Sonntagsimpuls online

Liebe Gemeindemitglieder,
Kurz bevor ich diesen Artikel online gestellt habe, läutete die Angelus Glocke den Sonntag ein. Heute begegnen wir uns auf eine etwas andere Art und Weise.

In der Zeit, in der die Gottesdienste nicht stattfinden können, möchten wir Sie und Euch zum Ende der Woche mit den Texten und Impulsen beglücken, die für die Hl. Messe vorgesehen sind. Auch in der Woche soll es in regelmäßigen Abständen kleine „Atempausen“ geben.

Das Evangelium können Sie sich hier auch vorlesen lassen.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit
1 sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
6 Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem
Blinden auf die Augen
7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
8 Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
9 Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.
13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
16 Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.
17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
36 Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
37 Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Auch der Impuls für die kommende Woche ist hier zum Anhören hinterlegt.

Der Grund für diese Form der sonntäglichen Auszeit dürfte klar sein. Aufgrund der Corona Pandemie sind Veranstaltungen nahezu unmöglich geworden. Wir schaffen es kaum noch, diesem Thema im privaten oder auch im dienstlichen Alltag zu entgehen. Stündlich prasseln neue Informationen, weitere Einschränkungen, neue Fallzahlen und Berichte aus anderen Regionen Europas auf uns ein. Eine Flut von knallharten und manchmal auch falschen Zahlen und Fakten überschwemmen die sozialen, digitalen und analogen Medien.

Diese Informationen lösen Unsicherheit aus. Keiner weiß, wie sich das Virus weiter entwickeln wird und wie lange es noch dauern wird. Angst macht sich breit. Wer wird betroffen sein direkt oder indirekt. Wir machen uns Sorgen um unseren Arbeitsplatz, um unsere Gesundheit und um unsere Familien. Alles dreht sich nur noch um Corona. Die Welt wirkt düster. Und uns macht die Situation für vieles andere blind.

Bei den Pharisäern, von denen wir im Evangelium gehört haben, war es ähnlich. Ihr ganzes Leben drehte sich um die strikte Einhaltung ihrer Glaubenssätze. Das war ihr Lebensinhalt. Sie hatten ihre vorgefertigten Sichtweisen und hielten sich für die Hüter des einzig wahren Glaubens. Und was nicht passte, wurde untersagt. Der Glaube war zu einer Ideologie geworden, die sie blind für die Wundertat Jesu machte. Auch wenn das Wunder in Person des Geheilten direkt zu ihnen sprach.

Jesus fährt im Umgang mit dem Geheilten und auch mit anderen Menschen seine Zeit einen anderen Ansatz. Im dem Buch „Der kleine Prinz“ findet sich der Spruch „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Damit ist die Erfahrung angesprochen, dass uns die Welt und die Menschen nur dann wirklich begegnen können, wenn wir sie mit einem offenen und wohlwollenden Herzen ansehen.

Auch Jesus versucht den Blinden vor allem über die emotionale Ebene zu erreichen. Er stellt einen von der Gesellschaft ausgestoßenen Mann in den Mittelpunkt seines göttlichen Handelns. Er schenkt Aufmerksamkeit und ein Gefühl von Geliebt Sein jemandem, der allein aufgrund seiner Erkrankung in den Augen der Gesellschaft von Gott gestraft war.

Dem Blinden hat Jesus die Augen geöffnet. Und auch uns ruft Jesus besonders in der diesjährigen Fastenzeit dazu auf, nicht zuzulassen, dass die Corona Krise – ähnlich wie bei den Pharisäern – zu unserem einzigen Lebensinhalt wird. Nicht zuzulassen, dass wir wie blind in eine Schockstarre verfallen, sondern wieder neu zu lernen mit dem Herzen sehen. Es ist wichtig, den wohlwollenden Blick auf die Wirklichkeit und unsere Mitmenschen beizubehalten und trotz aller Krisen die Hoffnung nicht zu verlieren, denn auch im Augenblick hat das Leben mehr zu bieten, als Corona. Gerade in der heutigen Zeit geht es darum, kreativ zu schauen, wie wir im eigenen Umfeld vor Ort unsere Mitmenschen unterstützen können, ohne natürlich die geltenden Vorgaben zu umgehen.

Und dabei erfahren wir Hilfe, mit Sicherheit auch von demjenigen, der uns sowieso immer begleitet. Es begegnen uns vielleicht Mitmenschen, die uns mal wieder runterholen, wenn die Angst uns übermannt, die alle Meldungen vielleicht auch nochmal relativieren, einen anderen Blickwinkel auf die Thematik lenken, als den, den uns die Medien immer wieder verkaufen. Vielleicht begegnen uns auch Menschen, die neue Hoffnung machen. Oder zumindest die Entrüstung über die Situation teilen, ohne die Thematik oder die politisch getroffenen Maßnahmen verharmlosen zu wollen.

In der Pfarreiengemeinschaft bieten wir beispielsweise eine Einkaufshilfe an. Wenn Sie zur Risikogruppe gehören oder sich in Quarantäne befinden, melden Sie sich gerne im Pfarrhaus ihrer Gemeinde. Auch Angebote für Telefonate gibt es sowohl vom Bistum, als auch von der Caritas und der Pfarreiengemeinschaft. Ich kann sie nur ermutigen, diese Angebote bei Bedarf gerne wahrzunehmen!

Ich wünsche Ihnen und Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

Herzliche Grüße!

Markus Husen

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