeladen, sich die Früchte einer tollen Aktion anzusehen: Dutzende von Bürgerinnen und Bürgern haben die „Körbe“ reichlich gefüllt.

Für das neue soziale Kaufhaus am ZOB haben sie teils sehr gute Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren und Wäsche, Kinderspielzeug, Bücher und viele andere Medien, Wanddekorationen und Schmuck gespendet. Am 1. Dezember um 10 Uhr wird Eröffnung gefeiert.

2015-11-29 Nordemann Claudia-kleinDie Spenden stapelten sich noch vor 14 Tagen buchstäblich bis unter’s Dach, wo die Dinge in einem lichtdurchfluteten Raum mit großen Fenstern sortiert, aufbereitet und ausgezeichnet wurden. In einer Gemeinschaftsaktion von Verkaufsleiterin Claudia Nordemann (Foto), 14 ehrenamtlichen Kräften und rund zehn Mitarbeitern wurde im Erdgeschoss alles auf 250 Quadratmetern Verkaufsfläche drapiert.

Getragen wird das Kaufhaus von Caritas und Diakonie. Stefanie Holle, Geschäftsführerin des Caritasverbands in Ostfriesland, sagte Freitag in einem Pressegespräch vor allem an die Adresse von Claudia Nordemann: „Ich bin sehr, sehr dankbar. Sie ist ein Glücksgriff.“ Zwar stapelte Claudia Nordemann tief („Schauen wir mal“), aber ihre Art zu arbeiten und zu führen hat Holles Einschätzung längst bestätigt. Claudia Nordemann ist gelernte Einzelhandelskauffrau und meisterliche Weberin.

Sie gab das Dankeschön an die vielen Spenderinnen und Spender weiter, die richtige Wundertüten mit Ware angeliefert hätten – und sicher weiterhin anliefern werden. Denn das Kaufhaus am ZOB bleibt auf Spenden angewiesen, damit das Projekt sich tragen kann. Da ist Steffi Holle allerdings aufgrund der guten Erfahrungen in ähnlich strukturierten Warenhäusen der Caritas in Leer und Emden bester Hoffnung.

Vom nüchternen Ambiente einer Kleiderkammer ist das Warenhaus in Aurich weit entfernt. Wer vor den Schaufenstern gleich hinter dem Busbahnhof erstschnuppert, freut sich an der gelungenen Dekoration. Gleich hinter dem Eingang empfängt ein Weihnachtstisch die Kundinnen und Kunden. Hier lässt sich oft nicht einmal beim zweiten Blick entdecken, dass die Engelchen, Glöckchen und Teddybären zuvor Menschen in anderen Haushalten glücklich gemacht haben.

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Heinrich Hillen, Steffi Holle und Claudia Nordemann Freitag beim Fototermin.

 

Die einwandfreie Qualität trifft selbstredend auch auf Kleidung, Haushaltswaren, Bücher und alles aus der Kinder- und Babyabteilung zu. Im Kaufhaus am ZOB sind ausdrücklich alle Kunden willkommen. Niemand muss bedürftig sein oder bei einem Einkauf das dumpfe Gefühl haben, er nehme anderen etwas weg. Für alle, die etwas erwerben, gelten die Preise auf dem Etikett. Und die sind ausgesprochen niedrig. Heinrich Hillen, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im ev.-lutherischen Kirchenkreis Aurich, nennt einen wichtigen Grund für die allgemeine Öffnung des Hauses. „Dadurch wird niemand stigmatisiert, der hier einkauft.“

Das Projekt ist in vielfacher Hinsicht beachtlich: 1. Hier können sich bedürftige (und alle anderen) Menschen preisgünstig mit Ware eindecken. 2. Gutes wird nicht auf den Müll geworfen, sondern durch die Hilfe ungezählter Spenderinnen und Spender weitergenutzt. 3. Rund zehn im Arbeitsmarkt schwer vermittelbare Menschen haben im Kaufhaus am ZOB eine Möglichkeit bekommen, sich ins Berufsleben einzugliedern und eigenes Geld zu verdienen. 4. Menschen, die sich für andere einsetzen möchten, können sich am ZOB ehrenamtlich für eine gute Sache engagieren.

Schon am Freitag war zu spüren, mit wie viel Elan die Belegschaft bei der Sache ist, faltet, etikettiert, aufbügelt, dekoriert, schleppt, hämmert und tömmert.

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Professionelle Dekoration gehört zum Konzept.

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Die Baby- und Kinderabteilung ist bestens gefüllt, auch mit Spielsachen.

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Liebhaberstücke für kleine und große Puppenfreunde.

Steffi Holle und Heinrich Hillen sind glücklich, dieses Projekt gemeinsam auf den Weg gebracht und dabei ganz nebenbei gute Ökumene gepflegt zu haben. So können sie sich Arbeit, Ideen und Risiko teilen und zugleich zeigen, wie Ökumene im Alltag funktioniert. Steffi Holle freut sich an dem „unkomplizierten Miteinander“, Heinrich Hillen sieht weitere Möglichkeiten, auch in anderen Bereichen gemeinsame Schritte zu gehen.

Jetzt ist erst einmal das Warenhaus dran.

Für Dienstag erhoffen sich alle Beteiligten viele neugierige Menschen, die einfach mal reinschauen, gern stöbern und sich noch lieber aus dem reichhaltigen Angebot bedienen und kaufen. Als kleines Dankeschön gibt’s den ganzen Tag über bis 18 Uhr warmen Punsch und Adventsleckereien. Hier das Programm im einzelnen:

10.00 Uhr Verkaufsstart
11.00 Uhr Musik mit Maxim Polijakowski
11.30 Uhr Führung in Kaufhaus und Lager für interessierte Personen
14.30 Uhr Aktion für Kinder „Kerzen gestalten“
15.00 Uhr Musik mit Kyra Watermann
15.30 Uhr Führung in Kaufhaus und Lager für interessierte Personen
18.00 Uhr Ende des ersten Tags

Danach geht es werktags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr weiter.

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Da gehts lang. Herzlich willkommen!

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Ein Teil des Teams im Warenhaus.

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