2015-05-06 Verabschiedung

Gisela Fischer und ihre sechs Paar Hände

Pfarrsekretärin in den Ruhestand verabschiedet, Martina Blaes eingeführt

In einem feierlichen Gottesdienst, der vom Kirchenchor, der Gitarrengruppe „Saitenwind“ sowie Kyra Watermann und Markus Husen musikalisch mitgestaltet war, verabschiedete die Kirchengemeinde St. Bonifatius Wittmund am Gute-Hirte-Sonntag ihre langjährige Pfarrsekretärin und Rendantin Gisela Fischer in den Ruhestand.

Das Bild vom Hirten nahm Pastor Carl B. Hack in seiner Predigt auf, als er über Gisela Fischer (im Bild bei der Verabschiedung mit Pfarrer Johannes Ehrenbrink; Foto: Udo Angele) sagte:

1-Fischer7Von Hirten reden wir immer wieder auch in der Kirche – da gibt es den Oberhirten, also den Bischof, das gibt es den Pastor = Hirte. Es braucht in der Kirche und in einer Gemeinde immer Menschen, die für andere da sind, ansprechbar, die viele kennen, die um jeden einzelnen besorgt sind, die sich um andere kümmern, zuhören, begleiten, … Davon gibt es in unserer Pfarreiengemeinschaft ganz, ganz viele. Eine darf ich heute besonders nennen: Unsere langjährige Pfarrsekretärin und RendantinGisela Fischer, die wir heute in den Ruhestand verabschieden müssen, weil sie es so will.

Seit dem 1. Februar 2001 war sie tätig als Pfarrsekretärin und seit dem 1. Mai 2002 als Rendantin, das heißt zuständig für die Finanz- und Personalverwaltung einer Kirchengemeinde.

Sie war in diesen Jahren die Konstante in dieser Gemeinde; viele Priester hat sie erlebt, sie kommen und oft schnell wieder gehen sehen. Im Pfarrbüro direkt oder am Telefon gab es über all die Jahre mit Gisela Fischer das vertraute Gesicht mit der netten Stimme und dem vielfältigen und großen Wissen und den vielen Lösungen für fast alle Lebenslagen.

In einem Pfarrbüro müssen so viele Dinge erledigt werden, Gemeindemitglieder und Hauptamtliche haben so viele Ansprüche. Dazu passt sicherlich die folgende Legende einer Pfarrsekretärin, die ich gefunden habe und die ich weder Dir, liebe Gisela, noch der hier versammelten Festgemeinde vorenthalten möchte:

Als der Liebe Gott die Pfarrsekretärin erschuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden.

Da erschien ein Engel und sagte: „Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur.“

Der liebe Gott antwortete: „Hast Du die vielen speziellen Wünsche auf dieser langen Liste gesehen? Sie soll als Frau lieferbar sein und wartungsfrei, sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Rücken, auf dem sich alles abladen lässt, dabei aber so zierlich, dass sie sich in viel zu kleinen Diensträumen wohl fühlen kann. Sie muss fünf Dinge gleichzeitig tun können und dabei immer noch eine Hand frei haben.“

Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: „Sechs Hände, das wird wohl kaum gehen.“

„Die Hände machen mir kaum Kopfschmerzen“, sagte der liebe Gott, „aber die drei Paar Augen, die schon das Standardmodell haben soll: ein Paar, damit sie in alle Zimmer sehen kann, um alles zu betreuen, ein weiteres Paar am Hinterkopf, damit sie sieht, was man vor ihr verbergen möchte, was sie aber unbedingt wissen muss, und natürlich das eine Paar vorne, mit dem sie den Besucher ansieht und ihm klar macht: ‘Ich verstehe Sie, bin für Sie da, ohne dass sie ein Wort sprechen muss.'”

Der Engel zupfte den lieben Gott leicht am Arm und sagte: „Geht schlafen, Herr, und macht morgen weiter.“

„Ich kann nicht, ich habe bereits geschafft, dass sie kaum krank wird und wenn, dann heilt sie sich selber. Sie hat Freude an einem Beruf, der alles fordert, sie kann mit Überstunden leben und kommt mit wenig Freizeit aus.“

Der Engel ging langsam um das Modell der Sekretärin herum. „Das Material ist zu weich“.

