Peter Bard erlebte ungewöhnlichen Gottesdienst in Kigali

Dr. Peter Bard lebt für zwei Monate im ruandischen Kigali, um mit seiner Fachkenntnis einer in Not geratenen Tierarztpraxis zu helfen. Diesmal beschreibt er einen ungewöhnlichen Gottesdienst.

In Kigali ist der Veterinär im Auftrag der Stiftung SES unterwegs. Die drei Buchstaben stehen für Senior Expert Service. Die Stiftung nutzt das Expertenwissen ihrer Mitglieder, um sich weltweit in humanitären Anliegen zu engagieren.

Peter schreibt:

Sonntag waren wir wieder in der Kirche. Diesmal in einer der anglikanischen Kirchen der Stadt. Der Innenraum gleicht mehr einer schmucklosen Halle, an einem Ende ein schlichtes Kreuz an der Wand, zwei sesselähnliche Stühle, ein, soweit ich sehen konnte, leerer Altartisch.

Der Innenraum selbst ist vollständig mit Sitzbänken ausgestattet, und da er brechend voll war, wurden noch zahlreiche Campingstühle hineingetragen. Die erwachsenen Helfer waren ständig damit beschäftigt, weitere Sitzplätze zu beschaffen, so dass wir am Schluss alle eng nebeneinander „Platz“ hatten.

Immer mehr Menschen strömten zum Gottesdienst herbei.

Und immer mehr Stühle mussten geholt werden, damit alle Platz fanden. Hier erlebte Peter Bard einen ungewöhnlichen Gottesdienst.

Ich schätze die Zahl der versammelten Gläubigen auf 400 bis 500, es könnten auch mehr gewesen sein.

Von Anfang an Musik, Gesang, Tanz. Dazwischen Ansprachen der Pastoren, die ich leider nicht verstehen konnte, da die Messe in der Landessprache, in Kiriyarwanda, gehalten wurde.

Meine Gastgeberin übersetzte mir einige Passagen, an etlichen Stellen lachten die Menschen oder klatschten.

An einer Stelle der Predigt fragte der Pastor, wer neuer Besucher in der Kirche sei, und bat die Neuen darum aufzustehen. Das tat ich mit einigen anderen. Er begrüßte uns herzlich zum Besuch in seiner Kirche.

Die Liturgie selbst nahm einen relativ kleinen Raum ein (soweit ich das beurteilen konnte). Auch hier nahm man sich bei der Hand oder gab sich die Hand bei bestimmten Gebeten.

Gegen Ende stellte sich eine kleine Gruppe zusammen mit dem Pastor vor die versammelten Gläubigen. Ein jüngerer Mann bekannte, eine schwere Sünde begangen zu haben, einen Ehebruch, und er bat die Kirche und Gott um Vergebung.

Beichte in unserem Sinn gibt es dort nicht. Sie findet öffentlich statt.

Die jüngeren Kinder hatten während der Messe in einer „Sunday School“ in einem Nebengebäude Religionsunterricht.

Auf dem Gelände entsteht ein großes Gebäude, wie mir gesagt wurde: die neue Kirche, da die bestehende zu klein geworden ist. In diesem Zusammenhang interessant war der Bericht des Pastors, der offensichtlich von einem Besuch in England zurückkam und seine dortigen Amtsbrüder gefragt hatte, wieso es in dem Land, welches ihnen die Religion gebracht hatte, immer weniger Gläubige gebe. Er wolle nach seiner Rückkehr mit den hiesigen Gläubigen für sie beten.

Prosaischer ging es am Abend zuvor zu: Oktoberfest in Kigali!

Oktoberfest in Kigali und Peter mittendrin; rechts seine Gastgeberin.

Ein deutscher Metzger, der hier eine beispielgebende Metzgerei aufgebaut hat (wie schade, dass ich so wenig Fleisch und Wurst esse) hatte ein Bierfest organisiert. Auch hier volles Publikum, Weiß (Muzungu) und Schwarz und sonstige Farben friedlich zusammen beim Biertrinken. Dazu gab’s Schweinsbraten mit Knödel und Hendl samt Pommes. Das Hühnchenfleisch (vom Land) ist ausgezeichnet, kein Vergleich mit dem Fleisch industriell aufgezogener Tiere.

Das Wetter ist sehr warm bis schwül, dazwischen starke Regenfälle die etwas abkühlen. Die Mückenplage bisher ist noch nicht sehr lästig.

Nähere Hinweise zum Einsatz von Peter Bard stehen hier.

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