2019-10-13 | Isburga und die Resonanz im Dom

Eigentlich war Isburga an allem Schuld. Sie konnte es mal wieder nicht lassen. Unbekannte Kirchen ziehen sie magisch an. Kaum setzt sie einen Fuß auf ehrwürdige Steine, beginnt sie zu summen.

Gibt der weite Raum wohlwollend Echo, schwillt Isburgas Stimme und füllt volltönend eine ganze Kirche (natürlich nur, wenn sich niemand gestört fühlt).

So setzte sie auch in Salò am Gardasee einen Fuß auf die ehrwürdigen Steine des Doms Santa Maria Annunziata, begleitet auf der einen Seite von ihrem Gefährten Klaus sowie auf der anderen Seite von Horst und der Turmflüsterin, die sich im Urlaub am Gardasee (nicht ganz) zufällig begegnet waren.

Im Dom räumte gerade der Küster auf. Kaum gewahrte er die Kirchbesucher, zeigte er auf Klaus und fuchtelte unter Absingen melodischer Tiraden aus italienischen Wörtern mit einem großen Tuch herum. Klaus begriff: Der Küster wollte es falten, so wie die Älteren unter uns vor Jahrzehnten Betttücher gereckt und zusammengelegt hatten. Klaus erwies sich als begnadeter Falter. Die beiden schufen ein akkurates Paket im Großschrankformat. Bellissimo!

Der Küster zog Horst zu sich heran und wies auf einen Teppich. Das Reden hatte er eingestellt; seine Zeichensprache war beredt. Er wollte den Teppich gerollt haben. Horst, Klaus und der Küster gingen in die Knie und rollten.

Und sie rollten und rollten.

Wieder ein Fingerzeig: die Altarstufen hoch in die Sakristei. Die Drei schleppten den Teppich hoch.

Auf ging`s. Das Taufbecken (rechts im Bild) hatten sie noch nicht im Blick.

Ein letzter Fingerzeig: auf ein Taufbecken. Des Küsters Hand beschrieb einen Bogen vom Becken in eine Seitennische. Klaus und Horst guckten groß. Dann stellten sie sich brav ans Becken, das kaum zu fassen war, und packten zu. Isburga eilte zur Hilfe. Der Küster dirigierte. Die drei Unseren schleppten, während der Wasserspiegel schwankte und der Küster sich beglückwünschte. Die Arbeit war getan.

Uff, ganz schön schwer, so ein metallenes Taufbecken.

Isburga hatte noch ausreichend Luft und begann zu summen. Doch die Kirche verweigerte jede Resonanz (so viel zum Thema Dankbarkeit). Nix schwoll. Nix füllte sich. Egal: Der Küster war glücklich,

meint herzlich eure
Turmflüsterin

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