„Aber dafür zäh“, entgegnete der liebe Gott. „Du glaubst gar nicht, was es alles aushält!”
“Kann sie denken?“

„Nicht nur denken, sondern auch Kompromisse schließen”, sagte der liebe Gott.

Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. „Da ist ein Leck!“

„Nein, das ist eine Träne.“

„Und wofür ist die?“

„Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit“, sagte der liebe Gott, „die Träne ist das Überlaufventil.“

Ich hoffe, liebe Gisela, du hast in den über 14 Jahren nicht zu viele Tränen vergossen, und, wenn überhaupt, sicherlich vor Freude; ich jedenfalls danke dir für die gemeinsamen knapp sechs Jahre, in denen ich gerne mit dir zusammengearbeitet habe; und ich darf das auch für unseren gemeinsamen Chef Johannes sagen! Du hast mir bei allen Fragen geholfen, die so ein neuer Pastor am Anfang, aber auch danach, immer so hat. Und du warst für ungezählte Menschen, die in dein Büro kamen, immer da und hast auch ihnen zuvorkommend und liebevoll geholfen – auch deiner Nachfolgerin bei der Einarbeitungszeit.

Du warst in nicht immer einfachen Zeiten unserer St.-Bonifatius-Gemeinde nicht nur eine Konstante, sondern auch eine verlässliche Hirtin. Danke!

Liebe Gisela! Im Namen unserer Kirchengemeinde sage ich Danke für alle geleistete Arbeit und wünsche dir für den Ruhestand, zusammen mit deinem lieben Heribert, alles Gute und Gottes Segen.

Die Blumen sollen dein Herz erfreuen, und dieser Umschlag enthält eine kleine finanzielle Anerkennung und soll helfen, deine …ich bin dann mal weg-Wünsche zu erfüllen, wenn du auf Reisen gehst oder das ein oder andere Musical besuchst.
Zugleich darf ich heute deine Nachfolgerin im Pfarrbüro und in der Rendantur vorstellen: Martina Blaes.

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Die eine geht, die andere kommt: Gisela Fischer (2.v.l.) und Martina Blaes umringt von Pfarrer Johannes Ehrenbrink und Pastor Carl B. Hack. Foto: Patrick Blaes

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Messdiener Markus Blaes, Sohn von Martina Blaes, überreicht der scheidenden Gisela Fischer einen Blumenstrauß. Foto: Patrick Blaes

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Pastor Carl B. Hack mit Martina Blaes und ihrem Mann Patrick. Foto: Udo Angele

Dir, liebe Martina, möchte ich ein paar Worte von Katharina von Siena – sie ist die Patronin der Pfarrsekretärinnen und -sekretäre – mit auf den Weg geben:
Katharina hat in einer Zeit, im 14. Jahrhundert, gelebt, die ähnlich wie die unsere sehr schwierig für die Kirche war. In dieser Situation hat Katharina ihr ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt. Das hat bei ihr eine unglaubliche Energie und grenzenlosen Mut freigesetzt.

In ihrer schlichten und doch ganz festen Art konnte Katharina sogar den Papst dazu bewegen, aus seinem Exil aus Frankreich nach Rom zurückzukehren. Dadurch hat sie der Freiheit der Kirche einen unschätzbaren Dienst erwiesen.

Gewiss, Katharina ist ein hohes Vorbild. Trotzdem ist auch für Pfarrsekretärinnen und -sekretäre erreichbar, was ihr Herzensanliegen war:

● in nicht einfacher Zeit
● in großem Vertrauen auf Gott
● mit Mut und Selbstbewusstsein die Kraft für eine konkrete Aufgabe in der Kirche einsetzen!

Einen guten Start in deine neue Aufgabe!

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Gut gefüllt war nach dem Gottesdienst das Gemeindehaus. Fotos (3): Patrick Blaes

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Jung und Älter kamen zusammen.

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Die Gemeinde erlebte eine würdige Feier.

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