Kurzes Konzert mit langem Nachhall

Gitarrenkünstler Patané spielte mitreißend in St.-Ludgerus-Kirche | Von Delia Evers

2016-10-30-patane1_1Der Esenser Paolo Patané gab in St. Ludgerus Aurich ein kurzes Konzert auf seiner spanischen Gitarre. Er war offenkundig genau im richtigen Raum. Patané füllte die kleine Kirche…

… mit seiner manchmal temperamentvollen, manchmal meditativen und immer berührenden Musik.

Das Konzert fing schon gut an. Paolo Patané schaute ins Publikum, als müsse er sich noch die entscheidende Inspiration holen.

Er ruckelte seine Kniestütze zurecht, nahm Augenkontakt zum Auditorium auf, verrückte seinen Knieschoner, dann wieder die Stütze, den Schoner, die Stütze, seinen Augenkontakt…

Die stille Einlage hatte eine Art lautlosen Knalleffekt: Patané besaß die ganze Aufmerksamkeit. Er behielt sie bis zum Schluss.

Seine kleinen und scheinbar unbeholfenen Rück-Aktionen (und Drück-Aktionen an seiner Nase zwecks Druckausgleich zum besseren Hören) zeigte er zum Spaß der Zuhörer immer wieder.

Zwischendurch spielte er. Hinreißend, virtuos. Er kündigte Stücke an und verwarf sie, zupfte wie zufällig an ein paar Saiten, horchte dem Klang nach, wählte aus seinen beeindruckenden Eigenkompositionen und nahm die Zuhörer mit.

Einige lauschten mit geschlossenen Augen so wie man einem Gedicht lauscht, um sich besser für die Schönheit der Poesie zu sammeln.

Paolo Patané ruckelte sich scheinbar etwas umständlich zwischen den Stücken immer wieder zurecht...

Paolo Patané ruckelte sich scheinbar etwas umständlich zwischen den Stücken zurecht…

... und setzte sein Spiel dann virtuos fort.

… und setzte sein Spiel dann virtuos fort: ein kurzes Konzert mit langem Nachhall.

Manchmal stellte Patané seine Stücke mit knappen Sätzen vor. Er zeigte im Publikum auf die Dame, die ihn zu dem Stück „Schönes Grau“ animiert hatte. Es kam ganz bunt, jedenfalls mit vielen Schattierungen und vor allem mit melancholischen Klangfarben in Moll daher.

Für einen marokkanischen Freund spielte er ein Erinnerungslied. Wohl jeder spürte, dass ihm die eigene Musik nahe ging.

So breitete er vor dem Auditorium einen kleinen Teil seines Lebens aus, einen kleinen Teil europäischer, afrikanischer, orientalischer und asiatischer Musikkultur und einen ganz großen Teil der wunderbaren Möglichkeiten einer spanischen Gitarre.

Am Ende wirkte alles folgerichtig. Stimmiger hätten die Stücke nicht aufeinander folgen können.

Auch das Auditorium kam in Patanés Konzert vor. Einmal fragte er die Damen und Herren: „Können Sie mich gut hören?“

Ja, das konnten sie.

Eine kleine Hörprobe auch seiner Flötenkünste gibt es hier.

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